Tanias Hafi-Blog : Kategorie ‘Umgang‘

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Vorgeschichten…

In vielen Fällen haben unsere Pferde einiges an Vorgeschichte, wenn wir sie übernehmen, denn ein Pferd wirklich von Fohlenbeinen an bei sich zu haben, ist doch nur wenigen möglich.

Während ich Anthony ja mit 3 Jahren vom Züchter holte, roh und wohl wirklich mit relativ wenig Vorgeschichte, sah das bei Aramis ganz anders aus. Als ich Aramis bekam, war er sieben Jahre alt. Dieses Foto zeigt uns zwei am ersten offiziellen “Aramis-ist-jetzt-mein-Pferd”-Tag:

Ich wusste, dass er vom Händler kam, wo er aus Mitleid von der Vorbesitzerin mitgenommen worden war. Sie hatte ihn in einem ziemlich verwahrlosten Zustand übernommen und beim Reiten zeigte er ein auffälliges Verhalten: er rollte sich bei Anspannung extrem ein und zeigte als Übersprungshandlungen hektisch spanischen Schritt. Die Vorbesitzerin entwickelte dann eine Allergie gegen Pferde und musste sich schweren Herzens von Aramis trennen. Mit diesem Stand übernahm ich ihn dann.
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1. Juli 2010 von Tania • Kategorie: Umgang 9 Kommentare »

Auf Knopfdruck

Pferde haben es mit uns Menschen wirklich nicht leicht. Wenn ich ehrlich bin, habe ich von meinen Pferden schon oft Unmögliches verlangt:

  • Sie sollen temperamentvoll sein, aber bitte nicht zu sehr und immer schön kontrollierbar.
  • Sie sollen motiviert mitarbeiten, aber bitte keine Lektionen vorwegnehmen.
  • Sie sollen schnell reagieren, aber nicht hektisch sein.
  • Sie sollen genau wissen, was ich mit welcher Hilfe fordere und das am besten auch dann, wenn meine Hilfen nicht sauber sind.
  • Sie sollen berechenbar sein, aber nicht “tot”.
  • Sie sollen das machen, was ich will, auch wenn sie was ganz anderes im Kopf haben.
  • Sie sollen möglichst immer perfekt laufen.
  • Usw.

In der Summe glaube ich, dass wir manchmal bei all unseren Anforderungen an unsere Pferde oft vergessen, dass es sich um Tiere handelt, also um lebendige Wesen mit eigenständigen Persönlichkeiten.

Ich habe vor allem in den letzten Jahren damit begonnen, meine Erwartungen an meine Pferde immer wieder zu überdenken und zu hinterfragen. Auch heute passiert es mir noch, dass ich zu viel will, aber es ist deutlich weniger geworden. Ich kann heute meine Pferde mit ihren Persönlichkeiten besser annehmen, kann ihnen mehr Pferdsein zu gestehen, mehr eigene Persönlichkeit und Schwankungen in der Befindlichkeit. Und – und das ist das Tolle: ich bekomme dadurch heute viel mehr von meinen Pferden als je zuvor!

Auch wenn wir natürlich alle wissen, dass Pferde keine Maschinen sind, so hilft es mir im Alltag sehr, mir wirklich immer wieder bewusst zu machen, dass ich da keine Tennisschläger habe, die ich benutzen darf und kann, wie es mir gerade gefällt, sondern dass da zwei sehr eigenständige Persönlichkeiten vor mir stehen, die das Recht haben, nicht auf Knopfdruck zu funktionieren, nur weil ich das gerade möchte.

3. Juni 2010 von Tania • Kategorie: Umgang 1 Kommentar »

Von Geschenken

Stellt Euch mal vor, jemand bringt Euch das Bodenturnen bei. Ihr seid zunächst ungelenkig und ungeschickt und fragt Euch, wie Ihr nur all die vielen Übungen bewältigen sollt. Dann spürt Ihr, dass Ihr eine Übung langsam beherrscht und als Euer Trainer sie sehen möchte, präsentiert Ihr sie freudestrahlend. Und die Reaktion? “Schön und nun bitte diese Übung gleich nochmal und einen Handstand dazu!” Ach ja, … und falls Ihr das nicht schafft, bufft Euch die Person solange, bis Ihr es macht.

Abwegig? Absurd?

