Tanias Hafi-Blog

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

So kurz?

Wer mich mit meinen Pferden arbeiten sieht, dem wird auffallen, dass meine Einheiten oft sehr kurz sind.

Früher waren meine Reiteinheiten durchaus eine Stunde lang und Longeneinheiten auch schon mal über 30 min. Ich hatte damals immer eine Uhr bei mir, damit ich auch “lange genug arbeite”, weil ich glaubte, dass das wichtig seit. Heute mache ich fast immer deutlich eher Schluss. Reiteinheiten in der Bahn überschreiten selten eine halbe Stunde, eher liegen sie bei 20 min. Beim Longieren höre ich spätestens nach 20 min. auf und bei der Freiarbeit kann es manchmal auch nach wenigen Minuten sei.

Ich habe mir nicht ausdrücklich vorgenommen, kürzer zu arbeiten, sondern das hat sich aus dem Miteinander mit meinen Pferden so ergeben. Es gibt zwei Gründe für mich mit der Arbeit aufzuhören bzw. etwas anderes zu machen:

  • Mein Pferd macht alles, was ich will - Wenn in einer Reit-, Longen- oder Bodenarbeitseinheit mein Pferd alles macht, was ich möchte, wenn es also brav allen Hilfen folgt und eifrig meine Wünsche erfüllt, gibt es für mich keinen Grund, mehr zu fordern. Im Gegenteil: dieses Engagement belohne ich nicht nur mit einem Keks und viel Lob, sondern auch damit, dass die Einheit dann eben ggf. auch sehr schnell beendet ist. Was kann ich mehr wünschen, als ein eifriges Pferd? Und diesen Eifer bewahre ich mir, indem ich eine solch tolle Leistung nicht ausnutze und immer noch mehr fordere, sondern einfach nur zufrieden bin und meinem Pferd das auch zeige!
  • Die Konzentration bzw. die Lust meines Pferdes lässt nach - In der Freiarbeit wird sehr schnell deutlich, wenn ein Pferd keine Lust mehr hat oder wenn es abgelenkt ist – in diesem Fall kann man nämlich als Mensch nicht mehr allzu viel machen. Diese Arbeit hat mich wie keine andere aufmerksam werden lassen, inwieweit meine Pferde noch bei der Sache sind. Auch die Ausbildung von Anthony hat mich in dieser Hinsicht geschult, denn seine Konzentrationsfähigkeit war natürlich zu Beginn nur sehr gering. Und so ist es inzwischen für mich ganz natürlich darauf zu achten, ob meine Pferde noch gut bei der Sache sind oder ob sie sich langsam verabschieden. Ich reagiere möglichst bevor das passiert.

Kurze Arbeitseinheiten haben sich für mich auf ganzer Linie bewährt. Ich habe bisher noch keinen Nachteil, sondern nur Vorteile davon gefunden. Nicht einmal was den Muskelaufbau angeht, scheinen die kurzen Einheiten zu schaden, denn ich werde immer wieder auf die gute Muskulatur meiner Pferde angesprochen. Das Fazit lautet für mich also ganz klar: Weniger ist mehr!

25. Februar 2010 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 11 Kommentare »

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11 Reaktionen zu “So kurz?”

 

Von Karin • 25. Februar 2010

Hallo Tania,
ich kann in allen Punkten zustimmen.Selbst für eine langwierige und schwierige Muskelaufbauarbeit waren die kleinen Einheiten OK. Bei einem Pferd, dass früher gegen jegliche Art von Arbeit eingestellt war hat es dazu geführt, dass, als wir kürzlich bei der Freiarbeit vom Regen überrascht wurden und ich abbrechen wollte und das Tor des Reitplatzes öffnete um hinauszugehen, mein Pony einfach weitergelaufen ist.Zirkel, Wendungen Trabverstärkungen, immer am offenen Tor vorbei. Ich habe nur noch gestaunt – und bin dabei klitschnass geworden – grins!

