Tanias Hafi-Blog

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Frech, oder was?

Wir bekommen immer wieder Anfragen von Pferdeleuten, die wissen möchten, wie sie sich verhalten sollen, wenn ihr Pferd “zu frech” ist. Als Beispiel wird dann genannt, dass ein Pferd an der Jacke knabbert, auf dem Führstrick herumkaut, den Putzkasten umwirft und ähnliches mehr. “So etwas kann man doch nicht durchgehen lassen, oder?” lautet die Frage mit der Bitte um Rat, wie man sich verhalten soll.

Bevor wir uns damit befassen, wie wir auf ein unerwünschtes Verhalten unserer Pferde reagieren, sollten wir, denke ich, zunächst uns diese Verhaltensweisen einmal genauer anschauen. Nehmen wir dazu das Beispiel von dem Pferd, das einem Menschen an der Jacke zupft. Auch wenn mir da nun vielleicht viele spontan widersprechen werden, behaupte ich: ein solches Pferd muss nicht automatisch “frech” sein.

  • Es kann vielleicht vielmehr ein sehr kontaktfreudiges Pferd sein, das noch nicht gelernt (also wirklich verstanden) hat, dass in die Jacke beißen etwas ist, das der Mensch nicht will.
  • Es kann ein Pferd sein, das sich langweilt und das aus Frust versucht, Aufmerksamkeit zu erlangen.
  • Es kann ein Pferd sein, das zu wenig Kontakt zu Artgenossen hat und schlicht und einfach sein Grundbedürfnis nach Fellpflege ausleben will und das aufgrund des Mangels an Artgenossen eben am Menschen.
  • Es kann ein Pferd sein, dessen Mensch es in vielen Fällen “lustig” findet, wenn es an ihm herumknabbert, aber eben in manchen Momenten dieses Verhalten als frech empfindet, so dass es nicht wissen kann, was erlaubt ist und was nicht.
  • Es kann ein neugieriges Pferd sein, das alles erkunden will (und das tun Pferde nun mal mit ihrem Maul).
  • Und … und … und …

Nur allein beim kurzen Nachdenken, sind mir bereits fünf mögliche Erklärungen eingefallen, von denen allenfalls eine auf ein “freches” Pferd schließen lässt und die ist hausgemacht (das Pferd von der Person, die es sonst witzig findet, beknabbert zu werden).

Was ich mit diesem Beispiel deutlich machen will: Ein Pferd ist nicht einfach frech, sondern es gibt Ursachen für jedes Verhalten eines Pferdes. Nur wenn wir erkennen, warum ein Pferd etwas macht, haben wir die Möglichkeit, angemessen auf das Verhalten zu reagieren. Wenn wir dem Pferd nicht, wie leider so häufig der Fall, automatisch bösen Willen unterstellen und es deshalb bestrafen, sind wir offen für freundliche Reaktionen, mit denen wir dem Pferd erklären können, dass wir sein Verhalten nicht mögen.

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24. Januar 2012 von Tania • Kategorie: Umgang 13 Kommentare »

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Wie erreiche ich, dass mein Pferd über den Rücken läuft?

Nachdem wir uns nun ausführlich angeschaut haben, wie es aussieht, wenn ein Pferd gut über den Rücken läuft, wird wahrscheinlich manch einer von Euch vielleicht im Vergleich mit den eigenen Fotos erkannt haben, dass das beim eigenen Pferd noch nicht so aussieht. Da stellt sich dann natürlich die Frage:

Wie erreicht man, dass ein Pferd gut über den Rücken läuft?

Dieses komplexe Thema lässt sich natürlich nicht mal eben erschöpfend behandeln, aber ich möchte einige Gedanken, Hinweise und Tipps zusammentragen, die Euch auf dem Weg dahin helfen können.

Am Anfang steht ein Check

Zunächst muss sichergestellt sein, dass das Pferd überhaupt gut laufen KANN – und das immer wieder neu!

  • Dazu gehört zum einen eine Überprüfung, ob das Pferd schmerzfrei ist (hier nicht nur an Lahmheiten denken, sondern auch an Verspannungen, an die Zähne u.ä.).
  • Und zum anderen muss gründlich kontrolliert werden, dass die Ausrüstung dem Pferd auch wirklich passt, hier allem voran, ob der Sattel wirklich passt. Kein Pferd kann locker und entspannt laufen, wenn der Sattel kneift oder wenn die Ausrüstung scheuert.