Schauen wir uns noch ein Beispiel an: Wir bringen unseren Pferden Lektionen bei. Mühsame, schwierige Lektionen, die viel Einsatz und Konzentration fordern. Den Pferden fällt es ganz schön schwer, ihre Beine zu sortieren, die Balance zu halten und all die vielen Anweisungen zu verstehen. Und was passiert nun, wenn ein Pferd uns zeigt, was es kann, wenn es uns also die Ausführung einer Lektion schenkt? Wir klopfen den Hals und fordern nicht nur die Lektion gleich nochmal (oder sogar viele, viele Male), sondern nein, wir wollen dann sofort auch die nächste angehen. Je nach unserer Grundeinstellung machen wir das mehr oder weniger liebevoll oder nachdrücklich.

Auch abwegig? Auch absurd? Oder der ganz normale Pferdewelten-Wahnsinn?

Und noch verrückter ist es, wenn ein Pferd dann später von sich aus stolz eine Lektion zeigt, die es gerade verstanden hat und dafür dann bestraft wird, weil das “gerade nicht gefragt war und man ja nicht zulassen kann, dass so ein Pferd macht, was es will“.

Fühlen wir uns doch mal für einen Moment in oben aufgeführtes Beispiel ein und stellen uns vor, was das Verhalten des Trainers für uns und unsere Motivation bedeuten würde. So können wir eine Ahnung davon bekommen, wie es unseren Pferden leider sehr, sehr oft geht.

Es gibt so viele schöne Wege, sich für ein Geschenk zu bedanken – denken wir das nächste Mal daran, wenn wir eines von unserem Pferd bekommen!

13. Mai 2010 von Tania • Kategorie: Umgang 12 Kommentare »

Der Nach-dem-Urlaub-Zauber

Darüber, wie sinnvoll ich Pausen finde, hatte ich im letzten Jahr schon mal im Anschluss an meinem Urlaub geschrieben – hier nachzulesen. Nun war ich wieder für zwei Wochen weg und mir ist einmal mehr der ganz besondere Zauber bewusst geworden, den so ein Wiedereinstieg nach einer Abwesenheit mit sich bringen kann. Und dieses Thema ist mir glatt noch einen Nach-Urlaubs-Blogbeitrag wert.

Am Sonntag kam ich zurück und am Montag ritt ich beide Jungs. Es waren zwei kurze Einheiten ohne Sattel und ohne festes Programm. Im Wesentlichen wollte ich nur mal schauen, wie es ihnen so geht und eben zum Einstieg gar nicht viel machen. Bei beiden Pferden mit demselben Ergebnis: Sie liefen mit einem Minimum an Hilfen und Einwirkung wundervoll fein und locker, zeigten bereitwillig Seitengänge, Übergänge und Lektionen, so dass es die pure Freude war.

Mit Aramis habe ich das schon viele, viele Male erlebt und jetzt zeigt es sich auch bei Anthony. So eine Abwesenheit schenkt einem offenbar den nötigen Abstand zum eigenen Pferd, mit dem man regelrecht einen Neuanfang begehen kann – zumindest im Kleinen.

Ich habe mal darauf geachtet,was genau so anders ist – und tatsächlich bin (mal wieder) vor allem ich es selbst! Ich gebe meine Hilfen vollkommen anders als im normalen Alltag – viel vorsichtiger, viel sanfter, viel liebevoller. Nach einer längeren Pause ist es mir offenbar leichter möglich, meinen Pferden so gegenüberzutreten, wie ich fremden Pferden gegenübertrete:

  • mit einem achtsamen Respekt,
  • mit einer gesunden Portion Neugier,
  • mit dem Interesse, das Pferd (neu) kennen zu lernen
  • und ohne feste Vorannahmen oder bestehende Muster.

Und genau DAS macht wohl den Zauber aus, oder was meint Ihr?
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18. März 2010 von Tania • Kategorie: Umgang 6 Kommentare »

Immer schön lächeln!

Die meisten von uns kennen wohl den Ausspruch: “Lächle – Reiten macht Spaß!” Und auch wenn man darüber schmunzelt, so wissen wir wohl auch alle, dass dieser Satz etwas anspricht, was leider fürs Reiten sehr, sehr typisch ist: Viel zu oft sieht man mehr als ernste, harte und ja, meist sogar regelrecht verbissene Gesichter.

