Tanias Hafi-Blog : Kategorie ‘Erkenntnisse‘

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Immer schön gleichmäßig?

Eine Grundregel, die mir von Beginn an beim Reiten und der Pferdeausbildung eingeschärft wurde, lautet: Immer beide Seiten gleich arbeiten! Wie bei vielen Regeln, macht es Sinn auch diese einmal ein bisschen zu hinterfragen.

Wenn ich davon ausgehen könnte, dass mein Pferd auf beiden Seiten “gleich” ist, also entweder gleich gut oder schlecht bemuskelt, gleich gut oder schlecht geschmeidig und gleich gut oder schlecht zu den einzelnen Lektionen fähig, würde es Sinn machen, beide Seiten immer gleich zu trainieren. Da wir es aber bei Pferden immer mit einer natürlichen Händigkeit (wie bei uns Menschen auch) und Schiefe zu tun haben, sind eben beide Seiten nie gleich. Genau da setzen wir ja mit unserer Gymnastizierung an, wir wollen diese natürlichen Unterschiede möglichst ausgleichen, damit unser Pferd seine Muskeln und Gelenke gleichmäßig belastet. Wenn ich es aber mit ungleichen Seiten zu tun habe, liegt doch nahe, dass ich die Seiten auch verschieden trainieren muss, wie sonst könnte ich den Unterschied ausgleichen?

Hinzu kommt die Tatsache, dass es für ein Pferd auf seiner “schlechten” Seite fast immer viel anstrengender ist, Lektionen auszuführen. Würde ich da dieselben Erwartungen wie auf der guten Seite haben, würde ich mein Pferd schnell überfordern und ggf. auch einen kräftigen Muskelkater riskieren, der ihm die nächsten Reit- oder Arbeitseinheit sicher verleiden wird.

Damit aber trainiere ich beide Seiten ungleich. Widerspricht das also der Grundregel? Nur dann, wenn man die Grundregel so auslegt, dass man wirklich exakt dasselbe auf jeder Seite machen muss. Viel sinnvoller ist aus meiner Sicht, die Forderung, beide Seiten gleich zu arbeiten, so zu deuten, dass man die Seiten “seitengerecht” fördert, also genau schaut, welche Probleme ein Pferd jeweils auf der Seite hat und das Training darauf abstimmt, diese Probleme zu lösen.

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15. Mai 2012 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 3 Kommentare »

Ich lerne täglich dazu

Mich verwundert es immer ein bisschen, wenn ich Pferdemenschen nach einer Weile wiedersehe und ich den Eindruck gewinne, dass sie alles noch genauso machen wie zu dem Zeitpunkt, als ich sie das letzte Mal gesehen habe. Die gleichen Handgriffe, die gleichen Lektionen, die gleichen Abläufe, die gleiche Ansprache, der gleiche Umgang.

Ich komme dann regelmäßig ins Grübeln, denn wenn ich mich mit mir selbst vor zwei oder drei Jahren oder selbst noch im letzten Jahr vergleiche, würde ich große Unterschiede benennen können. Und wenn ich noch weiter zurückschaue, dann muss ich sagen, dass ich in den letzten 4 oder 5 Jahren mehr über und von Pferden gelernt habe als in den 15 Jahren zuvor und dementsprechend habe ich sehr viel geändert in meinem Umgang und Miteinander mit Pferden.

Für mich ist es tatsächlich so, dass ich nahezu täglich dazulerne. Immer wieder gibt es Punkte, an denen ich innehalte und überlege, ob mein Verhalten nützlich ist oder ob es nicht vielleicht auch anders gehen würde. Jeden Tag neu kann ich Signale von meinen Pferden bekommen, die ich deuten muss und die mich zum Umdenken auffordern.

Klar, dieses ständige Hinterfragen ist manchmal anstrengend und an manchen Tagen gelingt es mir auch nicht sonderlich gut, so dass ich dann an alten Mustern festhalte oder falsche Wege einschlage. Aber durch meine grundsätzliche Bereitschaft zum Reflektieren gewinne ich sehr viele Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich “angekommen” bin oder dass ich inzwischen genug weiß. Auch nach über 32 Jahren, die ich nun schon mit Pferden verbringe, stelle ich immer wieder fest, wie viel ich noch lernen muss und an wie vielen Punkten ich immer noch weiter und weiter an mir arbeiten muss.

Aber macht genau das nicht das Zusammensein mit Pferden auch so unendlich spannend? Dass wir die Chance haben, immer wieder neue Erkenntnisse zu gewinnen und immer wieder neu von ihnen zu lernen.

Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass ich je “fertig sein” werde, was meine Entwicklung mit den Pferden angeht. Denn mit jedem neuen Pferd und auch mit jedem neuen Tag mit meinen eigenen Pferden kann ich etwas lernen. Ich möchte mich weiterhin verändern, möchte mich weiterentwickeln, möchte mit meinen Pferden wachsen. Und so bin ich gespannt, wo ich z.B. im nächsten Jahr stehen werde und wie ich das, was ich heute tue, dann bewerten werde. Und wie es in 5 Jahren aussehen wird oder in 10 oder in 20…

1. Mai 2012 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 10 Kommentare »

Das Problem ist der Mensch?!