Bitte nehmt beide Punkte nicht auf die leichte Schulter. Ja, es ist nervig, sich immer wieder mit dem Sattel zu beschäftigen oder schon wieder Geld für eine Gesundheitsbehandlung auszugeben. Aber wir können von unserem Pferd kein gutes Laufen erwarten (oder gar fordern), wenn wir nicht dafür Sorge tragen, dass es sich wohlfühlt, es keine Beschwerden und Schmerzen hat. Also am besten gleich mal überlegen,

  • wann das letzte Mal der Zahnarzt da war (und nicht nur der Tierarzt mal einen Blick ins Maul getan hat),
  • ob es vielleicht einen Grund gibt, einen Osteopathen oder Physiotherapeuten zu rufen und
  • ob der Sattel wirklich passt.

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9. Januar 2012 von Tania • Kategorie: Gesundheit 11 Kommentare »

Das Auge schulen – Teil 3: Wie erkenne ich einen Bergauf-Galopp?

Wir haben uns in den letzten beiden Wochen damit befasst, wie man erkennen kann, ob ein Pferderücken nach oben schwingt und wie es aussieht, wenn ein Pferd gut über den Rücken geht. Heute geht es um den Galopp.

Einen guten Galopp zu erkennen ist gar nicht so schwer, denn ein guter Galopp ist ein so genannter Bergauf-Galopp. Und da steckt das entscheidende Element schon im Namen! Auf diesem Foto kann man sehr gut sehen, was mit einem Bergauf-Galopp gemeint ist:

Die Hinterhand tritt weit unter den Schwerpunkt und das ganze Pferd ist zur Vorhand hin nach vorne-oben aufgerichtet – es wirkt, als würde das Pferd einen Berg hinaufgaloppieren, obwohl es auf gerader Strecke läuft. Der Rücken wölbt sich dabei schön nach oben.

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20. Oktober 2011 von Tania • Kategorie: Sonstiges 4 Kommentare »

Das Auge schulen – Teil 2: Läuft mein Pferd über den Rücken?

In der letzten Woche ging es um die Frage, wie man erkennen kann, ob der Rücken eines Pferdes in der Bewegung nach oben schwingt. Auch heute bleiben wir bei diesem Thema und schauen uns an, wie es aussieht, wenn ein Pferd wirklich “über den Rücken geht”.

Das so genannte Über-den-Rücken-gehen bezeichnet nicht nur die aktive Rückentätigkeit des Pferdes (das Hochschwingen den Rückens), sondern auch eine aktive Hinterhand und eine entspannte Halshaltung.

Schauen wir uns einmal an, wie das aussieht – einmal an der Longe:

Und einmal unter dem Sattel:

Um nun ein Gefühl dafür zu bekommen, worauf wir achten müssen, zeige ich Euch im Vergleich Bilder, auf denen das Pferd nicht über den Rücken geht.

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13. Oktober 2011 von Tania • Kategorie: Sonstiges 13 Kommentare »

Das Auge schulen – Teil 1: Schwingt der Rücken?

Vor einiger Zeit habe ich schon mal einen Artikel zur Frage geschrieben, wie man erkennen kann, ob ein Pferd auf der Vorhand läuft – hier nachzulesen. Da diesen Artikel viele sehr hilfreich fanden und immer wieder Fragen zum “Sehenlernen” aufkommen, habe ich mir überlegt, hier noch ein bisschen tiefer einzusteigen und mit Euch gemeinsam das Auge zu schulen.

Beginnen wir mit der Frage: Wie erkenne ich, ob der Rücken eines Pferdes nach oben schwingt?

Babette hat in ihrem Artikel zur Biomechanik des Pferdes ausführlich beschrieben, warum es so wichtig ist, dass ein Pferd lernt, den Rücken aufzuwölben. Wie aber erkennt man nun, ob ein Pferderücken tatsächlich nach oben schwingt?