Wenn mich früher jemand auf meinen Gesichtsausdruck angesprochen hat, habe ich immer gesagt: “Ich bin halt konzentriert.”

Heute aber sehe ich das anders. Auch heute bin ich konzentriert. Aber ich bin nicht mehr verbissen. Und so lächle ich heute viel und gerne. Oft lache ich auch herzlich, wenn ich reite!

Lächeln tut der Konzentration keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Wer lächelnd reitet, fördert eine offene und angenehme Atmosphäre, die es auch dem Pferd viel leichter macht, zu lernen und das zu tun, was wir gerne von ihm möchten.

Warum? Weil sich ein Pferd mit einem Lächeln, das vom Herzen kommt, viel besser entspannen kann. Ein ehrlich (!) lächelnder Mensch ist selten verkrampft und er ist ganz sicher nicht verbissen. Ein lächelnder Mensch freut sich an dem, was er tut und freut sich an seinem Pferd. Und das freut wiederum das Pferd :-) Ein ehrlich lächelnder Mensch ist auch viel nachsichtiger, freundlicher und weicher. Und auch das gefällt Pferden sehr gut, die dann viel weniger Angst davor haben, einen Fehler zu machen. Mit einem Lächeln strafen wir nicht, sondern wir korrigieren sanft – und das fühlt sich für ein Pferd ganz anders an.

laecheln.jpg

Also: Immer schön lächeln! Es gibt doch kaum etwas Schöneres, als Zeit mit einem Pferd zu verbringen – sollte uns da das Lächeln nicht ganz leicht fallen?

3. Dezember 2009 von Tania • Kategorie: Umgang 4 Kommentare »

Sturer Bock?

Anthony war zu Beginn das, was die meisten wohl als einen “sturen Bock” bezeichnen würden: Er reagierte auf Hilfen und Einwirkungen gar nicht bzw. sehr phlegmatisch und büffelte auch von sich aus. Er nahm es dabei nicht nur mit mir, sondern auch mit Hallenwänden und Boxentüren auf, weil er dachte, mit seinem kleinen Sturkopf überall durchzukommen. Auch von anderen höre ich immer wieder, dass sie mit solch eher stumpfen Tieren zu tun haben und leider passiert dann ganz oft Folgendes: Hilfen und Einwirkungen werden immer stärker. Nicht selten werden solche Pferde irgendwann übel mit Sporen und Gerte traktiert und man hört dann als Erklärung so etwas wie “Der merkt ja sonst nichts.”

Ich bin heute noch sehr dankbar, dass ich gleich zu Beginn von Anthony Ausbildung einen Blick in das (übrigens rundum zu empfehlende) Buch Tellington Training für Pferde von Linda Tellington-Jones geworfen habe und dort Folgendes lesen durfte:

“Die Arbeit mit einem störrischen Pferd konfrontiert uns oft mit unserer eigenen Unbeweglichkeit. Sind Sie willens, neue Lösungen auszuprobieren, einen Schritt zurückzugehen und nachzudenken? An dem Punkt angekommen, an dem das Pferd sich widersetzt – sind Sie willen, anstatt es unter Druck zu setzen, innezuhalten und sich zu fragen: “Wie kann ich das für das Pferd und für mich leichter machen?”

Diese Worte haben mich damals nachdenklich gemacht. Auch ich bin erst den Weg über eine stärkere Einwirkung gegangen, nach dem Motto: “Den muss ich erstmal zeigen, wer das Sagen hat.” Glücklich war ich damit nicht, aber es erschien mir der richtige Weg. Bis ich den Text von Linda Tellington-Jones las und erkannte, dass tatsächlich ich mindestens genauso stur war, wie mein Pferd! Und dass der Ausweg nur darin bestehen, dass ich umdachte.
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5. November 2009 von Tania • Kategorie: Umgang 12 Kommentare »

Führen ist doch ganz einfach?

Ein Pferd führen scheint eigentlich ganz einfach zu sein. Man hält den Strick, das Pferd läuft neben einem – kein Thema, oder? Dass das durchaus ein Thema ist, kann man Tag aus, Tag ein so ziemlich überall in den Ställen beobachten. Nicht selten bekommt man den Eindruck, dass da nicht der Mensch, sondern das Pferd führt…

Es gibt wenige Dinge, bei denen ich so konsequent bin, wie beim Einhalten der von mir gewünschten Führposition. Denn ich habe festgestellt, dass sich diese Konsequenz doppelt und dreifach auszahlt. Achte ich beim Führen darauf, dass meine Pferde dort bleiben, wo ich es für sie vorsehe, wird nicht nur das Führen selbst deutlich angenehmer, sondern ich profitiere davon im gesamten Umgang.

