Tanias Hafi-Blog
Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.
Mein Stress ist ihr Stress
Meine Hafis haben beide im Moment mal wieder eine ziemlich penetrante Habs-Phase. Alle naselang werden die Zügel, meine Jacke, das Halfter oder sonstwas ins Maul genommen. Und ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich ins Schimpfen und Zetern komme, damit aber nichts erreiche.
Nun denke ich in solchen Fällen inzwischen ja auch mal nach und so ist mir wieder einmal ein interessanter Zusammenhang bewusst geworden: Das auffällige Hapsen (das ja zwischenzeitlich fast ganz weg war) fällt zeitgleich damit zusammen, dass ich unter Stress stehe.
In den letzten drei, vier Wochen habe ich wirklich sehr viel gearbeitet. Ich war froh, wenn ich meinen Tag einigermaßen so durchstrukturiert bekam, dass alles hineinpasste, was ich mir vorgenommen hatte und in diese Aufgabenplanung gehören natürlich auch die Jungs. Auch wenn ich mir immer einbilde, mir für die Jungs Zeit und Ruhe zu nehmen, fürchte ich doch, dass das real nicht der Fall war.
Wenn ich im Stress bin, erledige ich alles möglichst zackig und hasse Reibungsverluste. Ich will einfach, dass “es läuft”. Diese Grundspannung nehme ich natürlich auch mit zu den Jungs. Und auch wenn ich dieses Mal schon recht gut darin war, meinen eigenen Druck nicht direkt als Erwartungsdruck auf die Jungs zu übertragen, so nehme ich an, dass dennoch viel mehr Druck bei ihnen ankam, als ich das wollte – und offenbar eben auch viel mehr, als es ihnen gut tut. Das Hapsen ist in diesem Sinne vielleicht nichts als eine kleine “Stress-Sirene”, ein Stress-Alarm.
Nun werden sich stressige Phasen nicht immer vermeiden lassen. Deshalb möchte ich einen Weg finden, auch in ihnen so mit meinen Pferden umzugehen, dass sie nicht solche Unarten entwickeln müssen, um mir klar zu machen, dass etwas schief läuft. So ganz weiß ich noch nicht wie, aber ich könnte sicher schon mal etwas Druck aus der Situation nehmen, wenn ich mir erlaube, in solchen Zeiten nicht jeden Tag mit beiden Pferden etwas zu machen, sondern vielleicht abwechselnd. Mich also pro Tag vor allem einem Pferd zu widmen und das dann in aller Ruhe.
Ich denke da noch weiter drüber nach, bin aber auch dankbar, falls Ihr Ideen habt.
19. November 2008 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse • 9 Kommentare »
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Von Andrea
• 19. November 2008
Hallo Tania !
Ich befinde mich gerade in einer sehr ähnlichen Situation. Habe beruflich gerade sehr viel Stress, dort steht auch zusätzlich noch ein Auslandseinsatz an und ebenso nach der Arbeit arbeite ich an einer Veröffentlichung, bei der Freitag einen deadline abläuft.
Und seit 2, 3 Wochen ist es bei meiner Stute (5 Jahre) auch so: sie schnappt und ist zickig! Sie schnappt nach mir beim putzen und gestern zum ersten mal beim satteln. Das gabs noch nie ! Nicht wirklich böse, aber geht trotzdem nicht.
Nun stehen die Pferde seit 3 Wochen auch nicht mehr auf der Weide und ich habe es immer darauf geschoben. Da fehlt natürlich etwas Bewegung und Beschäftigung.
Und nun hast du mich gerade zum Nachdenken gebracht, da ich meinen inneren Stress natürlich nicht immer ganz draussen lassen kann…und klar merken die Pferde das. Und ich kann die Uhr danach stellen, sie ist mein Spiegel: bin ich cool, ist sie cool, erschreck ich mich, erschrickt sie sich auch…
Wieso sollte es da mit dem Stress anders sein?
Ja, und da man den Stress einfach nicht vermeiden kann, bleibt einem nur, daran zu arbeiten, wenn man beim Pferd ist, ist man 100%ig beim Pferd und den Stress verband man auf den Misthaufen und holt ihn erst hinterher wieder ab!
Ich werd es heut abend so machen !
Liebe Grüsse
Andrea
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Hallo Andrea,
sehr spannend, das auch mal von jemand anderem zu lesen. Manchmal frage ich mich ja auch, ob ich zu viel in meine Pferde reininterpretiere. Aber als dann vorgestern, nachdem ich diese Erkenntnis hier so notiert hatte, die Hapserei um 90% verschwunden war, sah ich mich wieder vollends bestätigt.
Ich wünsch Dir heute einen besonders schönen Abend mit Deiner Stute,
Tania
Von Conny
• 19. November 2008
Hallo Tanja,
beim lesen dieses Beitrages wurden meine Augen pro Zeile immer größer. Ich habe genau diese Erfahrung auch gemacht. Auch ich muss derzeit viel und lange arbeiten.