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Na, das ist doch mit das Schönste, was einem ein Pferd sagen kann – freiwillige Mehrarbeit! Super!!!

Tania

 

Von Lizzy • 25. Februar 2010

Hallo Tania,
das ist absolut richtig! Die Konzentrationspanne eines Pferdes ist einfach nicht so sehr lange und alles, was ich darüber hinaus fordere ist kontraproduktiv, weil frustrierend, schlimmsten Falls überfordernd, oder abstumpfend. Wenn man es sich einrichten kann sind aber 2 kurze Einheiten am Tag durchaus zu empfehlen. Das habe ich schon wenn Wetter, Zeit usw mitspielen ausprobiert und bin damit sehr gut gefahren. ZB morgens Arbeit an der Hand und abends reiten, das kam gut an bei meinen Pferden.
Auch Denkpausen während der Arbeit habe ich als sehr positiv erlebt. Das kann sein, wirklich mal die Zügel lang zu lassen und 2-3 bahnen nur so im Schritt zu gehen, ohne Anforderung, oder auch mal stehen bleiben, Kopf senken lassenund mal eine Minute nix machen und dann auch nciht schon an die nächsten Übungen denken!
Wenn ich beim reiten nur kurz die Zügel lang hingebe, habe ich mir angewöhnt, im Kopf mindestens “21,22″ zu zählen, weil ich mich immer wieder dabei ertappe, dass ich eben schon daran denke, was ich als nächstes angehen will und damit wird die Pause für mein Pferd, dass das sehr wohl merkt, keine richtige.
Viel Grüße, Lizzy.

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Danke für diesen tollen Beitrag!
Tania

 

Von Silvia • 25. Februar 2010

Hallo
Mich würde interessieren, ob zu deiner Arbeitseinheit auch die Schrittaufwärmung und das Abreiten zählt?
Wirkliche “Arbeit” sind bei uns auch nur 20-30 Minuten, aber dazu kommt noch vorher 10 Minuten Schritt und nachher nochmal das Gleiche.
Aber mehr als 30 Minuten intensives Arbeiten sind meiner Erfahrung nach auch kontraproduktiv. Da kann ich dir absolut zustimmen.

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Ich denke, es gibt da keine absoluten Regeln – aber bei uns ist die Schrittarbeit da schon drin, da ich in der Regel für das Aufwärmen bereits kleine Lektionen – eben aufwärmende – einsetze.
Tania

 

Von Corinna • 25. Februar 2010

Hallo,

ich denke auch so. Bei uns im Stall ist aber verbreitet, länger und härter = besser! Wenn das Pferd nicht überall am Körper durchgeschwitzt ist und den Kopf hängen lässt, dann ist nicht richtig gearbeitet worden.
Da ich ja gerade am Anfang vom LK bin und deshalb nicht lange arbeite, da ich selber ja auch erst mal mit allen klar kommen muss, werde ich mit ziemlich komischen Blicken versehen.
Ich merkte auch Kürzer ist oft besser bei Nanigo, er wirkt einfach nach der Arbeit glücklich und zufrieden und er freut sich bei nächsten mal wieder mich zu sehen.
Am Anfang hab ich nicht so gut darauf acht gegeben ob Nanigo noch kann und will und ich dachte eben auch es muss starr wirklich eine Stunde in der Bahn geblieben werden und mind. 30 Min. gearbeitet werden, was war das Resultat ich hatte ein Pferd, dass einen Gesichtsausdruck hatte als wäre Sieben-Tage-Regenwetter und er freute sich sichtlich nicht mich zu sehen. Zum Glück mach ich es jetzt auch anders und die Zusammenarbeit macht jetzt uns beiden viel viel mehr Spaß.

