Tanias Hafi-Blog : Monatsarchiv für April 2012

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Das Problem ist der Mensch?!

Ich bin immer sehr dankbar über Blog-Kommentare, die mich zum Nachdenken bringen. Auf meinen Beitrag über pferdegerechte Erziehung neulich kam der Denkanstoß, dass es nicht gut sei, zu behaupten, dass der Mensch das Problem sei, da das Schuldgefühle auslösen könne. Ich habe darüber viel nachgedacht. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich inzwischen soweit gehen würde zu sagen, dass nur dann, wenn wir uns wirklich bewusst darüber sind, dass WIR das Problem in jeder Mensch-Pferd-Beziehung sind, wir überhaupt erst unsere Schuldgefühle überwinden und zu Lösungen finden können. Und das will ich gerne genauer ausführen:

Über viele Jahre habe ich den Fehler bei den Pferden gesucht, weil es mir so beigebracht wurde. Da waren die Pferde in meiner Vorstellung zu stur oder zu frech, zu wild oder zu unerzogen, sie waren ausgebufft, testeten mich oder forderten mich heraus. Es kam immer wieder zu z.T. hässlichen Auseinandersetzungen, die mir zwar leid taten, die aber aus meiner damaligen Sicht “vom Pferd gesucht” waren, schließlich hatte es mich provoziert. Und so dachte ich oft so etwas wie:

  • “Ich habe doch keine Wahl, Erziehung muss schließlich sein.”
  • “Man darf sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen.”
  • “Wenn ich das durchgehen lasse, nutzt der das aus.
  • “Warum macht der Gaul auch immer nur solch einen Mist, der weiß es doch besser!”
  • usw.

Vielleicht kommen Euch solche Gedanken bekannt vor.

In dieser Zeit hatte ich massive Schuldgefühle. Mir taten meine Ausbrüche, die Auseinandersetzungen und meine “Erziehungsmaßnahmen” regelmäßig nicht nur leid, sondern ich schämte mich oft sehr. In manch stillen Stunden dachte ich sogar daran, die Reiterei aufzugeben, so schlecht fühlte ich mich.

Und nun kommt der Clou: Meine Schuldgefühle konnte ich erst dadurch überwinden, dass ich mir klar machte, dass tatsächlich ICH das Problem bin und eben nicht mein Pferd. Das klingt paradox, ist aber eigentlich ganz logisch: Mit der Akzeptanz, dass die Auseinandersetzungen nicht die Schuld meines Pferdes sind, sondern aus meinem eigenen Unvermögen entstehen, dass also ich immer wieder Situationen erschaffe, die unschön enden, begann ich zu ahnen, dass ich MICH zu ändern versuchen könnte und damit vielleicht auch die Situationen verändern könnte.

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17. April 2012 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 31 Kommentare »

Erziehung bitte pferdegerecht

Heute gibt es mal wieder einige Gedanken dazu, wie wir – oft unwissentlich – unsere Pferde nerven. Geschrieben hatte ich dazu bereits über die Themen Stimme, Streicheln, Klarheit und darüber, nie zufrieden zu sein. Heute geht es um pferdegerechte Erziehungsmaßnahmen.

In all den Jahren, in denen ich nun mit Pferden zu tun habe (und das sind inzwischen einige :-) ), habe ich verschiedenste Ansätze im Umgang mit Pferden kennen gelernt. Zu Beginn probierte ich vieles sofort selbst aus, immer auf der Suche nach DER Methode und DEM Weg. Nicht nur, dass ich mit diesen Wechseln mein Pferd genervt habe (nach dem Motto “Heute ist wieder alles ganz anders.”), sondern ich habe auch viel Unfug bei diesen Ausprobierereien mit meinen Pferden gemacht. Ich habe Leuten geglaubt, die mir erzählten, ich müsse mein Pferd unterwerfen und ich habe Leuten geglaubt, die mir sagten, mein Pferd würde mich nicht ernst nehmen. Ich habe versucht, “wie ein Pferd” zu sein, ich habe versucht, “ranghoch” zu werden und vieles mehr. Und mit all dem habe ich meine Pferde ganz schön genervt.

Nie werde ich die Teilnahme an einem Kurs vergessen, in dem man mir sagte, mein Aramis wäre zu frech und ich müsse dominanter sein. In diesem Kurs hat mein grottenbraves Pferd zum ersten Mal gebissen – nicht zu Beginn, sondern NACH Anwendung der “tollen” Erziehungsmethoden. Das war seine klare Antwort auf den Unsinn, den ich da gemacht habe.

Heute sehe ich sehr deutlich, dass ich früher viel zu wenig geprüft habe, ob all die Tipps und Ansätze, auf die ich gehört habe, wirklich pferdegerecht waren. Ob sie tatsächlich dem Wesen Pferd entsprechen und deshalb vom Pferd nachvollziehbar und verständlich sind. Ob die Methoden, die ich wählte, mich MIT dem Pferd arbeiten ließen und nicht dagegen. Ob ich mit dem, was ich tat, meine Pferde nicht nur erreichen, sondern auch im besten Sinne fördern konnte.

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3. April 2012 von Tania • Kategorie: Umgang 15 Kommentare »


Foto von Horst Streitferdt, Kosmos-Verlag

Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.

Ich bin Autorin und habe zusammen mit Babette verschiedene Selbstlernmedien erstellt.

Was ich sonst noch mache, ist auf www.taniakonnerth.de nachzulesen.