Tanias Hafi-Blog : Monatsarchiv für August 2008

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Vorgeführt?! Oder: Wie schnell sich Vertrauen missbrauchen lässt

Ich schau mir immer gerne Vorführungen und auch Videos von allen möglichen Pferdemenschen an – gerade in der Vielfalt und in den Unterschieden kann man viel lernen. Manches macht mich allerdings nachdenklich, vor allem wenn Vorführungen oder Filme unter der Überschrift “Partnerschaft mit Pferden” oder “Vertrauen laufen”.

  • Ist es z.B. ein Ausdruck von Vertrauen, wenn ein Pferd zu Showzwecken Lektion um Lektion, Übung um Übung abspulen muss?
  • Zeigt sich Vertrauen darin, dass sich ein Pferd vor einem Publikum ablegen lässt, aber wenn es signalisiert, gerne den Kopf wieder hochnehmen zu wollen, sanft, aber bestimmt runtergedrückt wird, damit der nächste Show-Akt noch gezeigt werden kann?
  • Ist es Ausdruck von Vertrauen, ein Pferd mit der Hinterhand auf einem Podest stehen zu haben, während es mit der Vorhand darum dreht und das noch mit einem nicht unbeachtlichen Reitergewicht auf dem durchgedrückten Rücken?
  • Zeigt sich Vertrauen darin, einem Pferd eine Nachtmütze aufzusetzen und es inmitten eines Berges von Kuscheltieren schlafen zu legen?
  • Ist es Ausdruck von Vertrauen, wenn sich ein Pferd auf den Rücken legen lässt und in dieser Position liegen bleibt? (weiterlesen…)

29. August 2008 von Tania • Kategorie: Umgang 7 Kommentare »

Wie reden wir eigentlich über unsere Pferde? Was Worte ausmachen können

Seitdem ich das, was ich so mit meinem Pferden erlebe, aufschreibe, schult mich das immer mehr in der Fähigkeit zur Selbstreflexion. Und so werde ich neuerdings immer dann hellhörig, wenn mir etwas bei anderen negativ auffällt – denn: meist muss ich dann nur zu mir selbst schauen und finde genau das, was mir da aufgefallen ist, auch bei mir.

So ist es mir z.B. immer schon negativ aufgefallen, wenn Pferdeleute abwertend über ihre Tiere sprechen. „Der Bock“, „Die Zicke“ oder „Die Kuh“. Zeit, mal zu überprüfen, wie ich eigentlich selbst über meine Tiere spreche!

Bei Aramis muss ich mir da, glaube ich, nichts vorwerfen. Über ihn rede positiv und liebevoll. Aber was ist mit meinem Kleinen? Mit meinem pubertierenden Jungpferd, der es immer wieder schafft, Knöpfe bei mir zu drücken? Hier sieht die Bilanz nicht so gut aus. Auch wenn ich ihn nicht übelst beschimpfe, so muss ich zugeben, dass mir für ihn auch schon einige nicht ganz so schöne Bezeichnungen eingefallen sind.
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27. August 2008 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 11 Kommentare »

Nicht schneller, sondern weiter – die Sache mit der Trabverstärkung

Manche Sachen sind einem ja vom Kopf her vollkommen klar, weil man sie schon oft gelesen oder gesagt bekommen hat. Aber erst, wenn man sie wirklich fühlt, wenn man sie wirklich bewusst erlebt, weiß man, was die ganze Zeit gemeint war.

So ist es bei mir mit dem Vorwärtsschicken im Trab, also der Trabverstärkung. Mein Großer tat sich immer etwas schwer damit, vorwärts zu gehen, ohne dabei auf der Vorhand davonzurennen. Er schoss also häufig einfach los, sowie die Zügel nachließen. Flott war‘s, aber leider weder sinnvoll noch gesund.

Gemeinsam mit Babette haben wir das nun in den letzten Monaten neu erarbeitet. Aramis lernte zunächst durch ein Anheben der inneren Schulter die Gewichtsverlagerung in Richtung Hinterhand. Darauf aufbauend konnte ich ihn dann immer mal wieder einige Schritte vorwärtsschicken, musste aber immer aufpassen, dass er nicht einfach losflitzt. Immer öfter gelang es ihm so, über den Rücken zu laufen und von der Hinterhand her zu schieben. Inzwischen gelingt uns immer öfter ein freier, schwingender und kraftvoller Trab, bei dem die Schulter frei ist und die Hinterhand aktiv.

