Tanias Hafi-Blog

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Kinderarbeit, nein danke!

Mein Youngster hat vor kurzem seinen letzten Milchzahn verloren. Für mich ist das ein kleiner Meilenstein in Sachen Erwachsenwerden, ein symbolischer Abschied von seiner Kindheit.

jungpferd2.jpgNun bekomme ich im Austausch mit anderen immer wieder mit, dass schon 3jährige eingeritten und ausgebildet werden und nicht selten bereits in diesem Alter auf erste Turniere gehen. Mir tut das immer richtig weh, jetzt noch mehr, wo ich die Entwicklung meines Kleinen verfolgen konnte.

Als ich ihn bekam war er 3 Jahre und 3 Monate. Er war noch durch und durch Kind. Natürlich hätte ich ihn auch schon mit diesem Alter anreiten können, aber das wäre mir nicht im Traum eingefallen, denn nicht nur weil etwas geht, muss man es auch tun. Ganz abgesehen davon, dass Pferde mit 3 Jahren noch ganz erheblich wachsen (die Wachstumsfugen haben sich also noch nicht geschlossen, wodurch durch eine Belastung Schäden auftreten können), sie sind einfach vom Kopf her auch noch mehr Fohlen als alles andere.

Anthony musste in den ersten Monaten auch so unendlich viel lernen – allem voran musste er sich daran gewöhnen, dass die Freiheiten seines Pferdedaseins auf der riesigen Jungpferdherde nun empfindlich eingeschränkt wurden. Er sollte nun plötzlich auf einen fremden Menschen achten und hören und so seltsame Dinge tun, wie Hufe heben, still stehen, im Kreis laufen und… und… und… Ein Einreiten in dieser Phase wäre für mich systematische Überforderung gewesen.

jungpferd3.jpgIm Januar letzten Jahres, also drei Monate vor seinem 4. Geburtstag, saß ich zum ersten Mal auf ihm und es dauerte noch gut 4 Monate, bis ich damit begann, ihn auch “zu reiten”, aber selbst das ging alles sehr langsam vor sich. Ein etwas ernsthafteres Arbeiten habe ich erst in diesem Frühjahr begonnen, aber selbst jetzt geht er noch nicht länger als max. 30 min unter dem Sattel und wir fangen gerade mit ersten, zaghaften Galoppversuchen an.

Nun wird ja Ponyrassen zugestanden, dass sie Spätentwickler sind, aber selbst dafür dürften viele mein Vorgehen für übertrieben langsam halten. Ich muss allerdings sagen, dass mich die Entwicklung von Anthony genau darin bestätigt. Denn erst jetzt beginnt er wirklich “ja” zum Reiten zu sagen. Erst jetzt kann ich auf eine gewisse Kooperationsbereitschaft setzen. Erst jetzt ist er wirklich dabei.

Ich ganz persönlich glaube, dass die Bereitschaft, die Ausbildung auf den Entwicklungsstand und die Reife des jeweiligen Pferdes anzupassen, ein Muss für eine pferdegerechte Ausbildung ist. Keine Frage, ein sehr junges Pferd dürfte viel leichter zu beeindrucken und damit auch einzureiten sein, als ein schon etwas älteres, aber wenn ich mich bemühen will, mein Pferd als Partner zu sehen, muss ich bereit sein, mich auf seinen Entwicklungsstand einzustellen. Für mich ist ein sehr frühes Einreiten nichts anderes als Kinderarbeit. Es gibt genügend sinnvolle Sachen, die man auch mit einem jungen Pferd machen kann – geritten werden sollte es erst dann, wenn es das körperlich und psychisch wirklich abkann.

jungpferd.jpg

2. Juli 2008 von Tania • Kategorie: Reiten 4 Kommentare »

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4 Reaktionen zu “Kinderarbeit, nein danke!”

 

Von katja • 7. Juli 2008

Hallo Tanja,
ich finde auch das Pferde viel zu früh gefordert werden. Ich habe meinen Nick als Absetzer bekommen. ich habe ihn zwar mit 3 Jahren leicht anlongiert und mit 3,5 Jahren habe ich mich auch mal draufgesetzt und bin ein paar Runden Schritt geritten aber er war noch so schmal und unfertig das ich ihn erst mit 6,5 angefangen habe ihn auszubilden. Die Jahre zwischen 3,5 und 6,5 habe ich ihn auf die Weide geschickt und zwischendurch vermehrt an Sattel, Trense und andere Dinge gewöhnt, ihn ins Gelände geführt aber nie richtig gefordert.
Erst als er ausgewachsen war ( und er hat noch ordentlich zugelegt in den letzten drei Jahren )das war erst mit gut 6 Jahren der Fall ging es richtig los. Man merkt auch das er die Anforderungen inzwischen gut verkraftet und sehr willig ist.
Gerade wenn man sein Pferd nicht nur hat um Schleifen zu sammeln verstehe ich nicht warum sich die Menschen nicht mehr Zeit lassen. Schließlich will ich das Pferd doch möglichst lange als verläßlichen Partner haben.

Gruß
Katja

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Hallo Katja,

Deine Einstellung finde ich toll!

