Nur mal schnell noch…
Die meisten von uns haben eher zu viel als zu wenig zu tun, weshalb viele auch recht gestresst zum Pferd fahren und dort gestresst ankommen. Und selbst wer nicht unter akutem Zeitmangel leidet, dürfte schon öfter mal in die “Schnell mal eben noch…”-Falle getappt sein.
Ich glaube zumindest, dass viele Folgendes kennen dürfen: “Nur mal schnell noch einen Galopp…” oder “Schnell mal ein bisschen longieren” – und plötzlich geht alles schief. Das Angaloppieren wird zur Unmöglichkeit und aus dem “Longieren” wird ein chaotische Tauziehen und plötzlich braucht man nicht nur länger als eingeplant, sondern man erreicht auch nichts Positives.
Was hier passiert, hat wohl viel mit dem unterschiedlichen Zeitverständnis von Mensch und Tier zu tun. Wir Menschen sind darauf geeicht, unsere Tätigkeiten in bestimmten, meist sehr fest definierten Zeiträumen zu erledigen. Für Tiere hat Zeit, wie wir sie kennen und nutzen, keine Bedeutung. Ein Pferd kann nicht verstehen, warum es wichtig sein kann, dass der Galopp jetzt “schnell” klappt oder warum die Longeneinheit heute nur fünfzehn Minuten dauern darf und trotzdem alles drin sein muss. Und wenn ein Mensch mit seinem strikten Zeitplan auf ein Pferd trifft, dem die Uhr nichts sagt, übt der Mensch unbewusst sehr viel Druck aus. Und auf diesen Druck reagieren viele Pferde sehr sensibel.
Wenn ich mich bei dem Gedanken “Nur mal schnell noch…” erwische, gelingt es mir inzwischen immer öfter, ihn sofort zu beenden und nicht weiter über die angedachte Lektion oder Tätigkeit nachzudenken. Entweder habe ich Zeit, dann muss ich nichts “schnell” machen oder ich habe wenig Zeit und dann brauche ich mit vielem erst gar nicht beginnen, sondern denke mir etwas Druckfreies aus. Damit fahre ich deutlich besser.
27. August 2009 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse • 7 Kommentare »





