Tanias Hafi-Blog

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Führen ist doch ganz einfach?

Ein Pferd führen scheint eigentlich ganz einfach zu sein. Man hält den Strick, das Pferd läuft neben einem – kein Thema, oder? Dass das durchaus ein Thema ist, kann man Tag aus, Tag ein so ziemlich überall in den Ställen beobachten. Nicht selten bekommt man den Eindruck, dass da nicht der Mensch, sondern das Pferd führt…

Es gibt wenige Dinge, bei denen ich so konsequent bin, wie beim Einhalten der von mir gewünschten Führposition. Denn ich habe festgestellt, dass sich diese Konsequenz doppelt und dreifach auszahlt. Achte ich beim Führen darauf, dass meine Pferde dort bleiben, wo ich es für sie vorsehe, wird nicht nur das Führen selbst deutlich angenehmer, sondern ich profitiere davon im gesamten Umgang.

Hier einmal ein Bild von der Führposition, wie ich sie anstrebe:

fuehrposition1.jpg

Das Pferd geht etwas schräg hinter mir. Es kriecht mir nicht in den Rücken und es überholt nicht. Es herrscht ein angenehmer Abstand zwischen uns, so dass ich bei einem möglichen Hüpfer nicht gleich angerempelt werde. Und das Pferd läuft von sich aus voran, ohne dass ich ziehen muss. Es ist auch dann, wenn es sich mal umschaut, mit seiner Aufmerksamkeit bei mir.

Wie Pferde unsere Führungsberechtigung überprüfen

Nun gibt es im Wesentlichen zwei Wege, mit denen ein Pferd prüft, ob wir es auch wirklich führen bzw. ob wir es “wert” sind, dass es sich von uns führen lässt:

  • sie überholen uns (dazu gehört auch das Tänzeln an der Hand und das seitliche Wegspringen)
  • sie treiben uns (dazu gehört auch ein zähes Sich-Ziehen-Lassen).

Mit beiden Strategien fragen sie gleichsam nach: “Führst du wirklich?” bzw. “Passt du auf?” Beantworten wir diese Fragen mit einem “Nein”, indem wir unsere Pferde überholen oder in unseren Rücken gehen lassen, verringern wir unsere Glaub- und Vertrauenswürdigkeit. Für das Pferd heißt das dann vereinfacht gesagt: “Ich muss auf mich selbst aufpassen.” und das ist in der Regel nicht wirklich das, was wir wollen. Ein Pferd, dass entscheidet, dass es auf sich selbst aufpassen muss, hört nämlich nicht mehr zu und wir brauchen immer mehr Körpereinsatz, um es führen zu können.

Das Überholen

Auf diesem Bild kann man schön sehen, wie Aramis mich deutlich überholt:

fuehrposition2.jpg

An diesem Tag machte er sich große Sorgen wegen einer Jagdhütte, die am anderen Feldrand von einem Traktor gezogen wurde und da vergaß er seine sonst gute Führerziehung. Da ich ihm in diesem Moment offenbar nicht die nötige Sicherheit geben konnte, verlor ich auch meine Führposition. Als er sich wieder beruhigte, lief er auch wieder auf “seiner” Position.

Ich sehe sehr viele Mensch-Pferde-Paare, bei denen die Pferde eigentlich nur so laufen. Der Mensch ist hier aber nicht in der führenden Position – er wird, wenn er das nicht korrigiert, zu einem (lästigen) Anhängsel. Nicht selten sieht man, wie sich der Mensch dann mit seinem ganzen Gewicht in den Strick hängen muss, um das Pferd zu verlangsamen. Das ist nicht nur sehr anstrengend, sondern ein solches Pferd gewinnt auch kein Vertrauen zu seiner Führperson.

Hier kann man schön sehen, wie ich Anthony gerade bei einem Überholmanöver korrigiere:

fuehrposition4.jpg

Die beiden Holzstapel machten ihn etwas nervös und er wollte überholen. Ich begrenze dann vorne mit der Gerte und touchiere notfalls die Brust. Bei ganz rüden Überholmanövern halte ich das Pferd auch an und schicke es mit einem deutlichen Gertensignal einige Schritte rückwärts.

Sofern man das Überholen konsequent korrigiert, reichen im Normalfall sehr bald ganz leichte Signale mit der Hand, um das Pferd daran zu erinnern, dass es nicht überholen darf.