Ich bin immer sehr dankbar über Blog-Kommentare, die mich zum Nachdenken bringen. Auf meinen Beitrag über pferdegerechte Erziehung neulich kam der Denkanstoß, dass es nicht gut sei, zu behaupten, dass der Mensch das Problem sei, da das Schuldgefühle auslösen könne. Ich habe darüber viel nachgedacht. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich inzwischen soweit gehen würde zu sagen, dass nur dann, wenn wir uns wirklich bewusst darüber sind, dass WIR das Problem in jeder Mensch-Pferd-Beziehung sind, wir überhaupt erst unsere Schuldgefühle überwinden und zu Lösungen finden können. Und das will ich gerne genauer ausführen:

Über viele Jahre habe ich den Fehler bei den Pferden gesucht, weil es mir so beigebracht wurde. Da waren die Pferde in meiner Vorstellung zu stur oder zu frech, zu wild oder zu unerzogen, sie waren ausgebufft, testeten mich oder forderten mich heraus. Es kam immer wieder zu z.T. hässlichen Auseinandersetzungen, die mir zwar leid taten, die aber aus meiner damaligen Sicht “vom Pferd gesucht” waren, schließlich hatte es mich provoziert. Und so dachte ich oft so etwas wie:

  • “Ich habe doch keine Wahl, Erziehung muss schließlich sein.”
  • “Man darf sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen.”
  • “Wenn ich das durchgehen lasse, nutzt der das aus.
  • “Warum macht der Gaul auch immer nur solch einen Mist, der weiß es doch besser!”
  • usw.

Vielleicht kommen Euch solche Gedanken bekannt vor.

In dieser Zeit hatte ich massive Schuldgefühle. Mir taten meine Ausbrüche, die Auseinandersetzungen und meine “Erziehungsmaßnahmen” regelmäßig nicht nur leid, sondern ich schämte mich oft sehr. In manch stillen Stunden dachte ich sogar daran, die Reiterei aufzugeben, so schlecht fühlte ich mich.

Und nun kommt der Clou: Meine Schuldgefühle konnte ich erst dadurch überwinden, dass ich mir klar machte, dass tatsächlich ICH das Problem bin und eben nicht mein Pferd. Das klingt paradox, ist aber eigentlich ganz logisch: Mit der Akzeptanz, dass die Auseinandersetzungen nicht die Schuld meines Pferdes sind, sondern aus meinem eigenen Unvermögen entstehen, dass also ich immer wieder Situationen erschaffe, die unschön enden, begann ich zu ahnen, dass ich MICH zu ändern versuchen könnte und damit vielleicht auch die Situationen verändern könnte.

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17. April 2012 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 30 Kommentare »

Drei Lernaufgaben

Dominique Barbier schreibt in seinem Buch “Die wahre Natur des Pferdes“:

“Pferde lehren uns, wie man ohne Aggression um etwas bittet,
wie man bedingungslos liebt
und wie man die zerstörerische Seite der Perfektion meidet.”

Ich muss sagen, mich haben diese Worte tief getroffen. Oder besser gesagt: Sie haben mich betroffen gemacht, denn ich fühle mich getroffen.

Hier sind genau meine Lernaufgaben auf den Punkt gebracht:

  • Ohne Aggression bitten zu lernen,
  • bedingungslos zu lieben
  • und die zerstörerische Seite der Perfektion zu meiden.

Punkt 1 habe ich leider prägend anders gelernt, denn mir wurde beigebracht, nicht zu bitten, sondern zu fordern, ja, sogar durchzusetzen – und zwar notfalls um jeden Preis. Ich arbeite intensiv daran, die Idee von der Bitte immer und immer wieder neu zu leben und nicht einfach zu fordern, nicht einfach durchzusetzen, nicht einfach zu erzwingen und ich bin besser geworden darin, über die letzten Jahre. Wenn ich wieder dazu neige, etwas mit zu viel Härte zu fordern, merke ich es inzwischen im Prozess und kann es unterbrechen. Ich hoffe, es gelingt mir, die Härte irgendwann ganz abzulegen.

Punkt 2 – die bedingungslose Liebe. Was für ein großes Thema! Sie gelingt mir dann, wenn ich nichts von meinen Pferden will. Wenn ich sie auf der Weide sehe und mir das Herz überfließt. Wenn ich mich immer wieder neu in ihre blonden Mähnen verliebe. Wenn ich in ihre weisen Augen schaue. Wenn ich meine Nase in ihr Fell tauche und ihren Duft einatme. Wenn mich mein Pferd durch den Wald trägt und wir im gemeinsamen Takt atmen und das Leben genießen. Dann liebe ich ohne Wenn und Aber. Punktuell verliere ich diese Liebe aber noch- und zwar immer dann, wenn ich etwas zu sehr will. Eine Lektion, ein Verhalten, ein Unterlassen. Dann bin ich nicht mehr in der Annahme, nicht mehr in der Güte oder Liebe, dann bin ich im Kampf. Es wird weniger, aber auch hierfür muss ich etwas tun.

Und der dritte Punkt – mein so vertrautes Laster: der Perfektionsdrang. Ein Thema, das ich nicht nur mit meinen Pferden immer wieder neu angehen muss, sondern auch mir selbst gegenüber. Denn, ja, die Sucht nach Perfektion kann zerstörerisch sein. Sie frisst alles an Respekt, Achtung und Liebe. Sie sieht nur das noch (unerreichbare) Ziel und verfolgt es gnadenlos. Ich will sie weiter meiden lernen, diese zerstörerische Seite der Perfektion. Wenn mir das gelingt, kann ich die erfüllende Seite der Perfektion sehen und fühlen: die Perfektion, die in dem liegt, was ist. In meinen wundervollen Pferden und dem Glück, meine Zeit mit ihnen verbringen zu dürfen.

