Tanias Hafi-Blog
Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.
Neues neugierig erkunden oder: Wie Pferde selbstbewusster werden
Babette hat vor kurzem in einem Beitrag ihren Weg vorgestellt, Pferde an Neues zu gewöhnen. Ich habe es bisher mit meinen Jungs nicht ganz so systematisch, aber schon sehr ähnlich gemacht: Wann immer etwas “gruselig” ist, bin ich mit ihnen hin und habe sie ermuntert, sich die Sache anzuschauen und möglichst auch mit der Nase zu berühren. Für solchen Mut gab es dann immer ein großes Lob und auch ein Leckerli.
Ich suche auch regelrecht solche Situationen, sprich wenn auf dem Hof etwas los ist oder auf dem Weg etwas Unbekanntes steht, weiche ich nicht aus, sondern im Gegenteil, ich nutze es als Möglichkeit, meinen Pferden etwas Neues zu zeigen. Hier ist z.B. ein Bild zu sehen, wo ein Party-Zelt auf unserem Hof aufgebaut war:

Mein Motto: Wenn etwas gruselig ist, schauen wir es uns an.
So lassen sich auf einem Spaziergang viele spannende Sachen finden, wie z.B. eine große blaue Plane:

Oder Holzstapel:


Klar, dieser Weg dauert manchmal etwas länger, als wenn ich mein Pferd schnaubend vorbei tänzeln lasse und entscheidend dabei ist, dass ich keinen Zweifel darüber aufkommen lasse, dass die Sache nicht gefährlich ist. Als Ergebnis fällt mir im Vergleich mit vielen anderen Pferden auf, dass meine Pferde die Tendenz haben, im Zweifel zunächst stehen zu bleiben und dann vorsichtig hinzugehen – seien es nun landwirtschaftliche Geräte auf Wegen, Müllbeutel auf Straßen oder Baumaterialien auf dem Hof.
Sie habe ihre angeborene Vorsicht nicht verloren, aber sie haben die Erfahrung gemacht, dass es
a) gefahrlos ist, wenn ich sie ermutige, sich eine Sache anzuschauen,
b) oft erlebt, dass sich die Sache lohnen kann und
c) sie haben gelernt, Eigeninitiative zu entwickeln.
So lagen neulich an einem Tag, wo bei uns der Verpackungsmüll abgeholt wurde, überall vor den Gartentoren gelbe Säcke herum. Während viele Pferde nun vor jedem neuen Sackhaufen scheuen, lief mein Kleiner im Zick-Zack von einem Haufen zum nächsten und stupste begeistert jeden an. Als er dann allerdings auch noch einen Sack mit den Zähnen fasste und mitnehmen wollte, bremste ich dann doch seinen Eifer
Oft wird das Scheuen von Pferden mit dem Argument entschuldigt, Pferde seien schließlich Fluchttiere. Das stimmt natürlich und das werden sie auch nie ganz verlieren. Aber Pferde, die lernen, dass die Welt nicht ganz so gefährlich ist, wie sie glauben, entwickeln ein neues Selbstbewusstsein. Mit etwas Geduld und Einfühlungsvermögen können auch sehr ängstliche Pferde lernen, dass nicht alles gruselig sein muss, sondern dass sich so manch ein Spaß hinter einem vermeintlichen Schreckgespenst verbergen kann. Und das ist den Mehraufwand doch wert, oder nicht?
16. Juli 2008 von Tania • Kategorie: Umgang • 6 Kommentare »
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Von Anette Kaczor
• 21. Juli 2008
Liebe Tania!
Ich kann Dir nur zustimmen, genauso arbeite ich auch mit meinen Pferden und habe die gleichen Erfahrungen gemacht.
Mein anfangs sehr schreckhafter Oldenburger z.B. reagiert mittlerweile so, dass er, sollte etwas “furchtbar” aussehen, ohne Zutun aufseufzt, dann zielgerichtet auf das Schreckgespenst zugeht, seine Nase draufstubst und ein Leckerlie erwartet. Das bekommt er natürlich postwendend!
Deutlicher wird es noch, wenn er noch keine Lust hat, nach Hause zu gehen, dann sucht er Dinge, die potentiell schrecklich sein könnten und luchst mir auch da einen Keks ab.
Diese Eigeninitiative finde ich nicht schlimm, im Gegenteil, mir ist ein Pferd lieber, das im Zweifelsfall stehenbleibt als auf dem Absatz kehrt zu machen und loszustürmen!