Das “In den Rücken gehen”

Sehr beliebt vor allem bei ranghöheren Pferden ist es, auszuprobieren, ob sie nicht vielleicht den Menschen treiben können. Dabei lässt sich das Pferd etwas zurückfallen und geht dann in den Rücken der Führperson. Viele merken diesen Test nicht und denken, ihr Pferd folgt ihnen ganz brav. Tatsächlich aber wird so die Frage “Passt du auch auf?” mit einem “Nein.” beantwortet. Pferde, die auf ihre Frage diese Antwort bekommen, neigen dann dazu, mal eben zum Grünstreifen zu ziehen, um zu fressen o.ä.

Wenn eines meiner Pferde in meinen Rücken geht, treibe ich es mit der Gerte zur Seite, ohne mich dabei umzudrehen oder anzuhalten. Die Stärke dieses Gertenwedelns mache ich abhängig vom Pferd und der Situation. Ich bewache auf diese Weise den Raum hinter meinem Rücken – da hat das Pferd nichts zu suchen ;-) .

Noch besser ist es, wenn ich bereits das Langsamerwerden bemerke und schon hier etwas nachtreibe, dass es erst gar nicht dazu kommt, dass das Pferd hinter mich kommen kann. Häufig sind wir Menschen aber ein bisschen zu langsam und merken gar nicht, dass das Pferd schon mitten am Nachfragen ist.

Und so möchte ich es

Hier nochmal wie es für mich sein soll:

fuehrposition3.jpg

Ich laufe leicht vor dem Pferd, der Abstand ist respektvoll, aber wir haben eine Verbindung und das Pferd ist mit der Aufmerksamkeit bei mir. Der Strick hängt leicht durch, ich muss also nicht ziehen. Die Gerte ist in neutraler Position, weil es nichts zu korrigieren gibt. Wenn ich dafür sorge, dass mein Pferd auf dieser Position läuft und sie nicht ständig in Frage stellt, steht einem entspannten Spaziergang oder einem stressfreien Führen zur Weide nichts mehr entgegen.

Ein guter Test

Ein guter Test, ob beim Führen alles so ist, wie es sein soll, ist, als Mensch plötzlich einmal stehen zu bleiben. Läuft das Pferd dann auf und rempelt einen an, hat es

a) nicht genug auf einen aufgepasst und
b) läuft es zu sehr hinter einem.

Rennt es einfach weiter, ist es

a) mit der Aufmerksamkeit auch nicht bei einem und
b) hat schon vorher zumindest im Geiste überholt.

Auch hier gilt, wie bei so vielem: konsequentes Üben zahlt sich aus.

16. Juli 2009 von Tania • Kategorie: Umgang 24 Kommentare »

Es geht auch anders!
Tipps, Ideen und Übungen für mehr Harmonie, Spaß und Verständigung mit dem Pferd

350 Seiten Praxiswissen für einen pferdegerechten Umgang bequem als PDF zum Herunterladen. Thematisch sortiert, praktisch präsentiert und mit vielen Fotos illustriert.
Für mehr Infos hier klicken.

 

24 Reaktionen zu “Führen ist doch ganz einfach?”

 

Von Jenni • 16. Juli 2009

Ja, da sprichst du etwas wichtiges an! Mit den Hengsten führe ich den von dir beschriebenen Test laufend durch. Gerne auf dem Weg vom Paddock zum Putzplatz (ich merke dann schnell, wie sie drauf sind) oder in die Box zum Füttern. Solche Kleinigkeiten zahlen sich so sehr aus!

_______________________

Jep, man kann sehr viel aus diesen Führgeschichten ablesen – über die Laune des Pferdes, über die Beziehung zum Menschen, das Verhältnis usw.

Lieber Gruß an Dich,
Tania

 

Von CelineD. • 17. Juli 2009

Ein schöner und wichtiger Artikel der an der Basisarbeit mit dem Partner Pferd arbeitet!
Wie siehst du denn, ob dein Pferd schräg hinter dir ist, oder in deinem Rücken läuft? Ich möchte mich ja auch nicht alle fünf Sekunden umdrehen!

_____________________________

Danke, Celine!

naja, das Pferd soll ja nicht meilenweit hinter einem gehen, sondern eben nur ein kleines Stück. Und da kann man das eigentlich ganz gut aus dem Augenwinkel erkennen. Und mit ein bisschen Übung und Achtsamkeit, spürt man auch, ob das Pferd eher treibend hinter oder entspannt neben einem ist. Wenn ich das Gefühl habe, dass es hinter meinen Rücken kommt, wedele ich ein bisschen mit der Gerte hinter mir – ist es auf seinem richtigen Platz, wird es nicht getroffen, treffe ich es, war es hinter meinem Rücken ;-)

Tania

 

Von Susi • 17. Juli 2009

und wieder geht das ganze nur mit Gerte. Schade, ich habe diesen Blog immer gelesen, weil ich dachte du gehst ” human ” mit den Pferden um und weißt was du tust. Aber immer nur mit Waffe find ich nicht gut. Das Pferd sollte in angemessenem Abstand laufen, ohne Gerte. Dann ist für mich das Ziel erreicht Solange du eine Gerte benötigst um dem Pferd Signale zu geben ist es für mich Zwang. Wenn du das Pferd allein mit deiner Körperhaltung führen kannst, dann ist es, weil das Pferd es will. In diesem Fall aber seh ich nur, daß du das Pferd zwingst zu tun was du willst. Will es aber auch das Pferd? Aramis hätte dich nicht überholt, wenn du die “Leitstute” wärst – in keiner Situation.

