Tanias Hafi-Blog

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Das Richtige tun

Ich gehöre zu den Menschen, denen es ziemlich wichtig ist, das Richtige zu tun. Ich vermeide Fehler und Kritikmöglichkeiten, weil ich an mich den Anspruch habe, möglichst „gut“ zu sein, möglichst viel nachzudenken und möglichst viel zu lernen.

Ich stoße hier allerdings immer wieder an massive Grenzen (nicht nur im Pferdebereich, aber eben vor allem auch da), denn:

WAS ist eigentlich richtig?

Es gibt ja nicht nur die verschiedenen Grundrichtungen, wie Englisches Reiten, Western-Reiten, Klassisches Reiten usw., sondern selbst innerhalb einer Richtung kann man ja vollkommen gegensätzliche Ansichten und Methoden kennen lernen, sowie Expertenmeinungen, die sich gänzlich widersprechen.

Es heißt ja immer, dass Wissen dabei hilft, den Überblick zu behalten und für sich den richtigen Weg zu finden – aber ganz ehrlich, manchmal habe ich den Eindruck, je mehr ich lese und lerne, desto weniger weiß ich wirklich. Mein Mehrwissen lässt mich zwar mehr sehen, aber offenbar sehen andere, die auch viel oder sogar mehr wissen als ich, die Dinge dennoch anders. So z.B. auf der HansePferd, wo Auftritte von manchen Zuschauern als „genial“, von anderen als „grauenhaft“ bezeichnet wurden und ich mich frage, wie es nur zu solch extrem unterschiedlichen Bewertungen kommen kann.

Auf meiner Suche danach, was „richtig“ ist, komme ich immer mehr dazu: ich werde das nie genau wissen. Was ich heute als richtig empfinde, kann ich morgen schon wieder ganz anders sehen. Die Argumentation, die mich heute überzeugt, kann morgen von jemand anderen schon wieder ausgehebelt werden. Ich muss also offen bleiben für neue Erkenntnisse, brauche aber gleichzeitig auch gewisse Überzeugungen, damit ich überhaupt handlungsfähig bleibe. Denn wie kann ich etwas konsequent umsetzen, wenn ich alles ständig in Frage stelle?

Diesen Spagat empfinde ich als ausgesprochen schwierig, denn so offen ich sein möchte, so will ich auch nicht, dass mich jeder mit einer dahin geworfenen Bemerkung verunsichern kann und so sinnvoll konsequentes Dranbleiben auch oft ist, so möchte ich in der Lage bleiben, den Sinn einer Übung zu überdenken, wenn sie auf Widerstand bei meinem Pferd führt.

Was mir als Maßstab bleibt, sind meine Pferde und mein Gefühl. Meine Pferde, die mir zeigen, ob sie sich wohl fühlen (sofern ich bereit bin, ehrlich hinzuschauen) und mein Gefühl, auf das ich viel öfter hören sollte.

Mich würden Eure Gedanken zu diesem Thema sehr interessieren.

22. April 2008 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 3 Kommentare »

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3 Reaktionen zu “Das Richtige tun”

 

Von Nadine • 22. April 2008

Liebe Tania,

ich versteh auch sehr gut was du meinst! Mir geht es ganz ähnlich. Nach einer Zeit der tiefen Überzeugung nun endlich alles RICHTIG zu machen/wissen folgte eine Zeit in der ich unendlich verwirrt war. Selbst in „meiner“ Reitweise herrscht Uneinigkeit über Wege und Ziele. Darüber bin ich nun auch hinweg und weiß nun für mich worauf ich mein Augenmerk legen muss: Offen bleiben, Kritikfähig sein und sein Pferd beobachten. Wie du auch schon sagtest.

Ein entscheidender Vorteil bei der Beurteilung eines Rittes oder eines Pferdes oder einer Methode ist ein „Gutes Auge“ haben. Sich also Bewegungsabläufe praktisch muskulär vorstellen können, Biomechanik verstehen UND den Einfluss auf das Pferd voraussehen zu können. DAS können aber die wenigsten.

Wovon man sich auch frei machen muss ist eben dieses RICHTIG/FALSCH Denken. Es gibt Dinge die sind immer falsch bzw. bringen den Reiter/das Pferd nicht weiter z. B. Hilfszügel (auch wenn es genug Leute gibt die andere Meinung sind – ich sehe das so!) Und es gibt Dinge die bringen EIN Pferd weiter und es gibt Dinge die sind Allgemeingültig und wirken immer.

Nehmen wir das Beispiel Steigen auf Kommando. Meinem Pferd würde ich es nie beibringen. Steigen ist etwas das er nicht zeigt und ehe ich da etwas verderbe lasse ich es. Einen notorischen Steiger hingegen KANN man damit unter Kontrolle bringen. Wer will also über Richtig oder falsch entscheiden?? Doch nur der Reiter der auf diesem Pferd um sein Leben bangen muss.

Grundsätzlich ist hingegen z. B. die korrekte Dehnungshaltung. Da gibt es nur ein RICHTIG wobei es eben nicht bei jedem Pferd gleich zu erreichen ist und auch nicht bei jedem gleich aussieht. Korrekt ausgeführt benutzen aber alle Pferde dieselben Muskeln.