In der Zeit die dann vom Abend noch übrig bleibt versuche ich meine Pferde so regelmäßig wie nur möglich zu arbeiten. Meine Stute sieht das recht gelassen und macht an diesen Tagen das geplante Programm mal mit mehr und mal mit weniger Freude mit. Bei meinem Wallach ist das anders, er stand mir vom ersten Tag an besonders nah. Ich habe immer das Gefühl er trägt nicht nur meinen Körper auf seinem Rücken, sondern auch mein Herz und meine Seele durch alle Gezeiten. Was ich auch versuche, er weiß genau um meinen Gemütszustand und es berührt ihn. Wie ruhig ich auch arbeite, wie klein die Schritte und die Erwartungen auch sind, hatte/habe ich Stress, beginnt das Schnappen. Mal weniger, mal mehr. Aber ganz weg bekomme ich es an solchen Tagen nicht. Ich finde es sehr spannend zu hören, dass das nicht nur bei uns so ist.
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Hui, Conny,
jetzt habe ich richtig eine Gänsehaut! “…er trägt nicht nur meinen Körper auf seinem Rücken, sondern auch mein Herz und meine Seele durch alle Gezeiten” – das hast Du wunderschön ausgedrückt und es passt genau auf Aramis und mich. Ich dachte manchmal, ich bilde es mir ein, dass er besonders sensibel auf mich reagiert, aber solche Erfahrungsberichte, wo andere auch von so etwas berichten, bestätigen mich dann.
Danke fürs Teilen,
Tania
Von Andrea
• 20. November 2008
Hallo ihr zwei!
Wollt mal kurz berichten, wie es mir/uns gestern abend ergangen ist…
Ich hab mich sehr bemüht, meinen Stress draussen zu lassen und viel Ruhe auszustrahlen. Und ja, es klappte, beim putzen gab’s kein Schnapp!*freu*
Aber beim Satteln gab es dann ein Schnapp. Da war ich (natürlich) etwas hektischer, hab nen neuen Sattel ausprobiert und mit Decke und Gurt tauschen und tralala lief meinen Gedanken schon wieder die zeit weg…
Spricht also alles dafür, dass Stuti meinen Stress doof findet…
Also werd ich weiter daran arbeiten…
Nach meinem Auslandseinsatz hab ich Urlaub *freu* ohne wegfahren, nur fürs Pferd
Liebe Grüsse
Andrea
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Jau, das spricht auch meiner Ansicht genau dafür, dass Deine Stute auf Stress so reagiert, wie mein Aramis. Faszinierend, oder?
Und Urlaub nur fürs Pferd – das klingt supischön!
Tania
Von Andrea
• 21. November 2008
Guten Morgen Tania !
Hab mein Pferdchen gestern mit meiner Freundin zusammen versorgt, die sich in meiner Abwesenheit um sie kümmern wird.
Vorher hatte ich die deadline einen meiner Stresspunkte verschiebn können und das war Erleichterung auf ganzer Linie.
Somit hatten wir gestern einfach Zeit fürs Pferd und:
kein einziges Schnapp und allerbeste Pferdelaune !
So wie immer, es war einfach eine sehr schöne und entspannte Zeit 
Problem gelöst.
Danke für deine zeitlich super passenden Beitrag und die gedanklichen Anregungen !!
Liebe Grüsse
Andrea
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Freut mich sehr!!!! 
Tania
Von Reithof
• 21. November 2008
Es ist schon faszinierend wie Tiere (nicht nur Pferde) auf die äußeren Einflüsse reagieren. Besonders bei Stress der Besitzer, liest und hört man immer wieder davon, dass es sich auf die Tiere überträgt. Ähnliche Erfahrungen erzählen auch viele Leute auf dem Reihof etc.
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Ich denke, es ist wichtig, sich das wirklich immer wieder klar zu machen: dass sie auf uns reagieren, wir also der Auslöser für so manche “Unart” sind…
Herzlich,
Tania
Von christina
• 21. November 2008
Liebe Tanja,
oja der stress, den kenne ich auch sehr gut! momentan glaube ich hängt das bei mir auch damit zusammen, dass ich den jahresrhythmus ignoriere. Es hat möglicherweise einen biologischen Sinn, warum die tage kürzer und kälter werden, vielleicht weil es dem Lebewesen nicht schaden würde, mal ein bisschen weniger zu tun, um sich entspannen und regenerieren zu können.
nachdem mein pferd die letzten wochen so überdreht war, und das nur wenn ich mit ihm arbeiten wollte, hab ich meine ziele, die ich für die nächsten monate mit ihm erreichen wollte, ordentlich zurückgesteckt. siehe da, auf einmal können wir wieder miteinander. ich habe mir vorgenommen, diesen winter einfach mal weniger zu machen, vielleicht kommt dabei mehr raus? So nehme ich mir und ihm den Stress, oft sind es ja die eigenen Erwartungen, die stressen.