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22. August 2008 von Tania • Kategorie: Reiten 4 Kommentare »

Emotionslos strafen – das Nonplusultra im Umgang mit Pferden?

In einem Punkt sind sich sehr viele der Ausbilder (egal welcher Richtung) ziemlich einig: wir sollen lernen, emotionslos zu strafen. Ziel ist es, Ungehorsam punktgenau mit einer Sanktion zu beantworten, ohne Wut und ohne schlechtes Gewissen.

Dass in dem “emotionslosen Strafen” eine große Chance liegt, habe ich inzwischen auch für mich selbst begriffen. Ich gebe zu, ich bin ein sehr emotionaler Mensch und aus meinen Emotionen heraus habe ich leider auch schon manchen Mist gebaut. Aber, je mehr ich über dieses “emotionslose Strafen” nachdenke und je öfter ich es in Aktion sehe, desto häufiger kommen mir auch Bedenken.

“Emotionslos” heißt ja, die eigenen Gefühle zu reduzieren oder gar abzuschalten. Bei Wut oder Ungeduld ist das ratsam, klar. Aber besteht nicht auch die Gefahr, dass wir, wenn wir schon mal dabei sind, unsere Gefühle zu unterdrücken, auch gleich noch welche ausschalten, die wir lieber aktiv halten sollten? Was ist z.B. mit unserem Mitgefühl, mit unseren Skrupeln und auch mit unserer Liebe zu unserem Pferd? (weiterlesen…)

20. August 2008 von Tania • Kategorie: Umgang 9 Kommentare »

Jedem Tierchen sein Pläsierchen oder: Welches Spiel passt zu meinem Pferd?

Babette und ich stellen in unseren Blogs ja u.a. ganz unterschiedliche Möglichkeiten vor, mit Pferden zu spielen. Die Vielfalt ist hier groß, aber nicht jedes Spiel begeistert jedes Pferd.

Wenn ich z.B. meine beiden nehme, dann werden die Vorlieben sehr schnell deutlich.

Aramis liebt z.B. Podeste! Schon das erste Mal, als er vor einem stand, nahm er sofort einen Huf hoch und es dauerte nicht lang, dann stand er mit beiden Vorderhufen darauf. Babette hat auch ein Podest und natürlich durfte er auch wieder drauf:

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(Achtung: Die Arbeit mit dem Podest ist nicht ohne, da die Pferde gefährlich abrutschen und sich die Beine verletzen können. Seid bitte ganz besonders vorsichtig mit diese Arbeit, damit Ihr Euch keinen Sehnenschaden einhandelt und geht das am besten mit jemanden an, der Erfahrungen damit hat.)

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15. August 2008 von Tania • Kategorie: Spiele 3 Kommentare »

Wenn das Pferd komisch ist… oder: Nicht das Naheliegende übersehen!

Anthony, mein Youngster, war vor Kurzem mal wieder ziemlich unausstehlich. Inzwischen kenne ich das ja von ihm und ich weiß, dass es keinen Sinn macht, das persönlich zu nehmen. Aber, … wissen und anwenden sind ja zwei verschiedene Dinge, nicht wahr?

Für meine Verhältnisse habe ich mich ganz wacker geschlagen und blieb recht geduldig mit meinen schlecht gelaunten Jungtier. Im Raum stand für mich aber nach wie vor die Frage, warum er immer mal wieder so ist. Was tat ich, was ihm nicht gefiel? Brauchte er etwas? Nervte ich ihn? Forderte ich ihn zu viel oder zu wenig? Kann er mich nicht leiden? Oder hatte es vielleicht auch gar nichts mit mir zu tun? Immerhin wirkte Aramis auch so, als sei er nicht ganz so gut auf den Kleinen zu sprechen.

Zufällig besuchte ich dann an einem Abend einen Vortrag über Pferdezähne. Inspiriert durch diesen Vortrag schaute ich am nächsten Tag Anthony ins Maul. Und was entdeckte ich da? Dass bei ihm gerade die Hengstzähne im Oberkiefer durchbrechen. Ich hatte den Zahnwechsel als fertig angesehen, nachdem seine letzten Schneidezähne im Unterkiefer gewechselt hatten und hatte deshalb an so etwas gar nicht gedacht. Aber damit dürfte ich wohl die Antwort auf meine Frage gefunden haben :-)

Und das zeigt mir wieder einmal, dass es eine ziemlich knifflige Gratwanderung ist: Wenn unser Pferd sich komisch benimmt, zwar das eigene Verhalten zu hinterfragen, ohne dann aber alles zu persönlich zu nehmen. Wenn man den Fehler nämlich nur bei sich selbst sucht, kommt man oft nicht auf die eigentlich nahe liegenden Sachen, die das Verhalten auslösen können.

