Tanias Hafi-Blog

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Einfach mal runterkommen oder: Warum ich immer bei mir anfangen muss

Lernen kann ganz schön schwierig sein. Ich weiß nicht, wie viele Male ich nun schon die Erkenntnis gewonnen habe, dass ich immer erst bei mir anfangen muss und nicht beim Pferd und ich weiß auch nicht, wie oft ich schon gegen diesen Grundsatz verstoßen habe…

Vor einigen Tagen hatte ich aber ein sehr eindringliches Erlebnis, dass mir vielleicht helfen wird, tatsächlich immer öfter danach zu handeln.

Ich wollte mit meinem Großen Arbeit an der Hand machen. Nun hat er immer mal wieder Phasen, in denen er nach dem Zügel schnappt – mal mehr, mal weniger doll. An diesem Tag war es ziemlich schlimm, so dass ich den Zügel kurzerhand rausschnallte und ihn nur sanft am Kappzaumriemen auf der Nase anfasste. Das brachte allerdings keinen Erfolg, sondern im Gegenteil: er schnappte nun nach dem Zügel, den ich mir um den Hals gehängt hatte.

Da dieses Geschnappe wirklich nerven kann, hatten wir deswegen schon öfters Zoff. Aber alles Schimpfen und Abstrafen hatte bisher keinen Erfolg, genauso wenig wie das Hapsen zu ignorieren. Nun kam mir in dieser Situation ein Gedanke: dass das Gehapse ja vielleicht gar nichts mit Ungehorsam oder Frechheit zu tun hat, sondern dass es eine Übersprunghandlung sein könnte. Hat mein Großer vielleicht einfach Stress und reagiert das so ab? Passen würde es, denn er ist sehr sensibel und hat Angst davor Fehler zu machen.

Ich hielt ihn an und probierte eine Übung aus, die mir Babette für meinen Kleinen gezeigt hat: Er sollte den Kopf senken und einfach mal nur einen Moment lang ganz ruhig dastehen. Hier ist die Übung zu sehen, wo Anthony durch einen Flatterbandvorhang gehen sollte:

kopfsenken0.jpg

Diese so einfach wirkende Übung war ein Ding der Unmöglichkeit! Aramis nahm immer wieder den Kopf hoch, schnappte nach meiner Jacke oder in die Luft und wurde eher unruhiger als ruhiger. In diesem Moment spürte ich einmal in mich selbst hinein und merkte, wie sehr ich selbst unter Druck stand. Ich hatte mich über das Gehapse geärgert und wollte jetzt, dass das aufhört. Entsprechend war meine Körperspannung sehr hoch. Meine Schulterpartie war verkrampft, meine Arme und Beine angespannt und innerlich war ich auch eher aggressiv als ruhig gestimmt. Tja, und so war es auch kein Wunder, dass mein Pferd alles andere im Sinn hatte, als entspannt neben mir zu stehen.

Es stand – mal wieder! – an, bei mir anzufangen: Also atmete ich erst einmal tief durch. Ich ließ meine Schultern fallen, lockerte meine Arme und Beine, lächelte und dachte an etwas Angenehmes (mein Bild ist hier immer der blaue Himmel von Sydney; das ist ein sehr einfaches Bild, mit dem aber für mich viele schöne Erinnerungen verbunden sind). Dann fragte ich Aramis noch einmal, ob er den Kopf senken könne. Ich achtete darauf, ruhig weiterzuatmen und innerlich friedlich und sanft zu bleiben. Es war absolut faszinierend zu erleben, wie es nun meinem Pferd möglich wurde, sich Stück für Stück einzulassen. Natürlich nicht sofort, aber die Stimmung wurde ruhiger, seine Aktionen weniger hektisch. Nach und nach blieb er auch wirklich mal unten und ließ die Augenlider ein bisschen fallen.

Da dieses Erlebnis sehr neu für uns war (ich bin leider oft viel zu “Zacki-Zacki” drauf), wirkte er erst noch unsicher und kam sehr schnell aus der Entspannungshaltung, wenn ich meine Position veränderte. Ich konnte ihm aber zeigen, dass das Loslassen genau das ist, worum es geht – und zwar vor allem dadurch, dass ich selbst losließ.

Hier ein Bild von einigen Tagen später, wo sich die Übung schon etwas gesetzt hatte und von Aramis gut angenommen wurde:

kopfsenken.jpg

Mich hat das alles sehr nachdenklich gemacht. Einmal für mich selbst, weil ich mal wieder eine so direkte wie intensive Rückmeldung darüber erhalten habe, wie wichtig es ist, bei mir anzufangen, aber auch für den Umgang mit Pferden allgemein. Wie oft verlangen wir etwas von den Tieren, ohne selbst vorzulegen? Mehr noch: Wie oft erwarten wir von ihnen etwas, wobei wir genau das Gegenteil tun?

Habt Ihr vielleicht schon Ähnliches erlebt? Ich freue mich auf Eure Berichte.

16. April 2008 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 1 Kommentar »

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Eine Reaktion zu “Einfach mal runterkommen oder: Warum ich immer bei mir anfangen muss”

 

Von Filou • 13. April 2009

Hallo Tania,
ich habe bei Filou schon mehrmals das Gegenteil erlebt.Je nervöser ich wurde um so ruhiger wird er.

ZB.:Ich hatte an einem Samstag RU und stand mit Filou in der Stallgasse und war allein.Er ging immer mal wieder einen Schritt vor oder zurück und ich musste ihn ständig korrigieren.Auch kam er immer wieder mit dem Kopf hoch und auch da korrigierte ich ihn wieder zum “Tief”.
Aber ich blieb ruhig und konsequent.
Dann kam von der Stallbesitzerin die Tochter mit Freundin direkt in die Stallgasse mit 2 Pferden.Und bei Stuten kann Filou schon mal Hengstig werden.Nun ist die Gasse auch recht klein so das es eng wurde.Ich ging dann erst raus damit sie vorbei konnten in den hinteren Teil.Als wir dann wieder Ordentlich standen kam noch die Besi von der Friesenstute mit Freund.Ich kann dir sagen es ging zu wie im Hühnerstall.Ich merkte wie unruhig und genervt ich wurde!! Und Filou?Der stand ganz ruhig mit gesenktem Kopf und war die Ruhe selbst.Als ich dann aus dem Stall raus war und aufgesessen war wurde ich auch wieder ganz ruhig.
Ja er ist schon für mich der Fels in der Brandung und bringt mich immer wieder runter :-)
Auch die Übung mit Kopf Tief dient eher meiner Beruhigung als dem Pferd.Wenn es in meinen Augen brenzlig wird rufe ich es immer ab.
Fazit:sowohl für das Pferd als auch Reiter eine sehr Sinnvolle Lektion ;-)

Gruß Filou

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Spannend! Und ein schönes Beispiel dafür, dass sich nichts verallgemeinern lässt :-)

Herzlich,
Tania

 

 

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Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.

Ich bin Autorin und habe zusammen mit Babette verschiedene Selbstlernmedien erstellt.

Was ich sonst noch mache, ist auf www.taniakonnerth.de nachzulesen.