Ausgesprochen hilfreich ist, sich dafür eine Orientierungslinie hinter dem Pferd zu suchen. Das kann die Bande der Reithalle sein, ein Zaun oder irgend eine optische Linie, mit der man den Pferderücken optisch in eine Beziehung setzen kann.

Zur Illustration habe ich Euch hier mal die optische Linie rot gepunktet eingezeichnet, die in diesem Fall zur Einschätzung der Rückenaktivität dient:

Es ist deutlich zu sehen, wie Aramis Rücken hier beim Traben über die Cavalettis nach oben, sogar noch einen Hauch über die Linie schwingt.

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6. Oktober 2011 von Tania • Kategorie: Sonstiges 11 Kommentare »

Zumutbar?

Für mich gehört es zu meinem Selbstverständnis als Pferdebesitzerin, dass ich etwas mit meinen Pferde mache. Sie also bewege und beschäftige, sie trainiere und “arbeite”. Einmal in der Woche gibt es meistens frei oder auch mal zweimal, wenn ich das Gefühl habe, eine Pause würde ihnen gut tun. Wenn ich verreise, haben die Jungs auch Urlaub. Aber an allen anderen Tagen habe ich den Anspruch an mich, etwas mit den beiden zu machen.

Nun gibt es aber Tage, an denen ich so unter Stress stehe, dass ich schnell genervt und gereizt reagiere oder ich habe eigentlich kaum Zeit, will also das Programm mal “schnellschnell” durchziehen. Oder ich bin mit meinem Kopf ganz woanders und kann mich nicht wirklich auf meine Pferde konzentrieren. Oder ich habe Kopfweh und würde am liebsten ins Bett krauchen.

Früher habe ich an solchen Tagen trotzdem was gemacht. “Reiß dich zusammen.” habe ich mir gesagt. Das waren dann fast immer “doofe” Tage. Tage, an denen nichts richtig klappte oder ich mich sogar mit den Pferden stritt. Tage, an denen ich mich hinterher noch mieser fühlte als vorher.

Heute versuche ich im Vorfeld zu erkennen, ob es wirklich eine gute Idee ist, etwas mit den Jungs zu machen oder ob ich es lieber sein lassen sollte. Ich frage mich dann, ob ich meinen Jungs zumutbar bin :-) Und manchmal bin ich genau das eben nicht.

Zumutbar bin ich dann nicht, wenn ich mich vor lauter eigenen Kram nicht auf sie einlassen kann. Wenn die Gefahr besteht, dass ich zu streng bin oder zu ungeduldig oder dass ich unfair werde. An diesen Tagen erteile ich mir ein “Jungs-Verbot” :-) Ich fahre dann nur zum Füttern hin, aber gemacht wird nichts mit ihnen. Ich glaube, ich tue ihnen damit einen größeren Gefallen!

Wie ist das bei Euch? Zieht Ihr Euer Programm durch, auch wenn Ihr merkt, dass Ihr nicht gut drauf seid? Wie reagieren Eure Pferde darauf? Ich bin gespannt!

29. September 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 22 Kommentare »

Wut ist gut?

Wut ist ein heftiges Gefühl. Wut besteht aus großem Ärger und Zorn. Wut macht impulsiv und aggressiv. Wut führt dazu, dass wir nicht nachdenken, sondern blind handeln. Wut lässt uns brüllen oder gar schlagen. Da sollte man doch annehmen, dass Wut beim Pferd nichts, aber auch wirklich gar nichts zu suchen hat, oder nicht?

Leider ist in der Pferdewelt vieles anders, als was man vom normalen Menschenverstand her annehmen sollte und so wird Wut durchaus “empfohlen”, mehr noch, gerade Anfänger oder Kinder werden in Sachen Wut regelrecht ermutigt:

  • “Werd doch mal richtig wütend und setz dich durch!”
  • “Werd doch mal sauer, der macht mit dir, was er will.”
  • “Zeig Ihr, dass es dir reicht und zieh ihr eine über.”

Das sind leider keine ausgedachten Sätze, sondern Sätze, die ich in meinen frühen Reitunterricht-Jahren wieder und wieder gehört habe. Und die ich befolgt habe. Sätze, die Taten haben folgen lassen, für die ich mich schäme. Bis zum heutigen Tag arbeite ich daran, diese tief sitzenden Muster zu durchbrechen.