____________________________

Auch das sehe ich einfach wieder ein bisschen anders. Meine Gerte ist die Verlängerung meines Arms. Und dass ich keine Leitstute bin, weiß Aramis sehr genau – so schlau sind Pferde schon, dass sie uns nicht für ein Pferd halten ;-)

Ein herzlicher Gruß,
Tania

 

Von Susi • 17. Juli 2009

Tania, ich schrieb: Solange du eine Gerte benötigst um dem Pferd Signale zu geben ist es für mich Zwang
Ich schrieb nicht, das du deas Pfer dschlägst. Aber ich bin der Meinung du solltest diese Signale mit deiner Körperhaltung geben.
Ich zitiere dich:
Und dass ich keine Leitstute bin, weiß Aramis sehr genau – so schlau sind Pferde schon, dass sie uns nicht für ein Pferd halten

Dein Pferd sollte dich aber für die Leitstute halten, sonst kanns gefährlich für dich werden.

Für meine Pferde möchte ich immer die Leitstute sein. Was anderes kommt nicht in Frage. Sobald ich auf der Koppel bin, bin ich der Boss und kein anderer.
So sollte es sein, oder?

__________________________

Weißt Du, ich glaube, dass wir einfach zu einigen Punkten etwas andere Ansichten haben und etwas andere Wege gehen. Das ist doch aber nicht schlimm – es gibt halt einfach viele verschiedene Wege zum Pferd, gelle?

Herzlich,
Tania

 

Von Milka • 18. Juli 2009

Hallo Tania,
mich würde interessieren, wie du es bei Pferden handhabst, die nicht folgen wollen, also stehen bleiben etc.
Ich kann mit meiner Kleinen nicht vom Hof spazieren, weil sie alle 2 Meter anhält und die Beine in den Boden stemmt. Das stimmt mich schon traurig, weil sie mir schließlich sagt, dass sie mir nicht vertraut. Auf dem Hof allerdings haben wir gar keine Führ- und Vertrauensprobleme..
Hast du eine Idee?

Liebe Grüße,
Meike

_______________________

Hm, schwierig einzuschätzen, ohne Euch als Team zu kennen. Die Frage ist, ob sie aus Angst nicht weiterwill oder ob es eher Unlust ist. Vielleicht kann mal jemand mit Euch mitkommen und ganz behutsam von hinten nachtreiben? Dann jeden Schritt vorwärts dolle loben, damit sie weiß, dass das das Richtige ist.

Herzlich,
Tania

 

Von Verena • 18. Juli 2009

Hallo Tania,

Meine RB läuft im Schritt anständig, und hält auch wenn ich anhalte , nur sobald ich mit ihn laufen möchte, also er traben soll , fängt er an zu überholen , also seine nase ist zu weit vorne.
Was kannst du mir raten?? ich habe das schon oft geübt, mit Gerte/strick wedeln, anhalten-rückwärtsrichten, und in die andere Richtung laufen…

Und: Wenn wir auf dem Platz führen ohne Hilfsmittel üben, bleibt er manchmal nicht sofort stehen , wenn ich stehen bleibe sondern läuft einen Schritt weiter , und dreht sich dann zu mir um (also quasi Vorhandwendung)

liebe Grüße
Verena

______________________

Auch hier finde ich es ziemlich schwierig, wirklich konkret was zu sagen, ohne Euch zusammen zu sehen. Beim Führen können viele verschiedene Aspekte eine Rolle spielen – allem voran die Körpersprache. Manchmal gibt man unbewusst Signale, die entscheidend sind, aber das kann ich so eben nicht einschätzen.

Mein Tipp wäre: Lass mal ein Video von Euch machen und schau es Dir an – oft fällt einem da schon selbst einiges auf.

Von dem was Du beschreibst, stellt ja offenbar vor allem die bremsende Einwirkung ein Problem dar. Ich benutze dafür die Gerte als Begrenzung nach vorn. Im Schritt könntest Du also z.T. mit der Gerte eine deutlichere Schranke nach vorne bilden. Was den Trab angeht: da würde ich erst einmal üben, nur ein, zwei Schritte anzutraben und wieder durchzuparieren. So kann Dein Pferd lernen, besser auf Dich zu achten.

