Tanias Hafi-Blog

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Zwischen Unter- und Überforderung…

Einen der schwierigsten Punkte im Umgang mit Pferden finde ich das Thema “Unter- bzw. Überforderung”

  • Wie viel kann bzw. soll ich fordern?
  • Wann ist der Punkt erreicht, dass ich mein Pferd überfordere, wann ist es unterfordert?
  • Und wie kann ich beides möglichst vermeiden?

Aus meinem reiterlichen Umfeld kenne ich beide Ausprägungen: Pferde, die viel zu hart rangenommen werden und fast konstant an ihrer Leistungsgrenze geschliffen werden und auch Pferde, die komplett gelangweilt sind, weil sie nie mal eine Aufgabe gestellt bekommen, die sie fordert. Und zwischen all dem gibt es dann natürlich noch viele Spielarten.

Da ich von meiner Persönlichkeit her ein ehrgeiziger und leistungsorientierter Mensch bin, ist bei mir die Gefahr der Überforderung immer größer als die einer Unterforderung. Ich habe mich deshalb sehr bewusst dagegen entschieden, mit meinen Pferden auf Turniere zu gehen. Dort würde all das in mir aktiviert werden, was ich meinen Tieren nicht antun will. Doch selbst im Alltag, auch wenn ich nur ganz für mich alleine reiten, muss ich immer wieder aufpassen, nicht zu viel zu verlangen.

Nach unserer Lernwoche bei Babette, in der ich merkte, dass mein Jungpferd doch schon zu mehr in der Lage ist, als ich zuvor dachte, bin ich dann zu Hause gleich wieder übers Ziel hinausgeschossen. Ich forderte in einer Einheit viel zu viel, mit dem Ergebnis, dass er den Dienst quittierte. Erfreulicherweise war er nicht nachtragend, so dass ich die Sache schon am nächsten Tag wieder auflösen könnte, aber es hat mich im Nachhinein doch sehr geärgert.

Und so besteht hier für mich persönlich noch ein riesiges Lernfeld, denn ich möchte idealerweise schon im Vorfeld erkennen, wann ich in Gefahr komme, zu viel zu verlangen. Dass, das, was unsere Pferde leisten und geben können und wollen, immer auch tagesformabhängig ist, macht die Sache natürlich nicht leichter.

Als Maßnahmen habe ich Folgendes beschlossen:

  • Noch besser hinschauen und vor allem hinfühlen.
  • Bei “Ungehorsam” noch kritischer überprüfen, was konkret die Ursache davon ist.
  • Meine eigene Motivation noch genauer analysieren, bevor ich etwas durchsetzen will.
  • Und: Mehr Entspannen, lockerer sein und noch viel mehr lachen! :-)

Mich würde interessieren: Wie geht Ihr mit diesem Thema um? Wie versucht Ihr zu verhindern, Eure Pferde zu über- oder zu unterfordern? Ich bin gespannt!

24. April 2008 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 3 Kommentare »

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3 Reaktionen zu “Zwischen Unter- und Überforderung…”

 

Von Susanne Fuchs • 28. April 2008

Hallo Tania!
Ich versuche immer folgendes: Abwechslung, Abwechslung und Abwechslung. Grundsätzlich ist jeder Tag mit was anderem dran – was ich mache, hängt immer entscheidend von meiner und meines Pferdes Tagesform ab. Auch die Strecken im Gelände variiere ich immer, so dass sie immer was Neues zu sehen bekommt. Dann sind Tage dazwischen, an denen ich “wirklich anspruchsvoll” Dressur reite, freispringen lasse oder selbst springe:-)
Außerdem bin ich froh, genau wie Sie eine Fachfrau auf dem Hof zu haben, die mich und mein Pferd fordert, aber nicht überfordert. So kann man immer mal ein kurzes Feedback auch von außen erhalten – hilft ungemein! Dann noch kurz eine Anmerkung: Wir sehen uns im Juli auf dem Pignon Seminar! Ich nehme mit meiner Stute teil und Sie sind bei einer Freundin, habe ich gehört! Freu mich, Sie dann kennenzulernen! Viele Grüße aus dem Saarland, Susanne

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Hallo Susanne,

ein herzliches Dankeschön für Ihre netten Zeilen. Ja, das mit der Abwechslung habe ich auch schon als höchst hilfreich empfunden. Zum einen, weil es sowohl Pferd als auch Mensch aufmerksamer und motivierter macht, zum anderen aber auch, weil man dann nicht in die Gefahr kommt, unmittelbar auf dem aufzusetzen, was “gestern doch schon geklappt hat”. Diese Erwartungshaltung kann, zumindest ist das meine Erfahrung, sehr kontraproduktiv sein, denn ich sehe es so, wie sie: man muss jeden Tag aufs Neue schauen, was heute möglich ist.