Hier einmal ein Bild von der Führposition, wie ich sie anstrebe:

fuehrposition1.jpg

Das Pferd geht etwas schräg hinter mir. Es kriecht mir nicht in den Rücken und es überholt nicht. Es herrscht ein angenehmer Abstand zwischen uns, so dass ich bei einem möglichen Hüpfer nicht gleich angerempelt werde. Und das Pferd läuft von sich aus voran, ohne dass ich ziehen muss. Es ist auch dann, wenn es sich mal umschaut, mit seiner Aufmerksamkeit bei mir.
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16. Juli 2009 von Tania • Kategorie: Umgang 21 Kommentare »

Das kannst du doch!

Ich erwische mich immer mal wieder dabei, wie ich ungeduldig mit einem meiner Jungs werde und so etwas denke (oder auch sage), wie: “Himmel, das kannst du doch, stell dich nicht so an!”

Ein solcher Gedanke ist aus zweierlei Gründen nicht sinnvoll: Zum einen werde ich wütend, wenn ich das denke und Wut bringt mich nicht weiter. Zum anderen verkenne ich mit diesem Gedanken vollkommen die Situation.

Nur weil ich der Meinung bin, dass die gestellte Aufgabe etwas ist, was mein Pferd beherrscht, muss das noch lange nicht der Fall sein!

  • Vielleicht sind es nur Nuancen, die diese Situation von der letzten unterscheiden, aber für mein Pferd sind sie ganz wesentlich.
  • Vielleicht verlange ich die Übung an einer anderen Stelle, wo es anders aussieht oder anders riecht?
  • Vielleicht war mein Pferd beim letzten Mal besser vorbereitet?
  • Vielleicht hat es sich in dieser Nacht verlegen oder im Auslauf beim Spiel mit einem Kumpel verrenkt?
  • Vielleicht ist meine Ausstrahlung bzw. meine Einwirkung heute eine andere?
  • Usw. usw.

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19. März 2009 von Tania • Kategorie: Umgang 6 Kommentare »

Stichwort Qualitätszeit

Ich gehöre zu den Menschen, deren Tage eher zu voll als zu leer sind. Und um das alles gut organisiert zu bekommen, plane ich meine Zeit möglichst effektiv. Der Vorteil ist, dass ich auf diese Weise viel schaffe und erreiche, der Nachteil ist, dass so etwas wie Muße und Entspannung oft zu kurz kommt.

Nun stammt aus dem Zeitmanagement folgende Idee: Wenn man dabei ist, seine Zeit zu planen, soll man auch ganz gezielt so genannte „Qualitätszeit“ einplanen. Gemeint ist damit zweckfreie Zeit. Also Zeit ohne Vorhaben, ohne Absichten, ohne Aufgaben. Zeit, in der man einfach nur sein kann, ohne etwas tun zu müssen.

Und genau damit experimentiere ich im Moment auch im Stall ein bisschen herum. Ich schaffe mir immer wieder Zeitinseln, in denen ich mir für die Jungs nichts vornehme, also keine Lektionen im Kopf habe, nicht erziehen will und kein Ziel im Kopf habe, sondern einfach nur mit meinem Pferd zusammen sein will.
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21. Januar 2009 von Tania • Kategorie: Umgang 4 Kommentare »

Und wieder einmal: Das Thema “Ungehorsam”

Wer mein Blog hier schon ein bisschen länger verfolgt, weiß, dass ich mit meinem Youngster Anthony so manche Erziehungsherausforderung zu meistern habe. Als ich ihn frisch bekommen hatte, fing ich mit der Erziehung bei Null an und da der Kleine nicht gerade zu den allersensibelsten Tieren gehört, musste ich manches auch mit etwas mehr Nachdruck vermitteln.

Nun haben wir uns inzwischen einen ziemlich guten Stand erarbeitet. Die Grundregeln sind etabliert. Ich kann mich inzwischen auch weitestgehend darauf verlassen, dass meine Position nicht alle paar Minuten angezweifelt wird und der Kleine ist in den meisten Fällen bereit, mir zuzuhören.

