Tanias Hafi-Blog

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Der Nach-dem-Urlaub-Zauber

Darüber, wie sinnvoll ich Pausen finde, hatte ich im letzten Jahr schon mal im Anschluss an meinem Urlaub geschrieben – hier nachzulesen. Nun war ich wieder für zwei Wochen weg und mir ist einmal mehr der ganz besondere Zauber bewusst geworden, den so ein Wiedereinstieg nach einer Abwesenheit mit sich bringen kann. Und dieses Thema ist mir glatt noch einen Nach-Urlaubs-Blogbeitrag wert.

Am Sonntag kam ich zurück und am Montag ritt ich beide Jungs. Es waren zwei kurze Einheiten ohne Sattel und ohne festes Programm. Im Wesentlichen wollte ich nur mal schauen, wie es ihnen so geht und eben zum Einstieg gar nicht viel machen. Bei beiden Pferden mit demselben Ergebnis: Sie liefen mit einem Minimum an Hilfen und Einwirkung wundervoll fein und locker, zeigten bereitwillig Seitengänge, Übergänge und Lektionen, so dass es die pure Freude war.

Mit Aramis habe ich das schon viele, viele Male erlebt und jetzt zeigt es sich auch bei Anthony. So eine Abwesenheit schenkt einem offenbar den nötigen Abstand zum eigenen Pferd, mit dem man regelrecht einen Neuanfang begehen kann – zumindest im Kleinen.

Ich habe mal darauf geachtet,was genau so anders ist – und tatsächlich bin (mal wieder) vor allem ich es selbst! Ich gebe meine Hilfen vollkommen anders als im normalen Alltag – viel vorsichtiger, viel sanfter, viel liebevoller. Nach einer längeren Pause ist es mir offenbar leichter möglich, meinen Pferden so gegenüberzutreten, wie ich fremden Pferden gegenübertrete:

  • mit einem achtsamen Respekt,
  • mit einer gesunden Portion Neugier,
  • mit dem Interesse, das Pferd (neu) kennen zu lernen
  • und ohne feste Vorannahmen oder bestehende Muster.

Und genau DAS macht wohl den Zauber aus, oder was meint Ihr?

Ist es nicht traurig, dass wir oft gerade den Wesen in unserem Leben, die uns am meisten bedeuten, oft am ungnädigsten, ungeduldigsten und härtesten gegenübertreten? Ich kenne das von mir selbst und auch von anderen und zwar nicht nur in Bezug auf Pferde, sondern auch Ehemänner, Kinder, Eltern… Denkt nur mal daran, was Ihr alles für Euren Partner getan habt, als Ihr frisch verliebt wart… – kein Wunder, dass so viele Ehen scheitern, wenn wir mal überlegen, wie wir uns nach einigen Jahren oft dem anderen gegenüber benehmen, oder? (Aber, ja, das ist ein anderes Thema..)

Auch wenn uns unsere Lieben (Menschen wie Tiere) gut genug kennen, dass sie manche Launenhaftigkeit oder Grobheit wegstecken, so sind sie es doch, denen gegenüber wir am feinfühligsten sein sollten. Es ist ein seltsamer und trauriger Widerspruch, dass oft in der Vertrautheit des Alltags die Achtsamkeit und der Respekt leicht verloren gehen können.

Die gute Nachricht aber ist, dass wir uns in Achtsamkeit üben können. Dass wir trainieren können, gerade die, die uns am meisten bedeuten, auch respektvoll zu behandeln.

Früher ging mir diese Nach-Urlaubs-Stimmung immer leider schnell wieder verloren und ich fragte mich, wie es mir wohl gelingen kann, das auch im Alltag zu erhalten. Inzwischen kann ich mir immer öfter solch kleine Zauber-Inseln schaffen.