Tania

 

Von Beate • 20. Juli 2009

Zu Susis Anmerkung: Auch unter Pferden gibt es selten die absoluten Leitstuten und die absoluten Sich-Unterordner. Und es gibt Schussel, die eben mal in einen anderen hineinlaufen, weil sie nicht aufpassen.

Als Mensch brauche ich eine Möglichkeit, mich und meine Körpersprache für das Pferd deutlich zu machen. Ich kann nicht die Ohren anlegen und mit einem Schlangenhals drohen. Deshalb ist die Gerte ein Kommunikationsmittel und meiner Meinung nach erheblich präziser zu handhaben als beispielsweise das Hilfsmittel Strick. bei allen wirklich guten Freiheitsdressuren wird mit dem Kommunikationsmittel Gerte / Peitsche gearbeitet.

_______________________

Jep, genauso sehe ich das auch :-)

Tania

 

Von Rebekka • 20. Juli 2009

Hallo Tania, ich habe mit meiner Stute auch lange so gearbeitet, wie Du beschreibst, mit Touchieren oder rückwärts schicken. Allerdings habe ich im Frühjahr bei “Pferdisch” einen für mich deutlich “schöneren” Weg kennengelernt: wenn das Pferd überholt, drehe ich eine Volte zu der dem Pferd abgewendeten Seite hin mit Blick auf die Hinterhand des Pferdes, das Pferd läuft die Volte außen mit und ist somit automatisch wieder hinter mir. Das drei- bis viermal gemacht, ist das Überholen auf mega-sanfte Art korrigiert! Ich war selbst überrascht, wie das funktioniert! :-)
Liebe Grüße
Rebekka

___________________

Jep, das ist auch eine schöne Möglichkeit – nur z.B. an Straßen nicht immer praktikabel. Deshalb setze ich grundsätzlich auf den vorgestellten Weg, baue aber genau so etwas auch ein, wenn es vom Platz her möglich ist.

Tania

 

Von Ulrike • 20. Juli 2009

Wichtige Bemerkungen zum Führen sind das !

Milka: Mein Pferd bleibt auch immer stehen wenn ich es aus dem Stallbereich raus ins Freie führe. Da er sonst beim Spazierengehen selbst am langen Strick und mit Abstand zur Seite (Wegsituation) nicht überholt oder stehen bleibt, habe ich ihn mal beobachtet als die Herde raus auf den Teibweg zur Koppel gelassen wurde.
Auch da blieb er an bestimmten markanten Punkten stehen, kontrollierte das Gelände und lief dann wieder weiter. (Er ist Herdenführer).

Für mich habe ich daraus die Konsequenz gezogen, daß er z.B. bei besonderen Umständen (srürmisches Wetter,Handwerker am Hof etc.) kurz schauen darf , dann aber auf mein Kommando mitlaufen muß. Bei ganz normalen Umständen strebe ich an ohne Stehenbleiben auszukommen. Ich muß ihn aber oft mit dem Arm oder der Gerte zum Weitergehen annimieren.

Sobald wir den Dunstkreis des Stalles verlassen haben, ist seine Aufmerksamkeit voll bei mir und das Stehenbleiben ist weg.

Tanja: Viel Führübungen und Bodenarbeit ist auch eine ganz gute Voraussetzung um mal längere Verletzungspausen gut zu überstehen, Mein Pferd mußte ein halbes Jahr nur Schritt geführt werden, beginnend mit 5 Minuten und wöchentlich 5 Minuten mehr. Ich glaube ohne die entsprechende Führ-vorbereitung wären wir beide verrückt geworden.

Liebe Grüsse
Ulrike

_____________________

Oh, das kann ich mir gut vorstellen! Na, das war dann aber auch wirklich eine intensive Extra-Portion Führtraining.

Herzlich,
Tania

 

Von Maja2009 • 20. Juli 2009

Finde auch, man macht sich viel zu wenig gedanken, über das Führen seines Pferds. Ich habe ein Stute, die gerne weit hinter mir herläuft und dann dösend hinter mir herschlappt. Ein “Pferdeguru” bewertete mal diese Situation als gewollt. Nach seiner Ansicht führt so eine Leitstute ihr Herde. Die Herde kann sich auf sie verlassen und wiegt sich in Sicherheit. Deshalb würde meien Stute auch hinter mir dösen.