Mein Mann sagte mal zu mir, als ich zweifelte, ob ich das alles nicht doch zu langsam mache: Du hast so lange davon geträumt, ein Jungpferd auszubilden, jetzt lass Dir doch richtig Zeit, um es zu genießen. Recht hat er :-)

Herzlich,
Tania von “Wege zum Pferd”

 

Von Inez Emperle • 7. Juli 2008

Hallo,
ich würde es genauso machen!
mein traum war immer ein fjordabsetzer ;)
falls es nochmal dazu kommen sollte (hab zur zeit einen kleinen pre der sein leben mit mir teilt :) )…

nachdem mein kleiner fjord halfterführig ist und brav die füße gibt (schmied kann ja nicht erst mit 3 jahren das erste mal die füße meiner fellnase machen), wird er lernen dass er vor nichts angst haben muß. putzen, spielen,bodenarbeit, zirkuslektionen, verladen… ab ca 3 jahren longe, doppellonge und langzügelarbeit, so ungefähr im 2 – tagesrythmus. jeden ersten tag wird geknuddelt, geputzt und gespielt, und jeden zweiten tag gearbeitet.
wenn mit ca 5 seine muskulatur so schön ist dass er einen reiter tragen kann, werde dass wohl ich sein :)
so ist wenigstens mein plan. wenn fjordi aufgrund psychischer oder physischer verfassung einen anderen ausbildungsplan vorgibt wird der natürlich angepasst.

ein kind in der zweiten oder dritten klasse kann sagen “mama, mein schulranzen ist so schwer” die kleinen pferdekinder sagen dass nicht so deutlich, da muß schon jeder selbst drauf achten…
lg und lass dich nicht beirren ;)

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Danke, Inez, für Deine Zeilen.

Oh ja, ein kleiner Fjordi – das ist ein schönes Projekt! Dann drück ich Dir mal feste die Daumen, dass Du das irgendwann umsetzen kannst :-)

Herzlich,
Tania von “Wege zum Pferd”

 

Von LAdyjoe • 9. Juli 2008

Ich finde die Auffassung und die Darstellung deiner Meinung zu “Kindrarbeit” klasse und bin voll deiner Meinung. In vielen foren habe ich mir schon die Finger wunde geschrieben zu diesem Thema. Oft werden die Pferde (in dem Fall spreche ich von Hafis, da ich selbst welche besitze und in solchen Foren kommuniziere) sogar schon unter 3 Jahren angeritten, was ich für verantwortungslos halte und dann doch auch dazu tendiere alles langsam anzugehen, dem Tier zu liebe. Aber viele werden gehetzt von Ihren Vorstellungen und gewünschten Erfolgen, keiner Bedenkt, das man vom erfolg länger was hat wenn man schonender an die Sache rangeht und dem Tier Zeit gibt. Jeder der hetzt bekommt früher oder später seine Quittung dafür und oft zu Lasten des Tieres ;o)

Gruß Ladyjoe

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Hallo Ladyjoe,

ja, von solchen Fällen habe ich leider auch schon vielfach gehört – mir tut das immer in der Seele weh. Ich denke eben auch, dass die Quittung dafür irgendwann kommt – und zwar fürs Pferd.

Danke für Deinen Beitrag,
Tania von “Wege zum Pferd”

 

Von Ayumi • 11. Dezember 2011

HALLO alle zusammen,

mein Schatz ist mir vor kurzem mit 16 Jahren verstorben, und da ich aber sehr schnell das Gefühl hatte, einmal Pferd immer Pferd, und mir ein Leben ohne Pferd nicht vorstellen kann, habe ich mich nach einem jungen Pferd umgeschaut. Jung und ohne schlechte Erfahrungen. Ich habe auch eine 3 jährige (im Januar)Tinkerstute gefunden. Ich wollte immer mal die Erfahrung machen ein junges Pferd großzuziehen und denke, dass ich in nächster Zeit die kleine auch wirklich zu mir holen werde. Ich bin ehrlich, ich habe noch keine Erfahrungen mit ganz jungen Pferden gemacht. Ich hatte immer die “alten” Problempferdche. Aber die mit viel Geduld und Übung hinbekommen und am Ende waren die Pferde mir dann doch zugetan. Ich habe mich auch entschieden sehr langsam zu arbeiten und die Zeit zu genießen. Allerdings habe ich auch bei der Suche schreckliches sehen müssen: da waren in einem Verkaufsstall 3 Jährige Tinker und andere Kaltblüter, die in meinen Augen für die Arbeit noch nicht bereit waren, die von Kindern geritten wurden. Diese Kinder haben nur im Maul gezogen und die Pferde waren den Menschen auch nicht sehr zugetan. Keiner hatte einen Helm, keiner hatte richte Reitkleidung. Die Gebisse waren zu groß und nicht richtig verschnallt, wobei ich den kleinen Pferdchen kein Gebiss anlegen würde, geschweige denn reiten. Die armen Schätze waren schon verdorben durch den Menschen, bevor ihr Leben überhaupt richtig begonnen hat. Ich habe mich aber, von anfang an, gegen einen Mitleidskauf entschieden. Es kommen dann immer wieder neue und ich würe gerne alle retten, aber leider kann ich das nicht. Ich bin gegangen ohne viele Worte zu verlieren und dachte mir, wie kann man so mit Pferden umgehen.
Ich möchte lange Freude an meinem Schatz haben und nicht schon ein Pferd, dass ich kaufe weil es mir leid tut und dann wohlmöglich noch krank ist.
Deshalb wird es eine Stute die Lebzeit auf der Weide gewohnt hat und noch nicht schlecht behandelt wurde. Fohlen ABC kann sie schon und ich denke wenn es da zum Kauf kommt kann ich mir so viel Zeit lassen wie ich möchte und wie die Kleine braucht..

LG Yumi

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Schön, Deine Einstellung und ich wünsche Dir viel Freude mit Deiner Kleinen!
Tania

 

 

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Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.

Ich bin Autorin und habe zusammen mit Babette verschiedene Selbstlernmedien erstellt.

Was ich sonst noch mache, ist auf www.taniakonnerth.de nachzulesen.