15. September 2011 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 7 Kommentare »

Noch einige Gedanken zum Thema “Fehler machen”

In der letzten Woche ging es hier um die Frage, ob Pferde Fehler machen dürfen. Und beim weiteren Nachdenken über dieses Thema wurde mir bewusst, was mein größter Kritikpunkt an Reiterprüfungen und Turnieren ist. Darüber gab es nämlich gerade neulich eine Diskussion in unserem Forum und ich konnte noch nicht so recht auf den Punkt bringen, was mir ganz konkret an Turnieren und Prüfungen solch ein Bauchweh bereitet.

Jetzt wird es mir klarer: Es ist der Anspruch, dass Pferde punktgenau zu funktionieren haben.

Wenn meine Prüfungsaufgabe vorsieht, dass mein Pferd an Punkt X angaloppiert, dann HAT es an diesem Punkt anzugaloppieren. Jedes frühere Angaloppieren oder jedes Zögern ist ein “Fehler” und wird abgestraft. Einmal durch die Punktrichter, aber eben auch vom Reiter seinen Pferd gegenüber. Das Ziel ist schließlich “korrektes” Reiten, nicht wahr? Nur wer sein Pferd “korrekt” reitet, macht es richtig – so die Theorie. Und in einem Springparcours gibt es nur eine richtige Reihenfolge der Sprünge und jeder muss sie so reiten, ob das nun sinnvoll für das Pferd ist oder nicht. Wenn ein Pferd dann all seinen Mut zusammennimmt und tatsächlich über den großen Sprung setzt, es aber die Stange streift, weil er einfach sehr hoch ist, dann gibt es kein Lob, sondern einen Fehlerpunkt.

Für mich ist ein System, dass solche angeblichen “Fehler”  abstraft, ein System, das lern- und entwicklungsfeindlich ist. Denn zum Lernen und zur Entwicklung gehören Fehler dazu. Wenn ein Pferd mal nicht an X angaloppiert, sondern 20 Meter später, dafür dann aber wundervoll leicht und gesetzt in einen Bergaufgalopp springt, ist das für mich viel mehr wert! Und wenn ein Reiter erkennt, dass ein Pferd am Sprung verweigert, weil es ungut herankommt oder weil der Sprung zu hoch ist und dann einfach eine Runde galoppiert und es über einen niedrigeren Sprung springen lässt, dann gäbe das für mich einen Extra-Punkt für Pferdeverstand anstatt den Reiter zu disqualifizieren.

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8. September 2011 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 16 Kommentare »

Klugscheißer?

Ich habe eine wundervolle Postkarte an meiner Pinnwand hängen, auf der steht:

“Ich bin kein Klugscheißer, ich weiß es wirklich besser.”

Und ich liebe diese Karte, denn wann immer mein Blick darauf fällt, muss ich lachen. Sie erinnert mich liebevoll an eine meiner Schwächen: nämlich dass ich automatisch davon ausgehe, vieles besser zu wissen als andere. Keine Ahnung, wieso, aber irgendwie ist das eingebaut bei mir. Ein internes Programm, das mich annehmen lässt, dass ich grundsätzlich erstmal Recht habe (zumindest so lange, bis mir das Gegenteil bewiesen wird ;-) ).

Ich teile diese doch sehr persönlichen Zeilen mit Euch, weil ich glaube, dass ich damit nicht ganz allein bin. Mindestens wenn es um das Thema Pferde geht, kenne ich jedenfalls viele, viele andere Leute, die offenbar genau ein solches “Ich weiß es besser”-Programm zu laufen haben und damit fröhlich in die Welt gehen, um andere zu belehren oder sich gegen hilfreiche Hinweise von außen zu wehren.

Genauso lange, wie mir dieses innere Programm nun bewusst ist, arbeite ich auch daran. Bewusst gemacht haben es mir tatsächlich vor allem meine Pferde, bzw. mein immer achtsamer werdender Umgang mit ihnen. Denn ich habe inzwischen unzählige Male an dem Punkt gestanden, an dem ich mich innerlich oder auch real bei anderen (und auch meinen Pferden) entschuldigen musste, deren Einschätzung, deren Rat oder deren Anregungen ich einfach in den Wind geschossen habe, denn – ja, Ihr wisst es – ich wusste es ja besser…

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7. Juli 2011 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 6 Kommentare »

Mal wieder in den Spiegel geschaut…

Neulich hatte ich mit Anthony mal wieder so eine Phase… Ich hätte ihm eigentlich gerne etwas Neues beigebracht, aber Anthony reagierte wie Anthony und sagte: “Nö, verstehe ich nicht und find’ ich eh doof.”

Als ich dann Babette davon erzählte sagte ich: “Ich wünschte, er wäre ein bisschen offener für Neues, eben neugierig und gespannt darauf, was ich vorhabe.” Und schon während ich das sagte, dämmerte mir mal wieder eine gute Portion Selbsterkenntnis.

“Tania,” dachte ich so bei mir “könnte es sein, dass Anthony dir da ziemlich ähnlich ist?”

Tja, und mit diesem Gedanken fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich bin genauso! Wenn mir jemand etwas vorschlägt, mir zeigen oder beibringen will, verschränke ich die Arme (real wie symbolisch) und bin erst einmal nur eines: skeptisch. Nun kann Anthony nicht seine Arme verschränken, aber er zeigt mehr als deutlich, dass er eben auch genau das ist: skeptisch. Manchmal habe ich den Eindruck, ich könnte jeden Satz, den ich mit “Mein Pferd…” beginne, eigentlich in “Ich…” umformulieren :-D

Und die Moral von der Geschicht’? Ich arbeite jetzt erstmal wieder ein bisschen an mir selbst, bevor ich von meinem Pferd erwarte, dass er sich begeistert auf Neues einlässt ;-)

3. Februar 2011 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 4 Kommentare »

Mist gebaut!?