Für mich ist die Sache inzwischen ganz klar: Wut ist NICHT gut! Wut hat am Pferd nichts zu suchen. Ich habe noch nie erlebt, dass Wut im Umgang mit Pferden zu etwas Guten geführt hat – nicht bei mir und nicht bei anderen.

Pferdegerechter Umgang heißt für mich, die eigene Wut nicht auszuleben, sondern sie in den Griff zu bekommen und konsequent wegzuleiten vom Pferd. Wir haben kein Recht, wütend auf ein Pferd zu sein und unsere Wut hat keinen konstruktiven Nutzen im Umgang mit einem Pferd.

Wut kann hier nur zerstören: Beziehungen und Vertrauen.

22. September 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 16 Kommentare »

Drei Lernaufgaben

Dominique Barbier schreibt in seinem Buch “Die wahre Natur des Pferdes“:

“Pferde lehren uns, wie man ohne Aggression um etwas bittet,
wie man bedingungslos liebt
und wie man die zerstörerische Seite der Perfektion meidet.”

Ich muss sagen, mich haben diese Worte tief getroffen. Oder besser gesagt: Sie haben mich betroffen gemacht, denn ich fühle mich getroffen.

Hier sind genau meine Lernaufgaben auf den Punkt gebracht:

  • Ohne Aggression bitten zu lernen,
  • bedingungslos zu lieben
  • und die zerstörerische Seite der Perfektion zu meiden.

Punkt 1 habe ich leider prägend anders gelernt, denn mir wurde beigebracht, nicht zu bitten, sondern zu fordern, ja, sogar durchzusetzen – und zwar notfalls um jeden Preis. Ich arbeite intensiv daran, die Idee von der Bitte immer und immer wieder neu zu leben und nicht einfach zu fordern, nicht einfach durchzusetzen, nicht einfach zu erzwingen und ich bin besser geworden darin, über die letzten Jahre. Wenn ich wieder dazu neige, etwas mit zu viel Härte zu fordern, merke ich es inzwischen im Prozess und kann es unterbrechen. Ich hoffe, es gelingt mir, die Härte irgendwann ganz abzulegen.

Punkt 2 – die bedingungslose Liebe. Was für ein großes Thema! Sie gelingt mir dann, wenn ich nichts von meinen Pferden will. Wenn ich sie auf der Weide sehe und mir das Herz überfließt. Wenn ich mich immer wieder neu in ihre blonden Mähnen verliebe. Wenn ich in ihre weisen Augen schaue. Wenn ich meine Nase in ihr Fell tauche und ihren Duft einatme. Wenn mich mein Pferd durch den Wald trägt und wir im gemeinsamen Takt atmen und das Leben genießen. Dann liebe ich ohne Wenn und Aber. Punktuell verliere ich diese Liebe aber noch- und zwar immer dann, wenn ich etwas zu sehr will. Eine Lektion, ein Verhalten, ein Unterlassen. Dann bin ich nicht mehr in der Annahme, nicht mehr in der Güte oder Liebe, dann bin ich im Kampf. Es wird weniger, aber auch hierfür muss ich etwas tun.

Und der dritte Punkt – mein so vertrautes Laster: der Perfektionsdrang. Ein Thema, das ich nicht nur mit meinen Pferden immer wieder neu angehen muss, sondern auch mir selbst gegenüber. Denn, ja, die Sucht nach Perfektion kann zerstörerisch sein. Sie frisst alles an Respekt, Achtung und Liebe. Sie sieht nur das noch (unerreichbare) Ziel und verfolgt es gnadenlos. Ich will sie weiter meiden lernen, diese zerstörerische Seite der Perfektion. Wenn mir das gelingt, kann ich die erfüllende Seite der Perfektion sehen und fühlen: die Perfektion, die in dem liegt, was ist. In meinen wundervollen Pferden und dem Glück, meine Zeit mit ihnen verbringen zu dürfen.