Ich sehe das anderster und führe mein Pferd auch so, ein Stick in meiner Hand mit Schlag wedelt wie ein Schweif hinter meinem Rücken, wenn ich aus dem Augenwinkel sehe das meine Stute zurück fällt. Der wedelnde Schlag signalisiert ihr, sie soll auf meine Höhe kommen. Anstelle des Sticks wird auch das Ende meines langen Robes verwendet, gleicher Effekt.

Dabei muss man das Pferd noch nicht mal berühren, also für mich hat das auch weder was mit Freiheitsdressur noch mit “Gewalt” zu tun.

Liebe Grüße

_______________________

Jep, das mit dem weit-zurückfallen-lassen ist so eine Sache – genau da beginnt dann unter Umständen auch das Treiben. Die richtige Position dauerhaft zu erreichen, ist manchmal gar nicht so einfach…

Tania

 

Von Sonja • 20. Juli 2009

Wie passend das Thema! Gerade gestern hatte ich einen etwas aufregenden Spaziergang. Der Wind war zu arg, der Stallkollege, der uns im Wald entgegenkam und in die andere Richtung (gen Stall zurück) davon ritt, die Pferde, die uns von der Koppel noch hinterher wieherten und überhaupt – ich hatte mir vorgenommen, wieder einmal pro Woche alleine spazieren zu gehen und habs die letzten zwei, drei Wochen doch nicht gemacht. *seufz*

@ Meike: Mein Pferd mag auch nicht gerne vom Stall weg und bleibt auf der ersten Strecke schon ein-, zweimal stehen. Ich dreh mich dann ein bisschen nach außen um (also vom Pferd weg) und treibe sie mit der Gerte etwas an. Meistens läuft sie dann gleich wieder los und wird dafür natürlich heftigst gelobt. :-)

@ Rebekka: Die Volte ist sicherlich ein guter Vorschlag, aber ich hatte gestern z.B. das Problem, dass mein Pferd an mir vorbeiflitzte, sich vor mich querstellte bzw. auch schon gleich komplett umdrehte, um wieder den Heimweg antreten zu können. Da hätte ich dann die Volte nicht auch noch gerne in die Richtung gemacht, die mein Pferd eh schon von sich aus eingeschlagen hatte. (Gut, ich hätte halt schneller reagieren müssen, vielleicht wäre es dann gar nicht so weit gekommen. Fakt ist, ich war es nicht. Schnell genug.)

Ansonsten mache ich es eigentlich wie Tania: bremse sie mit der Gerte vor der Brust, sag “laaaaangsam” oder lass sie anhalten und etwas zurückgehen. Normalerweise reicht das, gestern waren aber anscheinend doch zu viele gruselige Windgeister unterwegs.

Das mit dem einfach mal stehenbleiben mache ich auch hin und wieder, gerade wenn ich merke, dass die Aufmerksamkeit grad nicht so wahnsinnig bei mir ist. ;-)

Ach ja – ein sehr wichtiges Thema und hiermit gelobe ich offiziell, wieder regelmäßig spazieren zu gehen. ;-) Wir üben weiter… :-)

___________________

Priiiima!!! :-D

Tania

 

Von Luisa • 21. Juli 2009

Hallo,
gerne möchte ich auch meine “Senf” dazu tragen und zwar zum Thema Gerte.
Ich denke auch, dass Pferden ebwusst ist, dass wir Menschen nunmal keine Pferde sind. Ich denke auch, dass es von daher vollkommen in Ordnung ist, eine Gerte zu benutzen. Als Hilfe um dem Pferd den richtigen Weg zu zeigen. Diese Hilfe benötigen wir (manche von uns) eben weil wir keine Pferde sind und ihre natürlich Körpersprache niemals 100%ig nachahmen können.
Die Gerte hat aber auch keinenfalls, so meine Meinung, etwas mit Zwang zu tun. Das Pferd könnte sie trotz Gerte gegen uns “auflehnen”. Es wird mit der Gerte zurechtr gewiesen, und quasi an seinen Platz gestellt. So wie Pferde es unter sich mit Körpersprache und Gesten machen. Nur wenn ein Pferd seinen Menschen respektiert, wird es dieses “Zurechtweisen” von der Gerte auch akzeptieren. Ansonsten würde ihn dieser kleine Stock nicht stören, und es könnte den Menschen trotzdem überholen/ anknabbern etc. Somit sehe ich in der Gerte keinen Zwang. Obwohl es natürlich sehr toll ist, wenn man mit seinem Pferd ganz ohne Hilfe, frei kommunizieren kann! =)

Susi schrieb:
“Für meine Pferde möchte ich immer die Leitstute sein. Was anderes kommt nicht in Frage. Sobald ich auf der Koppel bin, bin ich der Boss und kein anderer.
So sollte es sein, oder?”