Nun hatten wir neulich eine Longeneinheit, bei der mal wieder alles vergessen schien, was wir uns erarbeitet hatten. Der Kleine büffelte und rempelte mich an, wollte nicht auf den Kreis hinaus, nicht vorwärts und überhaupt.

“Na, der hat wohl einfach getestet.” dürften viele jetzt denken – bei einem Alter von 5 1/2 ein recht naheliegender Gedanke. So war das auch genau das, was ich im ersten Moment dachte: “Aha, da will jemand es wieder mal wissen…”
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29. Oktober 2008 von Tania • Kategorie: Umgang 9 Kommentare »

Vorgeführt?! Oder: Wie schnell sich Vertrauen missbrauchen lässt

Ich schau mir immer gerne Vorführungen und auch Videos von allen möglichen Pferdemenschen an – gerade in der Vielfalt und in den Unterschieden kann man viel lernen. Manches macht mich allerdings nachdenklich, vor allem wenn Vorführungen oder Filme unter der Überschrift “Partnerschaft mit Pferden” oder “Vertrauen laufen”.

  • Ist es z.B. ein Ausdruck von Vertrauen, wenn ein Pferd zu Showzwecken Lektion um Lektion, Übung um Übung abspulen muss?
  • Zeigt sich Vertrauen darin, dass sich ein Pferd vor einem Publikum ablegen lässt, aber wenn es signalisiert, gerne den Kopf wieder hochnehmen zu wollen, sanft, aber bestimmt runtergedrückt wird, damit der nächste Show-Akt noch gezeigt werden kann?
  • Ist es Ausdruck von Vertrauen, ein Pferd mit der Hinterhand auf einem Podest stehen zu haben, während es mit der Vorhand darum dreht und das noch mit einem nicht unbeachtlichen Reitergewicht auf dem durchgedrückten Rücken?
  • Zeigt sich Vertrauen darin, einem Pferd eine Nachtmütze aufzusetzen und es inmitten eines Berges von Kuscheltieren schlafen zu legen?
  • Ist es Ausdruck von Vertrauen, wenn sich ein Pferd auf den Rücken legen lässt und in dieser Position liegen bleibt? (weiterlesen…)

29. August 2008 von Tania • Kategorie: Umgang 7 Kommentare »

Emotionslos strafen – das Nonplusultra im Umgang mit Pferden?

In einem Punkt sind sich sehr viele der Ausbilder (egal welcher Richtung) ziemlich einig: wir sollen lernen, emotionslos zu strafen. Ziel ist es, Ungehorsam punktgenau mit einer Sanktion zu beantworten, ohne Wut und ohne schlechtes Gewissen.

Dass in dem “emotionslosen Strafen” eine große Chance liegt, habe ich inzwischen auch für mich selbst begriffen. Ich gebe zu, ich bin ein sehr emotionaler Mensch und aus meinen Emotionen heraus habe ich leider auch schon manchen Mist gebaut. Aber, je mehr ich über dieses “emotionslose Strafen” nachdenke und je öfter ich es in Aktion sehe, desto häufiger kommen mir auch Bedenken.

“Emotionslos” heißt ja, die eigenen Gefühle zu reduzieren oder gar abzuschalten. Bei Wut oder Ungeduld ist das ratsam, klar. Aber besteht nicht auch die Gefahr, dass wir, wenn wir schon mal dabei sind, unsere Gefühle zu unterdrücken, auch gleich noch welche ausschalten, die wir lieber aktiv halten sollten? Was ist z.B. mit unserem Mitgefühl, mit unseren Skrupeln und auch mit unserer Liebe zu unserem Pferd? (weiterlesen…)

20. August 2008 von Tania • Kategorie: Umgang 9 Kommentare »

Wenn das Pferd komisch ist… oder: Nicht das Naheliegende übersehen!

Anthony, mein Youngster, war vor Kurzem mal wieder ziemlich unausstehlich. Inzwischen kenne ich das ja von ihm und ich weiß, dass es keinen Sinn macht, das persönlich zu nehmen. Aber, … wissen und anwenden sind ja zwei verschiedene Dinge, nicht wahr?