Also selbst wenn ich weiß was ich will dann sind die Wege dahin sehr unterschiedlich, steinig oder sogar falsch je nach Pferd. Deswegen gibt es für mich keine Alleinlösung wie z. B. die Richtlinien für Reiten und Fahren oder EINEN Guru/Reitmeister. Es gibt nicht nur ein Vorbild und nicht DAS Pferd. Sich vom Strom dem Wissens mitnehmen zu lassen ohne sich festzubeißen oder zu verwirren DAS ist wohl eine der Herausforderungen als mitdenkender Reiter. Denn für Lernen nur durch „Versuch und Irrtum“ haben wir einfach nicht das passende Hobby.

Wohl denjenigen die noch nicht über all das Wissen das es über Pferde gibt verfügen – sie leben wohl viel ruhiger mit dem scheinbaren Glauben bereits alles zu wissen/RICHTIG zu machen. ;-)

Also gilt wohl: Je mehr ein Reiter weiß desto weniger weiß er wohl! *grins*

Schmunzelnde Grüße

Nadine

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Hallo Nadine,

herzlichen Dank für Deine Gedanken zu diesem Thema.

Der Hinweis auf das “gute Auge” ist richtig – nur ist das ja bereits relativ, wie man z.B. auf so ziemlich jedem Turnier beobachten kann (und wenn man den Richtern nicht Unwissenheit unterstellen will). Oder nimm Erkenntnisse aus der Medizin – da sagen die einen das so, die anderen behaupten das Gegenteil (und meist können das dann alle auch noch durch Studien belegen).

Du sprichst z.B. die Dehnungshaltung an – und allein zu diesem Punkt, der, wie ich Dir zustimme, eigentlich unstrittig sein sollte, wird es endlose Diskussionen geben können: auf welcher Position soll der Kopf denn nun wirklich sein, wie soll das Pferd dabei laufen usw. Und wenn man dann zur Frage kommt, wie man denn eine korrekte Dehnungshaltung erreicht, wird es erst richtig schwierig.

Für mich war es heute sehr schön zu erleben, dass mir mein Großer meine Zweifel von gestern klar beantwortet hat, nämlich mit einer kleinen Sternstunde. Heute stimmte alles, was mir sagt, dass ich zumindest im Moment auf dem richtigen Weg bin. Morgen sehen wir dann weiter ;-)

Herzlich,
Tania von “Wege zum Pferd”

 

Von Inez Emperle • 12. Mai 2008

hallo,
wollte mich mal anschließen… ich habe bei meiner reitlehrerin brigitte schulz vom immenhof ca 20 jahre unterricht gehabt, und das wichtigste was ich dort gelernt habe, ist:
jedes pferd ist ein individuum und es gibt eine vielfalt von charakteren! jedes pferd wird vom menschen beeinflußt, und man kann selbst entscheiden ob die menschenerfahrung für ein pferd positiv oder negativ ausfallen.
wir haben immer nach dem prinzip gearbeitet, das erwünschte reaktionen, immer positiv belohnt werden! egal ob bei der bodenarbeit, kleinen kunststücken, oder beim reiten!
es gibt verschiedene lernmethoden:
so lernt ein sehr neugieriges pferd( meist ohne schlecht erfahrung) zum beispiel durch operante konditionierung (lernen durch den versuch etwas richtig zu machen, welches bei erfolg belohnt wird) besser,
ein anderes begreift schneller oder
besser durch kinästhetisches lernen (lernen durch bewegungswahrnehmung) wo ich zum beispiel ein junges pferd im roundpen laufen lasse und “kommentiere” die gangarten. nach einer weile bringt es kommando und gangart in einen zusammenhang, und dann wird aus meinem kommentar ein kommando.
so gibt es für jedes pferd die richtige methode.
ich habe inzwischen bei einigen verschiedenen reitlehrern unterricht gehabt und picke mir überall das raus, was ich gerade brauchen kann. wer sagt, das man nur einen “guru” haben sollte?!
es ist viel interessanter viele verschiedene wege zur verfügung zu haben, dann kann man wählen welcher für das pferd zur zeit der richtigste ist, und ist nicht an einen weg gebunden, den das pferd vielleicht nicht versteht.
ich bin brigitte sehr dankbar, dass sie mich gelehrt hat immer offen für alles zu sein, was die pferdeausbildung angeht, und dass ich dann die wahl habe das richtigste für mein individuum das pferd zu finden.

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Hallo Inez,

ganz herzlichen Dank für Deine Zeilen – Du sprichst mir aus der Seele!

Herzlich,
Tania von “Wege zum Pferd”

 

Von Eve • 27. August 2008

Hallo Tania,
du sprichst mir aus der Seele! Mir geht es oft genau so wie dir. Und schlussendlich hat dieses ewige hin und her fast dazu geführt, dass mir der Spass am Reiten/an der Arbeit mit Pferden verloren gegangen ist… =/ Zum Glück ist die Freude jetzt aber zurückgekommen!
Ich muss jedoch unbedingt lernen, in dieser Hinsicht standhafter zu sein!
Herzlichen Dank für deine Texte! Sie geben mir immer wieder Denkanstösse und ich fühle mich nicht allein.
Viele liebe Grüsse,
Eve

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Hallo Eve,

ganz herzlichen Dank für die Rückmeldung – es freut mich sehr, dass unsere Denkanstöße hilfreich sind und noch mehr freut mich, dass Du die Freude am Reiten wiedergefunden hast!

Auf dass Du sie Dir bewahren und immer wieder aktivieren kannst,
Tania von “Wege zum Pferd”

 

 

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Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.