13. August 2008 von Tania • Kategorie: Umgang 2 Kommentare »

7 Tage hat die Woche – eine Lernwoche bei Babette hat mehr

Sieben Tage waren die Jungs und ich bei Babette.

Es waren ereignisreiche, spannende, aufwühlende und lehrreiche Tage. Gefühlt dauerte die Zeit deutlich länger, denn wir haben nun Stoff zum Nacharbeiten für viele weitere Wochen. Die Intensität solch einer Lernwoche ermöglicht es, noch einmal ganz anders an bestimmten Knackpunkten zu arbeiten.

Ich werde hier in meinem Blog noch über etliche Erkenntnisse berichten, die ich in dieser Woche gewonnen habe. Fürs Erste möchte ich ein kleines Fazit ziehen.

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8. August 2008 von Tania • Kategorie: Sonstiges 5 Kommentare »

Die Kleinigkeiten, die so entscheidend sind

Die Tage bei Babette schenken mir Lernstoff auf allen Ebenen. So wies sie mich gleich am Montag auf etwas hin, was ich bei anderen immer gut sehen kann, was ich bei mir selbst aber offenbar aus den Augen verloren habe. Scheinbar eine Kleinigkeit nur, die aber ganz entscheidend für das Verhältnis mit meinen Pferden ist: und zwar habe ich das Spiel „Wer bewegt wen?“ nicht pingelig genug beachtet.

Bestimmt habt Ihr schon davon gehört, dass Pferde die Rangfolge untereinander vor allem durch das Spiel „Wer bewegt wen?“ festlegen: wer weicht, verliert, wer andere bewegen kann, ist der Stärkere.

Obwohl mir dieses Spiel sehr bewusst ist, habe ich mich unbewusst immer öfter von meinen Pferden bewegen lassen, vor allem von Anthony. Denn sie machen das schon sehr geschickt und mit viel Charme. All die vielen kleinen Momente, in denen ich unbewusst einen Schritt rückwärts machte oder auswich, manchmal nur wenige Zentimeter, all diese Momente hat Anthony als Gewinnpunkte für sich verbucht. Folgerichtig hatte ich es nun z.B. bei der Longenarbeit ziemlich schwer, ihn von mir wegzuschicken. Und ganz in meinem inzwischen vertrauten Muster ging ich auch hier schnell rückwärts.

Genau das fiel Babette auf und wir arbeiten nun gemeinsam daran, dass ich wieder ganz genau darauf achte, dass er sich bewegt und nicht ich. Nicht nur, dass so das Longieren deutlich einfacher wird, sondern das Ergebnis ist auch ein Pferd, das nun wieder viel respektvoller ist, viel aufmerksamer und viel weniger rüpelig.

Es sind genau diese Kleinigkeiten (die nur für uns Menschen Kleinigkeiten sind), die eine ganz entscheidende Wirkung haben und es ist immer wieder gut, wenn wir andere haben, die uns liebevoll darauf hinweisen, dass wir sie mal wieder vernachlässigt haben. :-)

6. August 2008 von Tania • Kategorie: Umgang 0 Kommentare »

Zu Beginn gleich flott voran?

Bei so viel Unterricht, wie ich ihn in dieser Woche bei Babette, bekomme, wird fast automatisch auch mit einer Reihe von eingeschliffenen Unschönheiten aufgeräumt. Eine davon ist meine Tendenz, im Schritt ein Schlurfen zuzulassen.

So habe ich z.B. zu Beginn jeder Reiteinheit und auch in den Schrittpausen nicht wirklich darauf geachtet, wie mein Pferd läuft, sondern habe mich halt einfach durch die Gegend schaukeln lassen.

Babette hat mir da aber ein anschauliches Bild geschenkt: Sie fragte mich, was ich von einem Fitnesstrainer denken würde, der mir Hanteln in die Hand drückt und mich mit denen die erste Viertelstunde z.B. im Hohlkreuz einfach rummachen lässt. Da wird einem dann schon klar, dass wir eigentlich idealerweise in dem Moment, in dem wir auf das Pferd steigen, keinen Schritt zulassen sollten, der nicht über den Rücken geht, denn unser Gewicht belastet ja immer den Rücken.

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1. August 2008 von Tania • Kategorie: Reiten 1 Kommentar »

Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.