Ich finde, das Wort Boss in diesem Zusammenhang irgenwie unpassend. Ich denke viel mehr, dass wir dem Pferd gegenüber als Partner udn Freund auftauchen sollten. Natürlich muss das Pferd uns respektieren aber e4s muss auch Vertrauen zu uns haben.
Du (Susi) schreibst, dass du die Gerte als Zwang ansiehst. Gut, aber dann solltest du generell ein freundhscaftliches Verhältnis mit den Pferden anstreben und sie dir nicht unterordnen.
Wobei bei mir eben ein freundschaftliches Verhältnis tortzdem gewisse Regeln hat (kein Anrempel etc.).

So, das war nun meine Meinung =). Wenn ihr eine andere habt, ist das selbstverständlich auch okay.
Lieber Gruß,
Luisa

_______________________

Herzlich Dank für Deine Zeilen, Luisa! Ich kann da voll unterschreiben :-D

Tania

 

Von Kelly • 31. Juli 2009

Liebe Tania,

danke dass Du dieses sehr wichtige (und leider oft vernachlässigte) Thema so ausführlich ansprichst. :-)

Herzliche Grüße. Kelly

_______________________

Danke, Kelly! Die vielen Beiträge zeigen ja auch, dass das Thema bewegt.

Tania

 

Von Kelly • 31. Juli 2009

Falls es erlaubt ist, möchte ich an dieser Stelle auch Luisa ein großes Lob und ein Dankeschön für ihre wahren Worte aussprechen :-) .

Liebe Grüße. Kelly

 

Von Britta • 3. August 2009

@Susi,

hab da mal ne Frage, wie hast Du Deinem Pferd denn klargemacht, dass Du der Boss bist?

Im Round-Pen? Und hattest Du da nicht auch irgendwelche Hilfsmittel (Wurfseil etc?), zumindest am Anfang wird es ja benutzt, später sollte es nur noch zur Zierde da sein, wobei meiner Meinung nach jedes Pferd immer mal wieder austestet, ob die Rangordnung so noch ok ist. Wie sagst Du ihm denn dann, das sich nichts geändert hat, wenn Du gerade den Roundpen nicht zur Verfügung hast?

fragende Grüße
Britta

 

Von **leo** • 21. August 2009

Liebe Tania,

super, dass du dieses Thema aufgreifst. Allerdings würde mich interessieren, was du machen würdest, wenn das Pferd stehen bleibt oder sich richtig ziehen lässt?

Liebe Grüße,
Katharina

_______________________

Auf ein Ziehen lasse ich mich nicht ein – ich treibe dann touchierend mit der Gerte und lasse sofort nach, wenn Pferdi läuft. Beim Stehenbleiben überprüfe ich, ob es einen Grund dafür gibt, ansonsten treibe ich auch da nach.

Tania

 

Von Silke • 23. September 2009

Hallo Tania, wie bereits im Blog “Neues neugierig erkunden oder: Wie Pferde selbstbewusster werden” gesagt, muss ich noch ein Punkt hinzufügen, der in diesen Blog passt – mein Pferd bleibt auch gerne einfach auf der Weide stehen! Wenn ich konsequenter werde und mit Gerte nachtreibe, dreht er sich, wie vorstehend beschrieben, einfach um und geht weg. In der Halle und auf dem Platz ist Führen kein Problem. Er steht wenn ich stehe und geht, wenn ich gehe und trabt wenn ich “trabe”… *grübel* Vielleicht hast du einen Tipp, wie ich ihn “überliste” bevor er sich umdreht? Liebe Grüße Silke

_______________________

Ich würde nicht mit “überlisten” arbeiten, sondern mit überzeugen. Frag Dich mal selbstkritisch, warum Dein Pferd nicht mitkommen mag, vielleicht findest du da Ansätze?

Herzlich,
Tania

 

Von prue • 2. März 2010

Hallo,

der Artikel hat mir gut gefallen. Allerdings ist in meinen Augen dein Hafi grundsätzlich schon ein mal sehr brav, auch wenn er dich mal austestet. Wenn mein Pferd gut drauf ist, oder es Richtung Koppel geht, startet er durch und ist weg. Halten ist unmöglich. Er hat diese Eigenart mitgebracht und ich hab noch keine rechte Vorstellung wie ich ihm das abgewöhnen könnte… Das einzige was mir einfällt, ist kontinuirlich Vertrauen aufbauen (Longen, Bodenarbeit, beim Reiten), dass er mich als Chef quasi im Nebeneffekt aktzeptieren lernt und dann vielleicht mit Hilfe von Leckerli beim Führen die Sache angehen oder so, wie gesagt, der Plan ist noch ausgereift. Vielleicht hast du ja einen Tipp? LG prue