Dies hat er übrigens noch nie gemacht und das, obwohl er durch einseitige Blindheit gehandicapt ist.
Liebe Grüße
Anette
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Ach schön, das liest sich toll von Euch beiden! Und bei einer einseitigen Blindheit ist das doch nochmal was ganz Besonderes.
Herzlich,
Tania von “Wege zum Pferd”
Von Carina
• 24. Juli 2008
Liebe Tania,
wieder einmal ein toller Bericht, wo man denkt “das muss ich gleich auch mal ausprobieren”.
Nur stehe ich im Moment sozusagen vor einer Zwickmühle: früher habe ich den Pferden auch immer die gruseligen Dinge gezeigt und wollte ihnen damit klar machen, dass sie gar nicht so gefährlich sind wie sie im ersten Augenblick vielleicht aussehen. Hat auch eigentlich ganz gut geklappt. Vor ca. einem Jahr habe ich nun beide “Be strict” Bände von Michael Geitner gelesen und lernte da wiederum hinzu, dass das, was ich all die Jahre gemacht habe falsch war. Und zwar meinte Geitner, dass man den Pferden erst recht zeigt, dass das gruselige Ding gefährlich ist, wenn man das Pferd mehr oder weniger dazu ermuntert es sich genauer anzuschauen nach dem Motto “Schau, das Ding ist total gefährlich, das solltest du dir im Gedächtnis behalten für das nächste Mal”.
Jetzt habe ich Ihren Beitrag gelesen und fand meine Theorie von früher bestätigt, den Pferden neue Dinge erstmal zu zeigen. Aber die Methode von Geitner klingt für mich auch irgendwie logisch.
Hätten Sie einen Tipp für mich?
Liebe Grüße und machen Sie weiter so!
Carina
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Hallo Carina,
hui, da sind wir mitten drin in einer echten Herausforderung: Es gibt so viele verschiedene Ansätze, dass man manchmal gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Ich persönlich verlasse mich inzwischen immer mehr auf mein Bauchgefühl – es darf auch meinen Kopf manchmal überstimmen
In diesem konkreten Fall hängt meiner Ansicht nach sehr viel davon ab, mit welcher Energie man dem Pferd Dinge zeigt. Für mich ist es vollkommen selbstverständlich, dass wir uns scheinbar Gruseliges anschauen, so dass ich wahrscheinlich viel Ruhe ausstrahle und das Pferd merkt, dass das nichts ist, wovor man sich gruseln muss. Wenn ich natürlich selbst so etwas denke wie “Oh, das findet das Pferd aber bestimmt sehr schlimm.” wird es das auch spüren.
Grundsätzlich versuche ich, bei allem, was wir unterwegs so finden, davon auszugehen, dass meine Pferde davor keine Angst haben – ich könnte mir vorstellen, dass genau das von Herrn Geitner gemeint ist: eben nicht schon von sich aus “Schreckgespenste” zu sehen. Aber wenn mein Pferd vor etwas Angst hat, darf es sich die Sache anschauen und davon überzeugen, dass es nichts Schlimmes ist. Ich bin bisher damit mehr als gut gefahren.
Ein herzlicher Gruß von
Tania von “Wege zum Pferd”
Von Silke
• 3. September 2009
Hallo Tania, ich muss mich meinen Vorrednern anschließen-superklasse was ihr hier auf die Beine stellt!!! Gerne würde ich meinem “Großen” auch die Schreckgespenster dieser Welt zeigen. Leider ist mein Hotte nicht so neugierig und möchte es anschauen sondern macht bei für ihn schrecklichen Dingen auf dem Absatz kehrt und geschätzte 700kg kann ich dann nicht mehr überzeugen
(. Dazu muss ich sagen, dass ich schon einige Erlebnisse mit ihm hatte und wahrscheinlich mittlerweile auch “ausstrahle”, dass das Schreckgespenst gefährlich sein könnte. Ich arbeite aber daran und versuche geduldiger und ruhiger zu werden und euer Forum bzw. eure Blogs und der LK sind mir eine sehr wertvolle Hilfe
))))) Vielen Dank dafür und liebe Grüße von Silke
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Herzlichen Dank, Silke, für Dein tolles Feeback. Zur Angst Deines Großen könnte vielleicht dieser Beitrag interessant für Dich sein. Probier mal aus, “gruselige” Gegenstände von ihm wegzubewegen, nicht auf ihn zu.