Dass wir uns im Juli bei Herrn Pignon sehen, freut mich sehr – überhaupt freue ich mich schon riesig auf diesen Kurs!

Dann bis dahin alles Gute,
Tania von “Wege zum Pferd”

 

Von Carina • 23. September 2010

Hallo Tania,

ich habe seit kurzer Zeit etwas mehr Probleme mit meinem Reitbeteiligungspferd: Er war schon immer sehr triebig und hat meiner Ansicht nach überhaupt keinen Spaß am Laufen. Wir haben aber Fortschritte gemacht und das Grundtempo hatte sich erhöht. Seit einigen Wochen ist er wieder extrem triebig und drängt beim Antraben sofort nach innen. Nun habe ich versucht Hilfe zu bekommen, mit dem Ergebnis: Du musst dich mal durchsetzen, der verarscht dich, den musst du mal richtig arbeiten. Aber ab welchem Punkt unterfordert man ein Pferd? Ich reite ihn zweimal die Woche und mache einen Tag in der Woche Handarbeit. Die macht ihm richtig Spaß und er macht gut mit. Sogar Schulterherrein und Seitwärtstritte macht er problemlos. Wir arbeiten natürlich auch viel im Schritt, da er sich bei einem höheren Tempo schnell verspannt und fest macht. Aber was kann ich von einem Pferd verlangen, dass 2 -3 mal die Woche 3 h durchs Gelände galoppieren muss und die Besitzerin sich freut, wenn er danach kaum noch laufen kann. Da ist es für mich wichtiger, dass er wenigsten etwas Spaß hat und mit dem Kopf bei mir ist. Denn bei stärkem Druck läuft er einem eher davon. Aber es ist so schwer an seiner Einstellung festzuhalten, wenn man nur gesagt bekommt was man falsch macht. Wir habt ihr es nur geschafft, dass euch die Leute respektieren?

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Ich denke, das Entscheidende ist, sich selbst zu respektieren. Du wirst nicht erreichen können, dass Dich jeder mag und jeder toll findet, was Du machst. Ich möchte nicht wissen, wie viele vollkommen doof finden, was ich hier alles schreibe :-D Für mich sind inzwischen meine Pferde mein Maßstab und einige ausgewählte Leute, denen ich vertraue.

Als Reitbeteiligung hat man es aber auch immer noch etwas schwerer, weil es ja nicht das eigene Pferd ist. Für mich hört es sich sehr schön an, wie Du versuchst, dem Pferd Freude an der Arbeit zu machen und ich würde sagen: weiter so!
Tania

 

Von Sarah • 4. März 2012

Hallo :)

Sehr schöne Artikel, ich krame mich mal von Anfang an durch :)
Ich denke, dass es bei diesem Thema sehr auf das Pferd selbst ankommt. So hat sich eine Freundin letztens eine 6-Jährige Trakhenerstute gekauft.
Sie wird von 6 Reitern gefordert, einmal in der Woche Bodenarbeit. Doch wirkt sie total unausgelastet. Ich vermute, dass es daher kommt, dass sie nie anständig gearbeitet wird, Kopfarbeit lastet schließlich viel mehr aus als nur stundenlanges Rennen! Die Stute wird nur Schritt Trab Galopp geritten, aber selten wird genau hingeschaut, es wird einfach stumpf geritten.
ich finde, dass nicht nur Quantität, sondern vor Allem Qualität der Aufgaben für das Pferd entscheidend sind!

Liebe Grüße,
Sarah

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Ja, da stimme ich Dir zu. Allerdings sind 6 verschiedene Reiter für viele Pferde durchaus ein Grund, sich überfordert zu fühlen und der Eindruck “unausgelastet” zu sein, kann auch einfach ein Ausdruck dessen sein.

Herzlich,
Tania

 

 

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Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.

Ich bin Autorin und habe zusammen mit Babette verschiedene Selbstlernmedien erstellt.

Was ich sonst noch mache, ist auf www.taniakonnerth.de nachzulesen.