GLG
Corinna

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Super, so soll es sein!!!
Tania

 

Von Lizzy • 25. Februar 2010

… sorry, aber ichmuss noch mal meinen Senf dazu geben, weil mir das wirklich ein Greuel ist, wenn ich an solche Bilder denke, wie von Corinna beschriebn. Das ist ja nun leider keine Seltenheit.
Ich denke, man muss erst schon mal unterschieden zwischen Boxen- und Offenstall-Pferden. Pferde, die sich viel bewegen können, benötigen eine wesentlich geringere Aufwärmzeit, da die Gelenkschmiere schon ihren Dienst tut. Boxenpferde sollten ca 10 Min gehen, bevor sie arbeiten, um diese Gelenkschmiere zu “aktivieren”. ABER: Man sollte sich gut überlegen, ob es die Kooperation des Pferdes steigert, es erst méinmal durch die Halle latschen zu lassen und dann noch langweilig im Trab rumzuscheuchen, runde um Runde, oder ob ein kleiner Spaziergang ums Areal an der Hand (ja, auch Reiter können laufen ;) ) nicht viel motivierender ist, das Verhältnis von reiter und Pferd verbessert und das Pferd auch besser darauf vorbereitet, sich gleich schön zu konzentrieren und wach und offen mitzumachen….

Viele Grüße, Lizzy

 

Von OPaul • 27. Februar 2010

Hallo an euch, ich kann dem nur zustimmen, dass man doch auf das Ende der Konzentration achten sollte. Ich war heute bei dem schönen Wetter, auch den ganzen Tag mit unserem Fellfreund beschäftigt. Erst putzen (wußte gar nicht, dass er soooo viel Fell und schon jetzt verliert) dann spazieren gehen und danach ein wenig im Zirkel. Dort haben wir die 7 Spiele angepeilt. Putzen war für ihn schön und angenehm (er hat Teddywinterfell. Spatzieren war Arbeit, weil er an einer Koppel in der Nähe nicht gerne vorbei geht, da er Angst vor einem (!) Wallach dort hat. Zwischendurch immer loben und Pausen. Dann im Zirkel ca. 10 Minuten und schwupps der junge Mann deutet seinen Unwillen an. Ich habe dann auch sofort aufgehört. Er suchte laaaaange und aaaausgiebig sich die Grashälmchen unter dem letzten Schnee. Und das ´ne ganze Weile und lugte mich nur kurz an. Ich wartete bis er von alleine kam und er war wieder “handzahm”. Sicher habe ich ihm heute wohl doch etwas zu viel abverlangt, aber ich habe es, so denke ich, doch noch gemerkt. Beim nächsten Mal, also morgen (Juhu), ziehe ich nicht so durch. Muss eben auch noch an mir arbeiten.
vG-Kerstin-

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Schön, dass Du das so wahrgenommen hast!!!
Tania

 

Von Ulrike • 1. März 2010

Mein voriges Pferd war turniersauer als ich es erwarb.
Mit viel, viel Abwechslung am Boden und nur kurzen Einheiten ist sein Interesse an der Zusammenarbeit mit Menschen wieder erwacht und er war schließlich hochmotiviert für alles zu haben.
Diese Erfahrung half mir sehr bei der Ausbildung meines derzeitigen Pferdes. Da wurde auch manchmal geringschätzig gelächelt über meine vergleichsweise kurzen Einheiten. Aber dann wurde ich auch wieder gefragt, woher es kommt, daß mein Pferd immer mit offensichtlicher Bereitschaft und Freude bei der Arbeit ist – auch wenn es mal eine Stunde dauert und anstrengend ist (z.B. Reitstunde).
Es macht einfach allen Beteiligten mehr Spaß, wenn man aufeinander eingeht bei der Zusammenarbeit !