Für meine Verhältnisse habe ich mich ganz wacker geschlagen und blieb recht geduldig mit meinen schlecht gelaunten Jungtier. Im Raum stand für mich aber nach wie vor die Frage, warum er immer mal wieder so ist. Was tat ich, was ihm nicht gefiel? Brauchte er etwas? Nervte ich ihn? Forderte ich ihn zu viel oder zu wenig? Kann er mich nicht leiden? Oder hatte es vielleicht auch gar nichts mit mir zu tun? Immerhin wirkte Aramis auch so, als sei er nicht ganz so gut auf den Kleinen zu sprechen.

Zufällig besuchte ich dann an einem Abend einen Vortrag über Pferdezähne. Inspiriert durch diesen Vortrag schaute ich am nächsten Tag Anthony ins Maul. Und was entdeckte ich da? Dass bei ihm gerade die Hengstzähne im Oberkiefer durchbrechen. Ich hatte den Zahnwechsel als fertig angesehen, nachdem seine letzten Schneidezähne im Unterkiefer gewechselt hatten und hatte deshalb an so etwas gar nicht gedacht. Aber damit dürfte ich wohl die Antwort auf meine Frage gefunden haben :-)

Und das zeigt mir wieder einmal, dass es eine ziemlich knifflige Gratwanderung ist: Wenn unser Pferd sich komisch benimmt, zwar das eigene Verhalten zu hinterfragen, ohne dann aber alles zu persönlich zu nehmen. Wenn man den Fehler nämlich nur bei sich selbst sucht, kommt man oft nicht auf die eigentlich nahe liegenden Sachen, die das Verhalten auslösen können.

13. August 2008 von Tania • Kategorie: Umgang 2 Kommentare »

Die Kleinigkeiten, die so entscheidend sind

Die Tage bei Babette schenken mir Lernstoff auf allen Ebenen. So wies sie mich gleich am Montag auf etwas hin, was ich bei anderen immer gut sehen kann, was ich bei mir selbst aber offenbar aus den Augen verloren habe. Scheinbar eine Kleinigkeit nur, die aber ganz entscheidend für das Verhältnis mit meinen Pferden ist: und zwar habe ich das Spiel „Wer bewegt wen?“ nicht pingelig genug beachtet.

Bestimmt habt Ihr schon davon gehört, dass Pferde die Rangfolge untereinander vor allem durch das Spiel „Wer bewegt wen?“ festlegen: wer weicht, verliert, wer andere bewegen kann, ist der Stärkere.

Obwohl mir dieses Spiel sehr bewusst ist, habe ich mich unbewusst immer öfter von meinen Pferden bewegen lassen, vor allem von Anthony. Denn sie machen das schon sehr geschickt und mit viel Charme. All die vielen kleinen Momente, in denen ich unbewusst einen Schritt rückwärts machte oder auswich, manchmal nur wenige Zentimeter, all diese Momente hat Anthony als Gewinnpunkte für sich verbucht. Folgerichtig hatte ich es nun z.B. bei der Longenarbeit ziemlich schwer, ihn von mir wegzuschicken. Und ganz in meinem inzwischen vertrauten Muster ging ich auch hier schnell rückwärts.

Genau das fiel Babette auf und wir arbeiten nun gemeinsam daran, dass ich wieder ganz genau darauf achte, dass er sich bewegt und nicht ich. Nicht nur, dass so das Longieren deutlich einfacher wird, sondern das Ergebnis ist auch ein Pferd, das nun wieder viel respektvoller ist, viel aufmerksamer und viel weniger rüpelig.

Es sind genau diese Kleinigkeiten (die nur für uns Menschen Kleinigkeiten sind), die eine ganz entscheidende Wirkung haben und es ist immer wieder gut, wenn wir andere haben, die uns liebevoll darauf hinweisen, dass wir sie mal wieder vernachlässigt haben. :-)

6. August 2008 von Tania • Kategorie: Umgang 0 Kommentare »

Die Jungs auf Reisen, die zweite oder: Wie schon der Anfang zu einem Lehrstück wurde

Wir machen gerade mal wieder einen Lernurlaub bei Babette. Dieses Mal sind wir eine ganze Woche hier und werden sicher wieder ganz viel mitnehmen.