___________________

Mein Kleiner war zu Beginn auch nicht “brav” – im Gegenteil, genau das Losreißen hatte er auch mitgebracht. Ich habe das durch sehr geduldiges Führtraining in den Griff bekommen, so dass er heute tatsächlich auch “brav” ist :-D Für mich ist das wirklich eine Frage der Grundlagen- und Vertrauensarbeit.
Tania

 

Von Claudia • 9. April 2010

Hallo!
Ist es schlecht wenn ich meinem Pflegepferd beim Spazierengehen “erlaube” anzuhalten? Wenn wir von Stall weggehen ist es auch so dass sie oft nicht weiterwill – dann lasse ich sie erst stehen und in der Gegend rumschauen aber danach soll sie weiter, wenn ich weiter will, was dann auch ohne ziehen oder Gerte klappt. Ich habe das Gefühl, dass sie so mehr Spaß am Spazierengehen hat als wenn ich sie gleich weitertreibe – so bleibt sie auch weniger oft stehen und ist leichter vom Fleck zu bekommen. Ich glaube dadurch, dass es nicht immer nur nach mir,mir,mir geht und sie auch ein Mitspracherecht hat gefällt ihr das Spazierengehen besser.
Oder zeige ich ihr dadurch, dass ich ihr das Anhalten “durchgehen” lasse, dass sie der Chef ist? Soll ich es lassen?
Was Sachen wie Anhalten wenn ich es will oder Tempo angeht bin ich konsequent, da muss sie auf mich hören und daran arbeiten wir – ich hab sie erst seit vllt. einem Monat als Pflegepferd (und mit entsprechenden kleineren oder größeren Problemen zu kämpfen :P – es ist immer noch so, dass sie manchmal denkt sie muss die Führung übernehmen, hat sich aber schon gebessert).

lg, Claudia

__________________

Für mich gibt es auf solche Fragen keine einfache Antwort – ich würde sagen: es kommt immer drauf an. So wie Du es beschreibst, klingt es für mich vollkommen ok; ist doch schön, wenn Ihr so eine tolle Beziehung habt!
Tania

 

Von Lea • 13. April 2010

Interessante Diskussion. Was ich noch anmerken möchte, ich finde es noch wichtig, dass man die Führübungen auf beide Seiten macht (à la Geitner). Wie ich den Bildern entnehme machst du das Tanja. Oft ist nämlich eine Seite viel schwieriger. Zudem habe ich bei meinen “Führübungen” gemerkt, dass man mit Baumstämmen, Wassertümpeln und anderen “Naturhindernissen” neue Ideen einbringen kann, bei denen oft die Führposition plötzlich auch nicht mehr so klar ist. Ich mach das oft als Überprüfung.
Mein Isi stellt die Führposition immer mal wieder leicht in Frage (so leicht aufmüpfig verhält er sich auch in der Herde). Das Führen in der Position, wie du es machst, funktionniert gut. Jedoch war ich letztes Jahr in den Bergen und da müssen die Pferde halt meist auf dem schmalen Weg genau hinter der Führperson gehen. Genau da das finde ich sehr schwierig, ich habe ihn nicht im Augenwinkel. Wenns im zu langweilig wird, probiert er immer mal wieder auszuweichen, zu fressen, ev auch mal leicht zu treiben. Hat jemand einen Tip, wie ich ihn da besser unter Kontrolle habe? Wie gesagt habe ich ihn einfach nicht im Blickwinkel und merke seine “Schabernackideen” erst, wenn er sie bereits ausführt.

LGr Lea

_____________________

Danke, Lea, für die Ergänzung mit den beiden Seiten – das finde ich auch sehr wichtig!

Zu Deiner Frage: das ist ja wirklich eine sehr spezielle Situation. Knifflig. Vielleicht mit einer zweiten Person arbeiten?

Herzlich,
Tania

 

Von Anja • 4. Juli 2010

Hallo,
wenn ich die Gerte oder das Strickende benutzen will, wenn mein Pferd einfach stehenbleibt, geht es rückwärts und von mir weg. Ich probiere sonst alles Mögliche aus. Einfach Weitergehen, aufmunternd Zureden, leichtem Zuppeln am Strick oder richtigem Ziehen und Lockerlassen. Das geht mir mit einigen Pferden auf unserem Hof so. Und immer, wenn sie zum Reiten von der Koppel oder daran vorbei geführt werden sollen. Was kann ich tun, bin dann immer recht hilflos. Mit Leckerlis lassen sie sich auch nicht wirklich austricksen. Kann man da mit einer bestimmten Körperhaltung/-sprache etwas ausrichten?
Viele Grüße, Anja

______________________

Ja, auf jeden Fall, aber ich fürchte, da kann ich aus der Entfernung wenig konkreten Rat geben – manchmal sind es Kleinigkeiten, die entscheidend sind und ich müsste sehen, wie Du genau führst. Ein häufiger Fehler ist, dass man sich beim Führen zum Pferd umdreht, statt selbst nach vorne zu schauen und sich in die Bewegungsrichtung auszurichten. Wenn Du die Gerte in der vom Pferd abgewandten Hand hast, kannst Du da doch hinten leicht antippen, ohne dich selbst zum Pferd zu wenden.