LG Ulrike

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Jep, das sehe ich ganz genauso!!! Schön :-D
Tania

 

Von Mirja • 1. März 2010

Hallo,
ich hebe einen vierjährigen und er wurde im Mai letzten jahres schonend von einer bereiterin eingeritten, drei bis vielmal die Woche 20-30 min. Ich arbeite mit meinem Pferd meistens auch nicht länger wie 30- 40 min., doch wenn er alles super macht auch mal nur 20min. Diese Meinung hat auch meine Bereiterin und Reitlehrerin, zwischendurch Gelände am lockeren Zügel und Sparziergänge :-) . Er ist noch so jung und ich mache auch nicht mehr als fünf mal die Woche mit ihm. Er ist ein Offenstallpferd mit großem Areal und sehr pferdegerecht gehalten. Das merkt man ihn auch an, denn auch wenn er mal ein paar Tage nichts macht ist er total Ausgeglichen. Wenn Boxenpferd dann nur bei mehrstündigen täglichen Weidegang mit Artgenossen, doch ich denke das Offenstallhaltung immer die erste Wahl sein sollte :-)

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Deine Einstellung gefällt mir sehr!
Tania

 

Von Claudia • 2. März 2010

Hallo Tania,

Du sprichts mir aus der Seele. Ich war früher auch so ein “mind 1 Stunden Reiter” zumal mein Pferd beim Vorbesitzer wo ich Reitbeteiligung war nur in der Box stand. Da will man etwas Gutes tun und dem Pferd soviel Bewegung wie möglich verschaffen. Und als Ergebnis hat man ein lustloses und verspanntes Pferd was sich natürlich negativ auf die Muskulatur auswirkt. Ich arbeite jetzt deutlich weniger und das Pferd geht seither viel williger mit in die Halle, Platz oder Gelände.

Liebe Grüsse Claudia

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Super, das freut mich für Euch beide!
Tania

 

Von Jenny • 2. März 2010

Hallo, alle zusammen..
Ich denke generell ist noch oft verbreitet eine Reit/Trainungseinheit geht min 1Stunde.
Und bei vielen sieht man auch wenn es gut geht machen wir gleich noch das und probieren jenes anstatt aufzuhören.
Meine Geländeritte dauern auch meißt länger,wobei diese eher gemühtlich zugehen.
Longe und sowas ist ca.30 min.
man merk ja wenn bei dem Pferdchen und bei einem selber die Konzentration nachlässt.
Und bei neuen “Kunststückchen” reichen wirklich wenige min. aus.

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Oh ja, dieses “es klappt gerade gut, also machen wir noch das” kenne ich auch. Inzwischen schaffe ich es, mich da zu bremsen.
Tania

 

Von Goldfasan • 23. Juni 2011

Hallo. Seit ich meinen Angel habe, ist das Gefühl beim Reiten ein ganz anderes geworden. Ich weiß nicht wie, aber er kann mir irgendwie mitteilen, wenn er nicht mehr kann. Dazu kommt, dass er Dressur echt langweilig findet. Also ist unser Deal, ich fordere meine Lektionen ab und sollte er die gut machen, ist er sehr schnell fertig (grins). Dazu kommt ja auch immer, wie bin ich an diesem Tag drauf und wie ist mein Pferd drauf? Ausritte machen wir schöne lange. Ich merke wieviel Spaß er daran hat.
Außerdem frage ich ich Ihn auch häufig was er machen möchte, Springen, Dressur, LK oder einen Ausritt. Ich bekomme fast immer eine Antwort. Manchmal kombiniere ich auch auch einen Ausritt mit Springen, indem ich am Springplatz vorbeireite und wenn er willig drauf geht, weiß ich er möchte es auch (grins)Also kurz gesagt, ich horche in mich und mein Pferd herrein und passe das Training an.
Mit dieser Arbeitsweise fahre ich sehr gut und habe ein Pferd das sich freut wenn ich komme, auch wenn ich mit Ihm arbeiten will.
Bis bald Karin

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Super, das klingt für mich ideal!
Tania

 

 

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Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.

Ich bin Autorin und habe zusammen mit Babette verschiedene Selbstlernmedien erstellt.

Was ich sonst noch mache, ist auf www.taniakonnerth.de nachzulesen.