Bereits der erste Tag war für mich persönlich ein Lehrstück: Und zwar ging es ums Verladen. Schon verrückt: Früher hielt ich das Verladen nie für problematisch, sondern ging einfach ganz natürlich davon aus, dass mein Pferd in den Hänger ging. Es gab auch nie Probleme damit.

Nun habe ich in der letzten Zeit mehrfach mitbekommen, wie schwierig und auch schlimm Verladesituationen sein können – und prompt geht es auch bei uns nicht mehr so einfach. Und bei alledem weiß ich genau, dass ICH die Ursache bin, nicht meine Pferde. (weiterlesen…)

30. Juli 2008 von Tania • Kategorie: Umgang 2 Kommentare »

Neues neugierig erkunden oder: Wie Pferde selbstbewusster werden

Babette hat vor kurzem in einem Beitrag ihren Weg vorgestellt, Pferde an Neues zu gewöhnen. Ich habe es bisher mit meinen Jungs nicht ganz so systematisch, aber schon sehr ähnlich gemacht: Wann immer etwas “gruselig” ist, bin ich mit ihnen hin und habe sie ermuntert, sich die Sache anzuschauen und möglichst auch mit der Nase zu berühren. Für solchen Mut gab es dann immer ein großes Lob und auch ein Leckerli.

Ich suche auch regelrecht solche Situationen, sprich wenn auf dem Hof etwas los ist oder auf dem Weg etwas Unbekanntes steht, weiche ich nicht aus, sondern im Gegenteil, ich nutze es als Möglichkeit, meinen Pferden etwas Neues zu zeigen. Hier ist z.B. ein Bild zu sehen, wo ein Party-Zelt auf unserem Hof aufgebaut war:

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Mein Motto: Wenn etwas gruselig ist, schauen wir es uns an.
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16. Juli 2008 von Tania • Kategorie: Umgang 5 Kommentare »

Einige Gedanken zum Thema “Sicherheit”

Dass das Reiten nicht gerade der sicherste Sport ist, wissen wir alle. Nun gibt es aber sehr unterschiedliche Wege, die eigene Sicherheit steigern zu wollen.

Eine kleine Begebenheit in der letzten Woche hat mich einmal mehr darin bestätigt, dass die größte Sicherheit aus einem guten Vertrauensverhältnis zum Pferd entsteht:

Ich wollte letzte Woche noch mal eine schöne Geländerunde machen, bevor die Bremsen den Wald übernehmen. Nun haben wir in unserer Gegend die so genannten “Hirschlausfliegen”, auch “Läufer” genannt. Diese unfreundlichen Tiere setzen sich gerne am After der Pferde fest oder am Euter bzw. an der Schlauchtasche, manchmal kriechen sie sogar dort hinein. Viele Pferde reagieren äußerst panisch auf diese Insekten. Wir sind es inzwischen gewohnt, dass man mal einen oder auch zwei von den Dingen von einem Ausritt mitbringt. Ich bin flink genug geworden, um sie wegzufangen, so dass das Problem meist schnell erledigt ist.

Auf dem besagten Ausritt kam es aber anders…
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4. Juni 2008 von Tania • Kategorie: Umgang 5 Kommentare »

Gähnen gegen Panik

Für Anthony ist das Gelände noch eine ziemlich aufregende Angelegenheit. Auch wenn er von seinem Wesen her cool ist, gibt es dort doch noch einiges, was ihn beunruhigt. Allein die Tatsache, dass er, wenn ich auf ihm sitze, quasi “allein” durch die Gegend stiefelt, führt doch so manches Mal zu einer gewissen Anspannung. Und damit ich dann auf ihm nicht auch verkrampfe und so etwa denke wie “Oje, jetzt aber bitte nicht scheuen oder lospesen!”, mach ich Folgendes: Ich beginne zu gähnen.

Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen seltsam, aber es ist wirklich genial, wie man auf diese Weise erstens selbst viel ruhiger wird und zweitens auch das Pferd gleich mit beruhigen kann. Ich sage dann so etwas wie “Ach, ist das alles laaaaangweilig hier.” und gähne. Zuerst ist es noch ein künstliches Gähnen, aber meist stellt sich schon beim zweiten oder dritten Mal tatsächlich ein echter Gähnreiz ein.

Einfach mal ausprobieren – bei uns wirkt das wirklich gut.

28. März 2008 von Tania • Kategorie: Umgang 1 Kommentar »

Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.