Die Basis dafür ist

  • zum einen die Erkenntnis, dass es wirklich an mir liegt, an meinen Erwartungen, an meiner Ausstrahlung, an meinen (Nicht)Forderungen und meiner Einstellung,
  • zum anderen die Bereitschaft zur Selbstreflexion, also dass ich mein Tun stetig hinterfrage und überprüfe
  • und nicht zuletzt die Freude über die magischen Momente, in denen ich den Lohn spüren kann: Momente, in denen sich meine Pferde mir auf eine Weise öffnen, die ich früher nicht für möglich hielt.

Klar, das ist nicht immer leicht – vor allem in stressigen Zeiten ist man ja oft selbst mit sich eher wenig in Kontakt. Und wer mit sich selbst nicht in Kontakt ist, ist anderen gegenüber selten achtsam. Aber es lohnt sich!

Es lohnt sich, sich selbst aus den Automatismen zu lösen, mit denen wir unsere Pferde (und andere) harsch behandeln, weil wir eigentlich viel zu wenig Zeit und auch kaum noch Kraft haben. Es lohnt sich, das Funktionieren-müssen (als Selbstanspruch und als Anspruch an unsere Pferde) vor der Stalltür zu lassen. Es lohnt sich, zu unseren Pferden zu gehen und eigentlich nichts zu wollen.

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Seid gespannt, was dann alles passieren kann!

18. März 2010 von Tania • Kategorie: Umgang 6 Kommentare »

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6 Reaktionen zu “Der Nach-dem-Urlaub-Zauber”

 

Von Almut • 18. März 2010

Liebe Tania,
mal wieder ein Beitrag zum hinter-den-Spiegel-stecken.
Wie oft vergisst man das traurigerweise im Alltag…
Danke! Almut

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Freut mich sehr!
Tania

 

Von Corinna • 18. März 2010

Hallo Tania,

es stimmt.
Danke.

LG
Corinna

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Danke Dir für die Rückmeldung,
Tania

 

Von Tanja • 18. März 2010

Hi Tania… gerade wieder selbst erlebt – wenn auch nicht aus einer Pause heraus sondern aus einer Stress-Situation..

Wieder in Kontakt zu kommen ist etwas sehr schönes – und gleichzeitig so beschämend, da unsere Pferde es anscheinend an fast allen Tagen schaffen uns so voruneingenommen zu begegnen wie wir es auch tun sollten…

LG

Tanja

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Da hast Du so recht… – sie sind halt die größeren Seelen.

Drück Dich,
Tania

 

Von Lisa • 23. März 2010

Liebe Tania,

dein Beitrag ist super. Den werd ich mir gleich ausdrucken und jedes Mal durchlesen, wenn ich schlecht gelaunt zum Pferd fahren möchte!

Danke. LG

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Dankeschön, freut mich sehr!
Tania

 

Von Gela • 24. März 2010

Liebe Tania,

nach einer Woche Pferdepause – kam ich auch in den Genuss des Zaubers. Einfach nur schön! Von einem vor tatendrang strotzendem Pferd, freudig begrüßt zu werden. Haben einen tollen zwanglosen Nachmittag mit viel Spiel und Spaß verbracht.

LG, Gela

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Wie schöööön!!!
Tania

 

Von Jenny • 24. März 2010

Ich höre gern wenn meine Pferde Heu fressen. Viele nehmen sich die Zeit nicht sich einfach in den Stall zu setzten und zu lauschen und zu schauen.
Mein Vater (der oft auch hart mit den Pferden war) hat mir dies aber gezeigt.
Er stand abends oft im Stall hörte und beobachtete seine Pferde es war für ihn Entspannung.
Durch diese Art Beschäftigung haben wir einen guten Blick für Pferde bekommen.
Wir sehen oft schon dinge an Pferden die andere noch lang nicht bemerken.
Ich sage dann immer die Leuet haben kein Auge für die Pferde.

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Jep, sich für solche Beobachtungen Zeit zu nehmen, ist nicht nur schön, sondern auch wichtig.
Tania

 

 

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Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.