Wenn ich zurückschaue, habe ich leider auch viel Mist gebaut, was den Umgang mit Pferden angeht. Manches unter Anleitung, vieles ging auf meine eigene Kappe.

Ich arbeite seit einigen Jahren sehr intensiv daran, automatische Reaktionen zu reduzieren, um nicht unfair zu meinen Pferden zu werden. Aber manchmal passiert es mir noch. Und das nehme ich mir übel. Ich schimpfe dann mit mir, schäme mich und frage mich, wie ich mich hinstellen und so eine Webseite machen kann, auf der ich den Leuten was von Pferden erzähle, wo ich doch vor allem erstmal mir selbst etwas erzählen sollte…

Nun habe ich einen schlauen Mann und der wäscht mir manchmal auf eine gute Art den Kopf. Als ich neulich unfair zu den Jungs war und mich dafür wieder den ganzen Tag fertig gemacht habe, sagte er das:

“Viele Menschen glauben, dass wenn sie sich selbst für eine Sache nur hart genug bestrafen, dann stellen sie damit sicher, dass sie es nicht wieder tun. Ich glaube, das ist ein Irrtum. Wenn man sich einen Fehler selbst verzeihen kann und sich dann liebevoll vornimmt, es das nächste Mal besser zu machen, wird es einem viel leichter fallen, die Sache zu vermeiden.”

Damit könnte er recht haben, meint Ihr nicht?

4. November 2010 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 13 Kommentare »

Vom Nein ins Ja

Nach meinen Artikeln zum Thema Ja (hier und hier) wurde ich gefragt, wie man konkret ein Nein eines Pferdes in ein Ja umwandeln kann. Es gibt aus meiner Sicht leider keine Technik oder Methode, die das sicherstellt, da können wir immer nur individuell in der jeweiligen Situation uns etwas einfallen lassen. Hier aber mal zur Inspiration eine kleine Begebenheit von Anthony und mir, die da ganz gut passt:

Es war mal wieder einer der Tage, an denen Anthony so aussah, als wäre dieser Tag einer der blödesten seines Lebens. Man sieht seine Stimmung nicht nur seinem Blick an, sondern vor allem auch seinem Maul. Die Maulspalte ist dann ganz verkniffen und die Haut um die Nüstern herum richtig gekräuselt. Und wenn er so aussieht, ist seine Laune nicht die beste ;-)

Manchmal lasse ich ihn dann einfach in Ruhe – warum soll ich riskieren, dass er mich auch noch doof findet? An anderen Tagen überlege ich mir aber auch mal gerne, wie ich ihn vielleicht “knacken” kann – sprich: wie ich seine Laune verbessern kann. An diesem Tag entschied ich mich dazu, ein bisschen mit ihm spazieren zu gehen.

Anthony lief maulig neben mir her. Ich ging nicht drauf ein und lachte einfach freundlich. Hin und wieder fragte ich seine Lieblingsübung, den spanischen Schritt ab. Und siehe da, nach einigen Minuten waren die Falten ums Maul herum schon weniger und die Augen wurden runder. Wir waren nicht einmal eine halbe Stunde unterwegs – an Schlechte-Laune-Tagen halte ich die Einheiten bewusst kurz. Als ich ihn zurück zum Paddock brachte, blieb er am Tor stehen und machte sich groß. Sein Blick war offen und rund – keck sah er aus. :-D Als ich dann später mit Aramis zurückkam, kam er gleich zu uns – fröhlich und freundlich. Ein schöner Erfolg: An diesem Tag habe ich ihn aus seinem Nein in ein Ja holen können.

Klar kann man über ein Nein seines Pferdes hinweggehen, aber ich bin überzeugt: viele solcher in ein Ja umgewandelten Neins führen zu einer immer besseren Beziehung miteinander.

28. Oktober 2010 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 1 Kommentar »

Ein Kompliment tut jedem gut

Vor kurzem schrieb ist darüber, wie gut es tun kann, mal den eigenen Blick darauf zu richten, was andere im Umgang mit ihren Pferden gut machen. Heute gibt es dazu die Fortsetzung: nämlich einen Tipp für Fortgeschrittene :-)

Wenn Ihr gerade dabei seid, an anderen Pferdeleuten etwas Positives zu sehen, dann sprecht es auch einfach mal aus! Sagt jemanden, dass sein Sitz toll ist oder dass Ihr die Ruhe bewundert, mit der die Person das Pferd führt, das sich gerade aufregt. Sagt, wenn Ihr das Pferd besonders hübsch findet oder Euch auffällt, wie freudig es immer zum Zaun kommt, wenn die Besitzerin auftaucht.

Komplimente verunsichern leider immer ein bisschen und das auf beiden Seiten. Man will nicht als “Schleimer” dastehen und wenn man ein Kompliment bekommt, neigt man schnell dazu, es einfach vom Tisch zu wischen.

Zu schade!

Ehrliches Lob und Komplimente sind eine tolle Sache – denn sie tun gut! Sie zaubern ein Lächeln auf unsere Lippen und machen gute Laune. Deshalb ist es schön, wenn man etwas Positives nicht nur denkt, sondern auch ausspricht – ja, auch ruhig mal einer fremden Person gegenüber. Das kostet vielleicht ein bisschen Mut und auch wenn die Person es vielleicht nicht zeigen kann – ein ernst gemeintes Kompliment macht ein fröhliches, warmes Gefühl im Bauch. Und davon profitiert dann immer auch das Pferd :-)

7. Oktober 2010 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 6 Kommentare »

Wieder mal eine Frage des Fokus

Ich glaube, ich habe es schon mal zugegeben: ich neige zur Fehlerguckerei. Bei mir, aber auch bei anderen. Und seltsamerweise neige ich vor allem in der Reiterwelt zum Fehlergucken. Immer wieder fällt mir bei anderen auf, was ich für doof, falsch oder schlecht halte.