Tania

 

Von Sandra • 20. September 2010

Hallo, also mir geht es im Moment ähnlich wie anderen hier, wie ich gelesen habe.

Mein Pferd (5 Jahre) weigert sich den Gang von der Koppel mit mir zu machen. Ist wirklich anstrengend, voer allem wenn man Reitsunde hat, die RL nicht warten lassen möchte und Pferdchen sich keinen Millimeter bewegen läßt.

Weiß im Moment überhaupt nicht was ich machen soll.

Denke aber bei ihm ist es eine Sache des “Ausprobierens” denn er ist manchmal ganz schön respektlos.

________________________

Als erstes würde ich ein bisschen früher losfahren, dann bist Du nicht unter Zeitdruck. Pferde haben ein feines Gespür für so etwas. Wenn Du mehr Zeit bringst, so eine Sache auch ggf. mal “auszusitzen”, dürfte das Spiel sicher schon weniger interessant sein :-D

Zum anderen würde ich gezielt daran arbeiten, dass mein Pferd sich freut mich zu sehen und mit mir zu kommen – also es z.B. auch öfter mal nur zum Füttern holen, zum Verwöhnen und nicht nur zum Arbeiten.
Tania

 

Von Nina • 27. Dezember 2011

Hallo,
ich finde deine Führposition so sehr gut.
Allerdings führe ich in der Position auf Kopfhöhe des Pferdes, also ganz minimal weiter hinten.
(in der Reitschule habe ich noch gelernt auf Schulterhöhe des Pferdes zu laufen, was ich allerdings als suboptimal eingestuft habe)

Ich hatte einige Jahre lang eine anfangs sehr rüpelhafte RB. Mir wurde geraten gar nicht spazieren zu gehen, gar keine Bodenarbeit zu machen, etc. Allerdings wurde mir erlaubt, alles auszuprobieren.

Ich habe es dann einfach probiert.
Immer wenn er überholen wollte, stehen bleiben, zurück an die Position schicken, weiterschreiten.
Habe insbesondere darauf geachtet, dass der Kopf nicht zu hoch kommt, sondern immer auf etwa auf meiner Hüfthöhe liegt (also eigentlich sehr tief), aber dadurch wirkte er auf mich komischerweise deutlich ruhiger.

War er brav und ruhig, habe ich hin und wieder belohnend sein Ohr gekrault, oder mit seinen Lippen gescherzt (mochte er beides sehr gern) / Beides ohne stehen zu bleiben /. Die Überholmanöver haben sich dann sehr schnell erledigt. Kam er ja nicht weit mit…

Nach einigen Monaten konnte ich ihn sogar angenehm im Trab mit zum joggen nehmen, ohne dass er Anstalten gemacht hat.

Denke das ganze ist einfach eine Übungssache, das Pferd lernt halt, wie er sich verhalten muss um möglichst schnell vorwärts zu kommen…

Grüße Nina

________________________

Hallo Nina,

super, dass Du das angegangen ist! Wenn man es vermeidet, kann das Pferd ja nichts lernen. Da ist es viel besser, das genauso geduldig zu erarbeiten, wie Du es gemacht hast!
Tania

 

Von Katja1 • 11. März 2012

Hallo Tania!
Ja das stimmt, der Atikel trifft es ganz genau :-)
Ich habe mal ein Frage und zwar woher hast du diesen super Kappzaum?
Ich kenne nur diese dicken, unhandlichen Dinger.. Ist das eine Serreta?

LG

_______________________

Hallo Katja,

danke für Deinen Kommentar. Bei dem Kappzaum handelt es sich nicht um eine Serreta, sondern um einen schlichten Lederkappzaum. Es ist das Modell “Viena” von El Caballo.

Tania

 

 

Einen Kommentar schreiben

 

Die folgenden Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.

Ich bin Autorin und habe zusammen mit Babette verschiedene Selbstlernmedien erstellt.

Was ich sonst noch mache, ist auf www.taniakonnerth.de nachzulesen.