Tanias Hafi-Blog

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Reiten heißt Fragen beantworten

Bei dem amerikanischen Pferdetrainer Mark Rashid (s.a. unsere Buchtipps) fand ich neulich eine sehr gute Anregung: Er sprach davon, dass unsere Pferde uns beim Reiten ständig Fragen stellen und wir es oft versäumen, die kleinen Fragen wahrzunehmen und zu beantworten. So ritt er z.B. sein Pferd Buck im Schritt an. Buck fragte relativ schnell nach, ob er langsamer werden dürfte, indem er es einfach probierte. Mark Rashid beantwortete das mit einem “Küsschen-Laut” und sagte so: “Nein, Buck, bitte wieder schneller.” Dann demonstrierte er, was passierte, wenn er die Frage nicht beantwortete: Buck wurde immer langsamer und schlurfte nur noch.

Die Grundidee dieser Überlegung ist Folgende: Reiten ist wie ein ständiges Zwiegespräch zweier Lebewesen. Wenn wir versäumen, die Fragen unseres Pferdes (“Darf ich langsamer werden?”, “Darf ich schneller werden?”) oder auch die Feststellungen (“Das Pferd dort drüben interessiert mich.” oder “Das Gras sieht lecker aus.”) zu beantworten, entscheiden sie selbst. In den meisten Fällen setzen wir dann erst ein, wenn schon viele kleine Entscheidungen zu einer Reaktion geführt haben, die wir nicht wollen (das Pferd ist zu langsam oder zu schnell, es läuft zu dem Zaun, wo das andere Pferd steht, es rupft ein Grasbüschel usw.). Dann allerdings muss die Reaktion deutlich stärker ausfallen, als sie nötig gewesen wäre, wenn wir früher reagiert hätten!

Wow – so einfach diese Erkenntnis erscheint, so viel Potential liegt in ihr! Der Einsatz feiner Hilfen erfordert also eine große Achtsamkeit und Aufmerksamkeit von meiner Seite. Ich bin gefordert, die Kommunikation nicht nur einseitig zu sein – also nach dem Motto “Ich sage, was gemacht wird.”, sondern ich muss mich öffnen für die Signale meines Pferdes, für seine Fragen, für seine Äußerungen und ich muss darauf reagieren.

Ich nahm diesen Gedanken nun mit zu meinen Pferden. Mit Aramis habe ich manchmal das Problem, dass er mir draußen zu schnell wird und dass ich ihn dann erst mit deutlich mehr Einsatz, als ich möchte, wieder zum Durchparieren bekomme – das schien mir ein prima Anwendegebiet für die kleine Aufmerksamkeitsübung nach Mark Rashid.

Beim Ausritt am nächsten Tag achtete ich also sehr bewusst darauf, ob auch ich vielleicht auch dazu neige, Aramis’ Fragen zu übersehen – und tatsächlich:

ar_ausritt.jpg

Es gab immer wieder Momente, wo Aramis einen Hauch schneller wurde und wo ich das mit einem freundlichen “Nein, ich möchte gerne weiter in diesem Tempo reiten” beantworten konnte. Wie oft hatte ich diese Frage unbeantwortet gelassen, worauf mein Pferd vollkommen verständlich folgerte: Ok, ich darf schneller werden! Kein Wunder also, dass er dann bald richtig losbretterte!

Auf diesem Ausritt nun brauchte ich kein einziges Mal deutlich zu werden, immer reichten leichte Impulse, um ihm klar zu machen, was ich wollte. Wir hatten einen wundervoll harmonischen Ausritt und ich werde dieses Prinzip nun auf allen Ebenen (Umgang, Führen etc.) zu verinnerlichen versuchen.

4. Juli 2008 von Tania • Kategorie: Reiten 2 Kommentare »

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2 Reaktionen zu “Reiten heißt Fragen beantworten”

 

Von Sabine Weber • 7. Juli 2008

Schönen guten Tag1

Ich glaube, ich habe es schon mal gesagt, aber ich muss es noch mal wiederholen: Eure Eure Gedanken und Anregungen zum Thema Pferd sind genial.
Hoffentlich lesen viele Leute Eure Texte und denken darüber nach.

Leider erlebe ich in meiner Arbeit mit Menschen und Pferden, dass es den meisten Reitern, nicht bewusst ist, dass sie ständig mit ihrem Pferd kommunizieren. In jeder Sekunde findet ein Austausch statt, der durch unsere Gedanken und deren Äußerung in minimalsten Körperreaktionen stattfindet.
Und weil das so ist, ist das meiste Verhalten unserer Pferde nur eine Reaktion auf unsere Gedanken.

Ich glaube, wenn man sich das klar macht und dementsprechend seine Aufmerksamkeit schult, wird der Umgang mit dem Pferd wesentlich leichter und schöner.

Viele Grüße
Sabine Weber

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Hallo Sabine,

ein ganz herzliches Dankeschön für Deine Zeilen und für das tolle Lob – wir freuen uns sehr!

Genau wie Du denke ich auch, dass gerade in Sachen Bewusstsein überall noch viel Entwicklungspotential liegt – bei uns allen. Es mag zunächst anstrengend wirken, sich darauf einzulassen, aber ich denke auch, dass vieles deutlich leichter und schöner wird.

Alles Gute für Dich,
Tania von “Wege zum Pferd”

 

Von Nicole • 8. Juli 2008

Hallo,

diesem Beitrag kann ich nur voll und ganz zustimmen. Wenn ich mich beim Reiten auf mein Pferd konzentriere (klingt eigentlich selbstverständlich,oder?!) kann ich viel feinere Hilfen geben und manchmal reicht auch schon “Hilfen denken”. Aber wenn ich abgelenkt bin, sei es durch störende Mitreiter, Kaffekränzchen an der Bande oder auch indem ich mich beim Reiten mit jemandem unterhalte, dann ist Reiten schon sehr viel mühsamer und auch nervender, weil ich öfter und stärker Hilfen geben muss!

Gruß, Nicole

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Hallo Nicole,

jep, Konzentration ist ein entscheidender Schlüssel. Aber ich glaube, manchmal macht uns auch einfach unsere – sehr menschliche – Ansicht zu schaffen, dass man “Sachen nur einmal sagen muss”. Sprich: viele denken, dass wenn sie eine Hilfe gegeben haben, doch klar ist, was sie wollen. Aber das Pferd fragt halt immer mal wieder nach. Und um das schon im Kleinen zu erkennen, ist – ganz genau! – Konzentration wichtig.

Danke für Deinen Beitrag,
Tania von “Wege zum Pferd”

 

 

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Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.

Ich bin Autorin und habe zusammen mit Babette verschiedene Selbstlernmedien erstellt.

Was ich sonst noch mache, ist auf www.taniakonnerth.de nachzulesen.