Nun arbeite ich seit einiger Zeit ziemlich hart daran, meinen Fokus in dieser Hinsicht zu verändern. Ich habe nämlich festgestellt, dass mit meiner Fehlerguckerei etwas Ungutes in Gang gesetzt wird: Durch meine negative Wertung von anderen fühle ich mich selbst kein bisschen besser – im Gegenteil, je mehr Negatives ich bei anderen wahrnehme, desto unzufriedener und mäkliger bin ich auch mit mir selbst (es mag sein, dass die Wirkungsweise auch anders herum ist, ich also je härter ich zu mir selbst bin, desto mehr ich auf die Fehler anderer schaue – aber das ist letztlich egal, denn entscheidend ist, es zu durchbrechen). Und das hat natürlich wieder Auswirkung auf meine Pferde, die diese “negative Energie” spüren.

Inzwischen gelingt es mir immer öfter, bei anderen wahrzunehmen, was gut ist. Wie toll viele Leute mit ihren Pferden umgehen, wie viel Liebe da oft ist und dass es Leute gibt, die vieles auch besser können als ich selbst. Und wisst Ihr was? Ich fühle mich so viel besser damit.

Ist es nicht seltsam, dass wir andere oft versuchen klein zu machen, um uns besser zu fühlen (unbewusst natürlich, das macht kaum jemand vorsätzlich), dass aber die Wirkung eine ganz andere ist? Dass man sich nämlich selbst dann noch kleiner und mickriger fühlt?

Probiert mal aus, ganz gezielt Positives an anderen Pferdeleuten wahrzunehmen – und seien es noch so kleine Momente. Spürt mal nach, wie es Euch damit geht und was Ihr mit diesem Fokus in die Welt gebt. Für mich hat sich durch diesen bewussten Wechsel meiner Sicht schon jetzt enorm viel zum Guten geändert – für mich, für andere und vor allem für meine Pferde.

2. September 2010 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 7 Kommentare »

Das Ja als Basis

Letzte Woche schrieb ich darüber, dass ich im Zusammensein und vor allem in der Zusammenarbeit mit meinen Pferden ihr Ja möchte und das Thema möchte ich heute gerne noch einmal aufgreifen. Denn je mehr ich über dieses Thema nachdenke, desto bewusster wird mir, welch großen Stellenwert das Ja meiner Pferde inzwischen für mich hat. Tatsächlich ist das Ja meiner Pferde heute für mich die Basis unserer Zusammenarbeit.

Anthonys Ja zu mir und unserer Arbeit ermöglichte mir in diesem Sommer z.B. unsere ersten Stoppelfeldausflüge (dazu bitte auch hier lesen) – erst im Schritt, dann auch im Trab und als Krönung mit einem wundervoll ruhigen, gesetzten Galopp, bei dem er jeden Moment ganz bei mir war und zuhörte.

Ohne sein Ja zu spüren, hätte ich das so nicht gewagt.

Und das Ja von Aramis ermöglichte uns beiden das Reiten ohne Kopfstück auf dem Stoppelfeld (dazu schrieb ich hier schon mal was).

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26. August 2010 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 8 Kommentare »

Zu schade … oder vielleicht auch nicht?

Ich erlebe immer wieder Momente mit meinen Pferden, bei denen ich es doch ein bisschen schade finde, dass ich sie mit niemanden außer ihnen teilen kann.

Wenn ich z.B. mit Aramis durch die Wälder streife und wir vollkommen auf einander eingespielt sind und ich ihm zu 100% vertraue, dann denke ich manchmal: Oh, wenn das doch nur jemand sehen oder auch so empfinden könnte… Oder wenn ich die nächste Vertrauensstufe mit Anthony erklimme, denke ich: Ach, wenn doch jemand dabei wäre! Oder wenn mal wieder eine Lektion mit einem von ihnen in wunderbar leichter Perfektion klappt. Oder …, oder…

Der zweite Gedanke ist dann allerdings immer der, dass ich das genauso wahrscheinlich nicht erleben würden, wenn denn tatsächlich jemand dabei wäre! Wie heißt es so schön: der Beobachter verändert das Experiment. Und ich weiß ja, wie anders alles oft ist, wenn jemand Fotos macht oder einfach nur zusieht.

Ja, vielleicht sind die schönsten Momente mit unseren Pferden einfach wirklich nur für uns selbst bestimmt. Und so ist es, wenn man genau darüber nachdenkt, eigentlich gerade schön, dass man sie mit niemand anderen teilen kann, als mit dem Pferd selbst :-)

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Oder, was denkt Ihr?

29. April 2010 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 7 Kommentare »

Falsche Frage, nächste Frage

In der Pferdewelt hört man immer wieder folgende Frage: “Warum macht das Pferd (oder meist vielmehr “der Bock” oder “die Ziege”) das nicht?” Auch ich selbst habe mir diese Frage an die 30 Jahre lange gestellt.

Neulich, als meine Pferde die wunderschönsten Kringel für mich liefen, anstandslos alle Seitengänge zeigten, punktgenau angaloppierten und wieder durchparierten, kam mir eine andere Frage in den Sinn: Warum machen sie das eigentlich?