Herzlich,
Tania
Von Silke
• 23. September 2009
Hallo Tania, habe jetzt erst deine Antwort gelesen
). Habe es gleich ausprobiert und mittlerweile trabt er über eine Plane rüber *freu*. Ein Problem habe ich jetzt noch mit dem Schilf, das am Weidenausgang wächst – er hat totale Panik davor bleibt 30 Meter davor schon stehen und haut mir öfters mal ab, wenn das Schilf raschelt. Ist leider auch ein “Engpass” auf dem Weg Weide – Stall. Hättest du da auch eine Idee? Ganz liebe Grüße, Silke
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Hm, das ist aus der Ferne schwer zu beurteilen. Grunsätzlich ist hohes Schilfgras einfach tatsächlich sehr gruselig für Pferde (da können sich Raubtiere gut verstecken), so dass einfach viel Grundvertrauen da sein muss. Ich würde als weiter an der Beziehungsbasis arbeiten und viel, viel Geduld aufbringen.
Tania
Von Melanie
• 1. März 2010
Hallo, der Beitrag hat mich sehr inspiriert. Meine Große (14 Jahre, Warmbut) schaut sich nun gruselige Sachen ganz genau aus Eigeninitiative an ohne sofort in Panik auszubrechen… Sie hat auch Angst vor Joggern und Radfahren etc. An denen kann man ja meist leider nicht schnuppern
Mittlerweile haben wir es so weit gebracht, dass ich mit einem Schnalzen ihre Aufmerksamkeit gewinnen kann und sie auf die Aufforderung “Kopf tief” den Kopf senkt und meist entspannt. Wenn nicht wiederholen wir das Kopf Senken mehrmals- aber das funktioniert immer besser. Aber wir haben ein großes Problem- andere Pferde im Gelände. Ein anderes Pferd ist meist noch okay, aber bei mehreren ist sie dann total angespannt und reagiert auf keinerlei Ablenkungen. Sie ist in Panik und fängt an zu Steigen, zu buckeln, treten, einfach alles. Rückwärtsgehen, etc. regt sie nur mehr auf. Ich weiß gar nicht was ich dagegen machen kann. Hätten Sie da vielleicht eine Idee?
Lg
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Ich würde in einem solchen Fall absteigen und die Sache vom Boden aus zu lösen versuchen. Babette hat mal einen prima Artikel geschrieben – vielleicht hilft der weiter.
Tania
Von Daniela
• 15. Oktober 2011
Hallo
Habe gerade den Beitrag gelesen, weil mein 20jges (!) RB-Hotti so ein “Riesenschisser” ist.
Erst hat es mich genervt (der ist immerhin 20ig!) dass er abbremst, stehenbleibt, umdreht, auf Bein und Gerte kaum bis gar nicht oder mit Gegenwehr reagiert. Einmal wollte er mich gar runterbuckeln!
Dann habe ich mich daran erinnert, was ich vor langer Zeit mit meinem Pferd gemacht habe => alles anschauen gehen, was “böse und gefährlich” ist (wenn es sein muss halt zu Fuss).
Also habe ich versucht, die Dinge nicht anzuwenden, auf die er sowieso nicht oder mit Gegenwehr reagiert (Bein, Gerte) und nur mit Stimme: ein strenges vorwärts, und wenn er darauf auch mit vorwärts reagierte sofort: braaaaaav gesagt. Bei allem Bösen hingeritten und ihn das anschauen und beschnüffeln lassen und ausgiebig gelobt.
Tja, was soll ich sagen, innert kurzer Zeit ist der alte Herr viel selbstbewusster, schaut zwar noch, läuft aber zu, auf ein braaav entspannt er sich sofort und geht manchmal sogar ganz von alleine zu dem “bösen” um es anzuschauen. So reagierte damals mein Pferd auch und wurde innert kurzer Zeit von einem Steiger mit massiver Gegenwehr (und wehe man machte da etwas anderes als ganz nett “Bitte” sagen) ein neugieriges und mutiges Verlasspferd, das überall durchlief.
Habe auch erfahren, dass die RB die ihn früher ritt sogar mit 2 (!) Gerten “bewaffnet” ins Gelände ging! Logisch das er so nie lernte, dass das “böse” ihm nichts tut, wenn er nur neben dem “bösen” durchgeprügelt wurde: Angst vor dem “bösen” und vom Reiter noch Prügel dafür, wie soll er lernen, dass es nicht “böse” ist??
Manchmal ist das Einfache so nah…
LG
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Ganz genau! Danke für den Erfahrungsbericht,
Tania
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