15. September 2011 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 7 Kommentare »

Noch einige Gedanken zum Thema “Fehler machen”

In der letzten Woche ging es hier um die Frage, ob Pferde Fehler machen dürfen. Und beim weiteren Nachdenken über dieses Thema wurde mir bewusst, was mein größter Kritikpunkt an Reiterprüfungen und Turnieren ist. Darüber gab es nämlich gerade neulich eine Diskussion in unserem Forum und ich konnte noch nicht so recht auf den Punkt bringen, was mir ganz konkret an Turnieren und Prüfungen solch ein Bauchweh bereitet.

Jetzt wird es mir klarer: Es ist der Anspruch, dass Pferde punktgenau zu funktionieren haben.

Wenn meine Prüfungsaufgabe vorsieht, dass mein Pferd an Punkt X angaloppiert, dann HAT es an diesem Punkt anzugaloppieren. Jedes frühere Angaloppieren oder jedes Zögern ist ein “Fehler” und wird abgestraft. Einmal durch die Punktrichter, aber eben auch vom Reiter seinen Pferd gegenüber. Das Ziel ist schließlich “korrektes” Reiten, nicht wahr? Nur wer sein Pferd “korrekt” reitet, macht es richtig – so die Theorie. Und in einem Springparcours gibt es nur eine richtige Reihenfolge der Sprünge und jeder muss sie so reiten, ob das nun sinnvoll für das Pferd ist oder nicht. Wenn ein Pferd dann all seinen Mut zusammennimmt und tatsächlich über den großen Sprung setzt, es aber die Stange streift, weil er einfach sehr hoch ist, dann gibt es kein Lob, sondern einen Fehlerpunkt.

Für mich ist ein System, dass solche angeblichen “Fehler”  abstraft, ein System, das lern- und entwicklungsfeindlich ist. Denn zum Lernen und zur Entwicklung gehören Fehler dazu. Wenn ein Pferd mal nicht an X angaloppiert, sondern 20 Meter später, dafür dann aber wundervoll leicht und gesetzt in einen Bergaufgalopp springt, ist das für mich viel mehr wert! Und wenn ein Reiter erkennt, dass ein Pferd am Sprung verweigert, weil es ungut herankommt oder weil der Sprung zu hoch ist und dann einfach eine Runde galoppiert und es über einen niedrigeren Sprung springen lässt, dann gäbe das für mich einen Extra-Punkt für Pferdeverstand anstatt den Reiter zu disqualifizieren.

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8. September 2011 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 16 Kommentare »

Dürfen Pferde Fehler machen?

Mit den Fehlern ist das schon eine seltsamen Sache: Jeder von uns weiß, dass Fehler zum Leben und zum Lernen dazugehören und jeder von uns macht Fehler. Aber mal ganz ehrlich, wie sieht es mit unseren Pferden aus? Dürfen auch sie Fehler machen?

Wenn man sich mal in der Reiterwelt umschaut, kann man schnell den Eindruck bekommen, dass Pferde auf gar keinen Fall Fehler machen dürfen. Denn wenn ein Pferd etwas falsch macht, folgt die Strafe auf dem Fuße. Schließlich muss es doch merken, wenn etwas nicht richtig war, nicht wahr? Wie soll es sonst lernen?

So habe ich früher auch gedacht – und leider habe ich auch danach gehandelt. Heute weiß ich, dass für das Lernen eine angstfreie Atmosphäre nötig ist.

Bei der Frage, wie wir mit Fehlern unseres Pferdes umgehen, gibt es zwei Aspekte zu beachten:

  • Unsere eigene Seite: Können wir uns wirklich immer sicher sein, eindeutige Signale und korrekte Hilfen zu geben? Oder könnte es vielleicht sein, dass der Fehler gar nicht vom Pferd gemacht wird, sondern von uns selbst? Seitdem ich mir klar gemacht habe, wie oft ich selbst fehlerhaft reite oder widersprüchliche Signale gebe, bin ich sehr vorsichtig geworden, einen Fehler beim Pferd zu vermuten. Für die allermeisten Fehler, die Pferde machen, liegen meinem Eindruck nach die Ursachen in einer mangelnden Kommunikation, in falschen Signalen oder schlicht und einfach in Missverständnissen. Und bei all diesen Ursachen gibt es keinen Grund, ein Pferd zu strafen, sondern wir sind aufgerufen, unsere Signale deutlicher, also pferdeverständlicher zu machen oder auch zu überprüfen, ob unser Pferd tatsächlich gerade leisten kann, was wir verlangen. Sehr oft hilft eine freundliche Wiederholung der Aufforderung und das Pferd tut, was wir möchten.
  • Die Seite des Pferdes: Ein Pferd, das Angst vor Fehlern hat, ist ein gehemmtes Pferd. Es wird versuchen, alles richtig zu machen, aber genau in diesem Eifer hört es vielleicht nicht richtig zu. Oder es nimmt vor lauter Angst Zeichen gar nicht wahr. Ein Pferd, das Angst hat, hat Stress. Und unter Stress lernt es sich nur sehr schwer. Ein Pferd das hingegen entspannt ist und weiß, dass es auch mal etwas falsch machen darf, ohne gestraft zu werden, ist ein lockeres und offenes Pferd. Es wird Signale besser wahrnehmen und verstehen können. Es schlägt vielleicht auch mal eigene Dinge vor, weil es diese für eine gute Idee hält. Und wird es auch dafür nicht gestraft, wird es immer mehr Motivation entwickeln.

Mit diesen beiden Seiten im Kopf lebe ich mit meinen Pferden seit einiger Zeit das Motto: “Fehler machen erlaubt!” Ich darf Fehler machen, sie dürfen Fehler machen, wir dürfen gemeinsam Fehler machen. Geschieht ein Fehler, wird freundlich korrigiert und einfach neu angesetzt. Und das tut uns allen dreien unendlich gut!

1. September 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 5 Kommentare »

Nie zufrieden?

Seit einer Weile schreibe ich immer mal wieder was zu dem Thema “Was Pferde nervt“, so z.B. über unseren Einsatz der Stimme, über unser Bedürfnis, Pferde ständig anfassen zu wollen oder auch über das Thema “Klarheit“. Heute nehme ich mir einen weiteren, wie ich denke, sehr wichtigen Aspekt vor: und zwar unsere Tendenz, nie zufrieden zu sein.

Es scheint ein sehr menschlicher Zug zu sein, irgendwie immer mehr oder immer etwas anderes zu wollen, als wir gerade haben. Diese Eigenschaft findet sich zunächst vor allem bei eher ehrgeizigen Menschen, aber bei Weitem nicht nur bei ihnen.

Vielleicht findet Ihr Euch ja hier wieder?

  • Kaum kann unser Pferd einigermaßen gebogen und locker im Trab auf einer Volte laufen, wollen wir das im Galopp.
  • Kaum geht unser Pferd zwei, drei Schritte losgelassen rückwärts, arbeiten wir schon an der Schaukel.
  • Kaum hat unser Pferd einige Schritte Schulterherein gezeigt, wollen wir das Schulterherein in Trab und im Galopp.
  • Kaum zeigt ein Pferd den spanischen Gruß, soll es am liebsten schon im spanischen Trab herumtanzen.
  • Kaum hat unser Pferd gelernt, sich über den Cavalettis in schöner Selbsthaltung zu zeigen, soll es springen.
  • Usw. usw.

Oder vielleicht hier:

  • Kaum hat ein Pferd seine Angst vor dem Gymnastikball halbwegs überwunden, wollen wir es schon in eine Plastikplane einwickeln.
  • Kaum vertraut uns unser Pferd so, dass wir entspannt spazieren gehen können, wollen wir nun endlich ausreiten.
  • Kaum ist das Pferd in seinem neuen Stall angekommen, soll es gleich in der nächsten Woche konzentriert im Unterricht mitgehen.
  • Kaum hat sich unser Pferd von seinem Hufgeschwür erholt, haben wir schon wieder einen strammen Trainingsplan ausgearbeitet.
  • Usw. usw.

Kurz und gut: Es reicht nie. Es ist nie genug. Wir sind nie wirklich zufrieden.

Und leider übersehen wir dabei, dass genau das das Pferde enorm frustrieren kann.

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25. August 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 8 Kommentare »

Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.

Ich bin Autorin und habe zusammen mit Babette verschiedene Selbstlernmedien erstellt.

Was ich sonst noch mache, ist auf www.taniakonnerth.de nachzulesen.