Und diese Frage war ein richtiger kleiner Erleuchtungsblitz. Mir wurde klar, dass die Frage “Warum macht mein Pferd xyz nicht?” mich immer wieder in die falsche Richtung geführt hat. Ich wollte etwas und ärgerte mich, wenn es nicht klappte. Ich ging davon aus, dass ich eine Art Recht auf die Ausführung meiner Forderungen hatte. Meine Frage war immer mehr Vorwurf als alles andere, nach dem Motto: Das Pferd hat das zu tun, Punkt.

Als ich mich nun fragte, warum mein Pferd das eigentlich alles für mich tut, öffneten sich ganze Tore. Mir wurde bewusst, wie viel ich von meinen Pferden erwarte und dass die meisten meiner Erwartungen Menschenerwartungen sind.

Wir Menschen habe klare Vorstellungen davon, was ein Pferd tun soll – für ein Pferd ist nichts davon klar. Im Gegenteil – vieles (fast alles?) dürfte einem Pferd zunächst vollkommen seltsam vorkommen, denn von alleine würde es auf vieles gar nicht kommen! Für ein Pferd hat ja eine Reitbahn erst einmal keine besondere Bedeutung; genauso wenig wie Bahnfiguren oder Lektionen, wie Hilfen oder Übergänge usw. usw. Aber da uns klar ist, was getan werden soll, setzen wir diese Klarheit auch bei unseren Pferden voraus. Schließlich sagen wir ihnen ja, was sie tun sollen, nicht wahr? Wir zeigen es ihnen, bringen es ihnen bei und dann hat es bitteschön auch zu funktionieren.

Aber warum eigentlich?

Die Frage danach, warum ein Pferd für uns tut, was es unserer Ansicht nach tun soll, bringt uns zur Frage nach der Motivation. Und zur Frage danach, was wir tun können, unserem Pferd es leicht und vor allem möglich zu machen, unsere Forderungen zu erfüllen. Wir können dann versuchen, die ganze Sache mal aus Pferdesicht zu sehen – und zumindest mir ging es so, dass mir schlagartig klar wurde, was für ein Wunder es ist, dass diese großen, kräftigen Tiere uns nicht einfach den Stinkefinger zeigen.

Wie seht Ihr das?

15. April 2010 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 9 Kommentare »

So geht das!

Wer mit Pferden zu tun hat, hat fast immer auch mit Menschen zu tun. Und meiner Erfahrung nach findet man in der Pferdewelt vor allem zwei Typen von Menschen: unsichere und die, die wissen, “wo es lang geht”. Die Menge der unsicheren Pferdemenschen scheint mir deutlich größer zu sein als die der “Wissenden” und so kommen auf jeden, der weiß wie es geht, viele, die hinterhereifern.

Von anderen Menschen zu lernen, ist etwas Tolles. Vorausgesetzt allerdings, dass das, was es zu lernen gibt, zu einem passt und einen wirklich weiterbringt. Und genau da steckt der Teufel im Detail: Menschen, die vorgeben zu wissen, wie etwas geht, zeichnen sich relativ selten durch eine Fähigkeit zum Differenzieren aus. Sie haben für sich eine Lösung gefunden und DIE ist dann richtig. Punkt.

Nun haben wir es aber in der Pferdewelt mit Persönlichkeiten zu tun – auf der Menschen- wie auch auf der Pferdeseite. Und jede Persönlichkeit ist anders. Jeder Mensch und jedes Pferd.

Ich habe für diese Erkenntnisse, die ich hier mal eben in einigen Sätzen niederschreiben kann, viele, viele Jahre gebraucht. Da, wo ich heute stehe, betrachte ich jeden, der vorgibt etwas “sicher” zu wissen, skeptisch. Und ich betrachte Leute skeptisch, die von der “einzig richtigen” Reitweise oder von “der ultimativen” Methode reden. Und Leute, die zu mir sagen: “Du musst…” genauso wie Leute, die weder mich noch mein Pferd kennen, aber die zu wissen vorgeben, was für uns gut und richtig ist.

Das Problem ist, dass man schon eine gewisse Stärke braucht, um sich gegen ein “So geht das!” zu behaupten. Gerade wenn man unsicher ist, neigt man dazu, sich besonders kraftvoll vorgetragenen Überzeugungen anzuschließen. Aus meiner ganz persönlichen Erfahrung kann ich aber auch unsicheren Menschen nur dazu raten, sich nicht dem Erstbesten anzuschließen, der eine Richtung vorgibt. Es gilt, jeden Rat und jeden Vorschlag erst einmal in Ruhe zu überdenken und zu prüfen, ob sich das richtig und gut für einen selbst anfühlt.

Ich habe in der Vergangenheit leider die größten Fehler gemacht, weil ich zu bereitwillig das tat, was mir andere anwiesen. Am meisten habe ich hingegen von Menschen gelernt, die so etwas zu mir sagten: “Ich weiß es auch nicht sicher, aber vielleicht kannst Du es mal so probieren”- deren Tipps waren in der Regel immer die besseren!

1. April 2010 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 10 Kommentare »

Das Elend der Pferde…

…und der ganzen Welt – manchmal kann man das Gefühl bekommen, alles läuft falsch. Man sieht ein Horrorvideo im Internet, liest Berichte über Tierquälereien, sieht, wie im Stall ein Pferd verdroschen wird und möchte am liebsten alles hinwerfen. Und was macht man dann? Oft klickt man sich zum nächsten miesen Video durch, liest die nächste schlechte Nachricht oder gerät auch noch mit dem eigenen Pferd aneinander, weil man so frustriert ist.

Ein anderer Weg – und ein für mich sehr viel sinnvollerer – ist der, sich gut zu überlegen und bewusst zu entscheiden, womit man sich belasten will und womit nicht.