Ich bin auch dieses Jahr draufgekommen, dass ich oft eine sehr angespannte grundhaltung habe und deswegen ist es für das Pferd sehr schwer mich richtig zu verstehen. Mir hat es sehr geholfen zwischen den Übungen ein paar Minuten Pause zu machen, in denen ich mich auf zb cavaletti setze und bewußt entspanne, indem ich mir vorstelle, ich liege in einer Hängematte. Das war anfangs total schwer, ging aber dann immer besser. Und dann, wenn ich so richtig entspannt bin, atme ich durch und überleg mir eine neue Übung.
wow das war echt interessant, wie sich Sando seit dem mir gegenüber verändert hat. Irgendwie kommt es mir so vor, wie wenn er jetzt sehr viel aufmerksamer und motivierter ist. und in den Pausen läßt er den Kopf hängen, kaut und genießt einfach die Ruhe.
Die ständige Verwirrung und Verunsicherung, die ich ihm durch meine angespannte Haltung vermittelte…klar, dass er kein allzu großes Vertrauen in mich hatte und keinen Wert auf meine Gesellschaft legte. Manchmal muss ich mich halt bei den Ohren nehmen, damit ich uns diese Pausen auch wirklich gönne
liebe grüße
christina
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Wow, Hut ab und eine dicke Portion Anerkennung für Deine Selbstreflektion. Toll, dass Du das so klar siehst und auch danach handelst!
Ein lieber Gruß an Dich und Sando,
Tania
Von Gabriela
• 24. November 2008
Hallo,
ich muss dazu sagen, daß mein 5jähriger auch dann an Dingen herum kaut wenn ER Stress hat, Langeweile oder einfach keine Lust mitzumachen. Es liegt also nicht immer zwangsläufig am Menschen wenn Pferde ihrer Lust nachgehen irgendetwas anzufressen. Da er auch im Paddock oder am Putzplatz alles mögliche ins Maul nimmt, ist für mich klar daß er keine Lust hat mitzumachen oder Langeweile wenn er auf dem Zügel herum kaut wenn wir versuchen zu arbeiten oder ich ihn in die Halle führe zum Beispiel.
Schnappen ist da ein ganz anderes Problem, denn hier geht es um Unsicherheit, schlechte Erfahrungen, eventuellen Satteldruck, Frust UND letztendlich auch den Stress des Menschen der sich auf das Pferd überträgt.
Man sollte also unterscheiden zwischen “auf etwas herumkauen oder zwischen die Zähne nehmen” und dem “schnappen”. Beides ist letztendlich weder erwünschtes noch gewolltes Verhalten, hat aber meiner Erfahrung nach unterschiedliche Auslöser.
LG, Gabriela
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Hallo Gabriela,
herzlichen Dank für Deine Zeilen – und absolute Zustimmung! Ich meinte es auch nicht so, dass Hapsen immer etwas mit eigenem Stress zu tun hat – es ist einfach eine mögliche Ursache, die mir gerade bei uns aufgefallen ist.
Herzlich,
Tania
Von Claudia
• 30. November 2008
Hallo Tanja,
ich habs auch schon sehr oft gemerkt, wie sich mein Stress auf unsere Stuten auswirkt. Sie sind dann zickig und ungeniessbar.
Ich habe mir inzwischen angewöhnt, dass ich zuerst die “Harte Arbeit” wie ausmisten etc. erledige. Dabei habe ich mir bestimmte Suggestionen eingetrichtert. Da ich meinen Stress ja immer von der Arbeit her mitbringe, mache ich folgendes wenn ich die Pferdeäpfel vom Paddock aufsammle: mit jedem Haufen den ich in den Eimer fülle sage ich mir, manchmal auch laut: “Und weg mit der Scheiße!” Damit meine ich den Balast den ich mit zu meinen beiden Lieben genommen habe. Das funktioniert sehr gut. Ich stelle mir bildlich vor wie ich meinen Stress und Ärger in den Eimer fülle.
Meine zwei Stuten tut es gut und mir auch.
Liebe Grüße
Claudia
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Wow, was für ein toller Tipp, Claudia! Das probiere ich auf jeden Fall mal aus – klingt so einfach wie gut!
Danke schön,
Tania
Von Claudia
• 30. November 2008
ich nochmal,
was mir ebbenfalls aufegfallen ist, wie sich meine negativen Gedanken ohne Umwege direkt auf unsere Stuten auswirken.
Kein Wunder also, dass etwas nicht so läuft, wenn man es sich nicht anderes in Gedanken vorgestellt hat.
Ich erwische mich immer wieder bei diesen Gedanken und bekomme von meiner sensiblen Lara direkt die Quittung.
Ich bin aktuell dabei dieses Denkmuster auszuschalten. Ist schwieriger als man denkt.
Aber ich bin davon überzeugt, dass positive Gedanken die gleiche Wirkung haben wie negative.
Ich werde euch gerne von meinen Erfolgen berichten.
Liebe Grüße
Claudia
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Gerne!!!
Tania
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