Ich war früher aktiv im Tierschutz und habe mir so ziemlich jede schlimme Nachricht über gequälte Kreaturen gegeben. Mit dem Ergebnis, dass ich fast daran zerbrochen wäre. Heute entscheide ich sehr bewusst, was ich mir anschaue und auch, was ich mir anhöre. Ich muss mir nicht das 100ste Rollkurvideo anschauen oder die verhungerten Pferde, die gerade noch gerettet wurden. Ich muss nicht gezielt bei Youtube nach schlimmen Szenen suchen und ich muss auch nicht auf solche Veranstaltungen gehen, von denen ich weiß, dass dort mit Pferden etwas gemacht wird, was ich für falsch halte. Und ich kann andere freundlich darum bitten, mir nicht die neueste Geschichte über misshandelte Pferde oder Erziehungsmethoden zu erzählen, die schrecklich sind.

Es ist meine Entscheidung – jedes Mal neu.
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11. März 2010 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 9 Kommentare »

So kurz?

Wer mich mit meinen Pferden arbeiten sieht, dem wird auffallen, dass meine Einheiten oft sehr kurz sind.

Früher waren meine Reiteinheiten durchaus eine Stunde lang und Longeneinheiten auch schon mal über 30 min. Ich hatte damals immer eine Uhr bei mir, damit ich auch “lange genug arbeite”, weil ich glaubte, dass das wichtig seit. Heute mache ich fast immer deutlich eher Schluss. Reiteinheiten in der Bahn überschreiten selten eine halbe Stunde, eher liegen sie bei 20 min. Beim Longieren höre ich spätestens nach 20 min. auf und bei der Freiarbeit kann es manchmal auch nach wenigen Minuten sei.

Ich habe mir nicht ausdrücklich vorgenommen, kürzer zu arbeiten, sondern das hat sich aus dem Miteinander mit meinen Pferden so ergeben. Es gibt zwei Gründe für mich mit der Arbeit aufzuhören bzw. etwas anderes zu machen:

  • Mein Pferd macht alles, was ich will - Wenn in einer Reit-, Longen- oder Bodenarbeitseinheit mein Pferd alles macht, was ich möchte, wenn es also brav allen Hilfen folgt und eifrig meine Wünsche erfüllt, gibt es für mich keinen Grund, mehr zu fordern. Im Gegenteil: dieses Engagement belohne ich nicht nur mit einem Keks und viel Lob, sondern auch damit, dass die Einheit dann eben ggf. auch sehr schnell beendet ist. Was kann ich mehr wünschen, als ein eifriges Pferd? Und diesen Eifer bewahre ich mir, indem ich eine solch tolle Leistung nicht ausnutze und immer noch mehr fordere, sondern einfach nur zufrieden bin und meinem Pferd das auch zeige!
  • Die Konzentration bzw. die Lust meines Pferdes lässt nach - In der Freiarbeit wird sehr schnell deutlich, wenn ein Pferd keine Lust mehr hat oder wenn es abgelenkt ist – in diesem Fall kann man nämlich als Mensch nicht mehr allzu viel machen. Diese Arbeit hat mich wie keine andere aufmerksam werden lassen, inwieweit meine Pferde noch bei der Sache sind. Auch die Ausbildung von Anthony hat mich in dieser Hinsicht geschult, denn seine Konzentrationsfähigkeit war natürlich zu Beginn nur sehr gering. Und so ist es inzwischen für mich ganz natürlich darauf zu achten, ob meine Pferde noch gut bei der Sache sind oder ob sie sich langsam verabschieden. Ich reagiere möglichst bevor das passiert.

Kurze Arbeitseinheiten haben sich für mich auf ganzer Linie bewährt. Ich habe bisher noch keinen Nachteil, sondern nur Vorteile davon gefunden. Nicht einmal was den Muskelaufbau angeht, scheinen die kurzen Einheiten zu schaden, denn ich werde immer wieder auf die gute Muskulatur meiner Pferde angesprochen. Das Fazit lautet für mich also ganz klar: Weniger ist mehr!

25. Februar 2010 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 11 Kommentare »

Lehrreiche Wochen

Nach meinen Pferden bin nun auch ich umgezogen. So ein Umzug ist anstrengend, stressig und kräftezehrend. Und er kann ausgesprochen lehrreich sein, wenn man einen guten Lehrer hat! :-)

Ich habe hier in meinem Blog schon öfters darüber geschrieben, dass es wenig Sinn macht, unter Zeitdruck mit seinem Pferd arbeiten zu wollen und wie wichtig es ist, die eigenen Stimmungen zu reflektieren. Tja, und dann kommt der Alltag mit seinen Herausforderungen (wie z.B. ein Umzug) und man ist gestresst und man hat Zeitdruck und einem fehlt die Kraft zur Reflexion – und schwups findet man sich in Situationen wieder, die man doch eigentlich vermeiden wollte. In Situationen, in denen man genervt und ungeduldig ist und droht, unfair zu werden.

Mir ist es in den letzten Woche einige Male so gegangen. Ich hatte wenig Zeit und noch weniger Kraft, aber dennoch den Anspruch, etwas mit den Jungs zu machen. Aramis, mein Stress-Seizmograph, reagiert da immer sehr zuverlässig: je gestresster ich bin, desto zäher wird er. Je genervter ich reagiere, desto büffliger wird er.

Aber – und das ist neu und deshalb ist es mir einen Blogbeitrag wert: im Gegensatz zu früher, kann ich diesen Mechanismus inzwischen sehen und darauf reagieren! Sprich: ich kann durch sein Verhalten mein eigenes erkennen und dann die automatischen Mechanismen unterbrechen. D.h., ich habe es in diesen Wochen immer wieder geschafft, mich selbst zu korrigieren, bevor ich fies und ungerecht zu meinem Pferd geworden bin.

Diese Reflektion war anstrengend und ich habe manches Mal geflucht, wenn Aramis mir mal wieder eine Lektion erteilt hat, denn alles wäre doch so einfach gewesen, wenn er nur ein bisschen kooperativer gewesen wäre, nicht wahr? Ich meine, er kennt mich doch auch und wenn er schon merkt, dass ich genervt bin, könnte er doch einfach mal mitmachen, oder? Und genau, wenn ich in diese Richtung dachte, wurde Aramis’ Lektion für mich noch deutlicher, dann verweigerte er sich noch mehr und ließ mich mit meinem Hadern und mit meinem “Warum kann er nur nicht…” im Regen stehen.

Einen guten Lehrer macht aus, dass er richtiges Verhalten sofort bestätigt und mein Pferd ist ein guter Lehrer. Wenn es mir gelang, meinen Stress loszulassen, mein Genervtsein abzulegen und den Druck herauszunehmen, den ich mir, ihm und der Welt machte, hatte ich sofort ein fein reagierendes Pferd, das zu allem bereit war. Aber nur dann.

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Wenn wir bereit sind, zuzuhören, sind unsere Pferde einfach die besten Lehrer überhaupt!

28. Januar 2010 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 6 Kommentare »

Expertin in allen Feldern?

Vorsicht – der folgende Blogbeitrag kann Euer Leben etwas ungemütlicher machen. Also nicht unbedingt weiterlesen, wenn Ihr gerade eh schon genug um die Ohren habt und keine zusätzlichen Baustellen in Eurem Leben braucht!

Ihr lest weiter? Gut, dann seid Ihr mir in dieser Hinsicht ähnlich, denn auch ich entscheide mich immer wieder dazu, mich auch mit unbequemen Dingen zu befassen, wenn es um meine Pferde geht. Und genau deshalb habe ich diesen Beitrag geschrieben – aus einer Art Frust heraus, aber gleichzeitig auch, um Euch Mut zu machen. Aber…, der Reihe nach.

Zuerst eine Frage: Wie viele Experten lasst Ihr an Eure Pferde? Ich nehme an, mindestens einen Tierarzt und einen Hufmenschen. Manche sicher auch Physiotherapeuten und Sattler. Viele auch Bereiter und Ausbilder. Egal, wie viele Experten es sind, wir alle erhoffen uns, dass diese Menschen wissen, was sie tun und unserem Pferd nicht nur nicht schaden, sondern guttun.

Nur, wie sicher können wir uns da sein?
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12. November 2009 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 17 Kommentare »

Nur nicht den Humor verlieren

Im Umgang mit Pferden wollen die meisten von uns alles richtig machen. Das ist verständlich, aber oft hinderlich, denn wir wollen das oft so sehr, dass wir darüber sehr schnell ziemlich verbissen werden können. Und dann verlieren wir etwas ganz Wichtiges: unseren Humor. Das ist mir zumindest bei mir selbst aufgefallen.

Wenn ich so an die ersten zwei Jahre mit meinem Jungpferd Anthony denke, dann kann ich im Nachhinein erkennen, wie verbiestert ich leider oft war. Klappte was nicht, war ich frustriert, ging etwas schief, war das fast schon eine Katastrophe…Inzwischen habe ich mir da eine ganz andere Lockerheit angeeignet. Wenn was nicht klappt, dann ist es halt so und bei den meisten Sachen, die schief gehen, kann ich herzlich lachen. Und so ist unser drittes gemeinsames Jahr durch viel mehr Spaß und freudigem Miteinander geprägt als durch meinen (Über)Anspruch auch ja alles richtig zu machen.

Die Fortschritte, die wir – trotz aller Fehler! – gemacht haben sind enorm: Ich habe inzwischen ein motiviertes, freundliches Pferdchen, das schon richtig viel kann. Das macht mich stolz, aber lässt so manchen meiner Ausraster in der Vergangenheit (ob emotional oder real) allerdings noch abstruser und vor allem unnötiger erscheinen.

Die Angst davor, etwas falsch zu machen, saß mir die erste Zeit regelrecht im Nacken. Die Angst einen Fehler zu machen, der mit ein “Problempferd” bescheren würde. Die Angst, etwas so falsch zu machen, dass es nicht mehr wieder gutzumachen wäre. In der Rückschau sind mir die größten Fehler aber genau aus dieser Angst heraus passiert! All die vielen kleinen Fehler, die ich gemacht habe, waren nie wirklich schlimm gewesen. Schlimm war aber die Ungerechtigkeit, mit der ich immer wieder reagiert habe, wenn ich fürchtete, dass etwas schief ging.

Angst ist ein schlechter Ratgeber im Umgang mit Pferden – ob es nun die Angst vor dem Pferd ist oder eben auch die Angst davor Fehler zu machen. Humor hingegen ist mir zu einem exzellenten Co-Trainer geworden. Je schneller ich in einer blöden Situation oder bei einem Fehler lachen kann, desto schneller löst sich meistens alles in Wohlgefallen auf.

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Und mal ganz ehrlich: viele Pferde haben einen ganz fantastischen Humor! Wir müssen nur locker genug sein, ihn wahrzunehmen.

1. Oktober 2009 von Tania • Kategorie: Erkenntnisse 9 Kommentare »

Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.

Ich bin Autorin und habe zusammen mit Babette verschiedene Selbstlernmedien erstellt.

Was ich sonst noch mache, ist auf www.taniakonnerth.de nachzulesen.