Tanias Hafi-Blog : Kategorie ‘Umgang‘

Hier berichtet Tania Konnerth regelmäßig über Ideen und Erkenntnisse aus der Aus- und Weiterbildung ihrer beiden Haflinger. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Erziehung bitte pferdegerecht

Heute gibt es mal wieder einige Gedanken dazu, wie wir – oft unwissentlich – unsere Pferde nerven. Geschrieben hatte ich dazu bereits über die Themen Stimme, Streicheln, Klarheit und darüber, nie zufrieden zu sein. Heute geht es um pferdegerechte Erziehungsmaßnahmen.

In all den Jahren, in denen ich nun mit Pferden zu tun habe (und das sind inzwischen einige :-) ), habe ich verschiedenste Ansätze im Umgang mit Pferden kennen gelernt. Zu Beginn probierte ich vieles sofort selbst aus, immer auf der Suche nach DER Methode und DEM Weg. Nicht nur, dass ich mit diesen Wechseln mein Pferd genervt habe (nach dem Motto “Heute ist wieder alles ganz anders.”), sondern ich habe auch viel Unfug bei diesen Ausprobierereien mit meinen Pferden gemacht. Ich habe Leuten geglaubt, die mir erzählten, ich müsse mein Pferd unterwerfen und ich habe Leuten geglaubt, die mir sagten, mein Pferd würde mich nicht ernst nehmen. Ich habe versucht, “wie ein Pferd” zu sein, ich habe versucht, “ranghoch” zu werden und vieles mehr. Und mit all dem habe ich meine Pferde ganz schön genervt.

Nie werde ich die Teilnahme an einem Kurs vergessen, in dem man mir sagte, mein Aramis wäre zu frech und ich müsse dominanter sein. In diesem Kurs hat mein grottenbraves Pferd zum ersten Mal gebissen – nicht zu Beginn, sondern NACH Anwendung der “tollen” Erziehungsmethoden. Das war seine klare Antwort auf den Unsinn, den ich da gemacht habe.

Heute sehe ich sehr deutlich, dass ich früher viel zu wenig geprüft habe, ob all die Tipps und Ansätze, auf die ich gehört habe, wirklich pferdegerecht waren. Ob sie tatsächlich dem Wesen Pferd entsprechen und deshalb vom Pferd nachvollziehbar und verständlich sind. Ob die Methoden, die ich wählte, mich MIT dem Pferd arbeiten ließen und nicht dagegen. Ob ich mit dem, was ich tat, meine Pferde nicht nur erreichen, sondern auch im besten Sinne fördern konnte.

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3. April 2012 von Tania • Kategorie: Umgang 15 Kommentare »

Unbeschwertheit

Wisst Ihr, was das Schönste für mich im Umgang mit Pferden ist? Unbeschwertheit. Diese zauberhafte Leichtigkeit, Freiheit und Absichtslosigkeit, dieses spielerische “Einfach nur sein”. Und wisst Ihr, was oft das Schwierigste für mich im Zusammensein mit meinen Pferden ist? Ja, genau: Unbeschwertheit.

Ich denke, das geht vielen so. Denn Unbeschwertheit mit einem Pferd zu erreichen, heißt, zunächst selbst unbeschwert zu sein. Selbst ein leichtes und freies Herz zu haben. Und das ist doch oft so schwer, findet Ihr nicht?

Ich spiele ja viel mit meinen Pferden und arbeite frei mit ihnen. Aber es gibt da enorme Unterschiede auch in diesen Einheiten. Denn auch im “freien Spiel” kann man Druck machen, auch im “freien Spiel” kann genau das “freie Spiel” verloren gehen. Das passiert mir manchmal, ohne dass ich es merke. Hinterher fühlt sich die Einheit dann aber nicht stimmig an, irgendwie eben nicht leicht, sondern es war zäh. Wenn ich hingegen unbeschwert bin, dann sind es auch meine Pferde und eine solche Einheit ist belebend und beglückend für uns alle.

Die Crux ist, dass wir fast alle mehr oder weniger beschwert zu unseren Pferden kommen, denn kaum einer ist frei von Sorgen, Problemen, Stress u.ä. Und wir sehnen uns nach eben dieser Leichtigkeit und Unbeschwertheit, um loslassen und entspannen zu können. Der Punkt aber ist der, dass es genau so herum leider fast nie funktioniert.

Ja, manchmal können uns unsere Pferde aus einer dunklen Stimmung herausholen oder uns unseren Stress mit ihren Samtnüstern wegblasen. Aber im Normalfall führen unser Stress und unsere Belastungen dazu, dass sich auch unsere Pferde verspannen. Sie spüren genau, mit wie viel Anspannung wir zu ihnen gehen. Wenn sich in der Herde ein anderes Pferd anspannt, ist das für alle ein Warnsignal – irgendetwas ist im Busch. Dieses Programm sichert in der freien Wildbahn das überleben und genau das können selbst noch so menschengewöhnte Pferde nie ganz ablegen. Hier sehe ich die Ursache dafür, warum wir mit unseren Pferde oft gerade an den Tagen, an denen wir uns so sehr nach einer Sternstunde sehnen, das genaue Gegenteil erleben: ein verunsichertes, verspanntes und schreckhaftes Pferd.

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6. März 2012 von Tania • Kategorie: Umgang 9 Kommentare »

Und manchmal muss man eben doch …

In meinem letzten Beitrag schrieb ich ja über die lange Pause, die ich mit Aramis eingelegt hatte, zum einen wegen meines eigenen Lebens aber auch wegen seiner Stimmungen, Wehwehchen und Krankheiten. Ich beendete diesen Artikel damit: “Wenn wir in solchen Phasen uns in unser Pferd einfühlen, spüren wir, wann es wieder bereit ist, etwas zu tun – und dann ist es gut, es wieder zu fördern und aus der dunklen Phase herauszuholen. Aber nicht mit Gewalt, sondern mit Liebe.”

Genau darum geht es mir in dem heutigen Text. Dass es eben manchmal auch nötig ist, die Unlust unseres Pferdes nicht als Fakt anzunehmen, sondern zu überlegen, wie man sie überwinden kann. Und das möglichst so, dass das Pferd wieder immer mehr Freude an der Arbeit gewinnt!

Aramis hat sich durchaus an sein “Lotterleben” gewöhnt. Nichts tun zu müssen, sondern lieber zu fressen und ein bisschen rumzustehen, scheint ihm im Moment durchaus attraktiv, während das nun wieder beginnende Training eben etwas anstrengender ist. Hinzu kommt, dass es ihm offenbar auch in der Hinterhand zwackt und alles mit fast 20 nicht mehr ganz so leicht fällt wie einem Jungspund. Der Rat meiner Osteopathin lautete: “Tu was mit ihm.” Tja, und so steht seine Unlust gegen gute gesundheitliche Gründe, das Training wieder aufzunehmen.

Mein altes Muster war, mich bei Unlust meines Pferdes einfach “durchzusetzen”, nach dem Motto: Watt mutt, datt mutt. Heute versuche ich, anders damit umzugehen.

Und zwar setze ich bei mir an. Wenn ich nämlich merke, dass Aramis eigentlich keine Lust hat, bin ich selbst schnell frustriert. Da versuche ich jetzt immer, sofort einzuhalten und meine eigene Lust auf die Trainingseinheit zu motivieren. Dann hole ich Aramis aus seiner Unlust ab, indem ich es direkt formuliere: “Och, Aramis, nun mal nicht so zäh, du weißt doch, dass es dir gut tut, ein bisschen was zu tun.” und muntere ihn auf.

Ganz wichtig dabei ist, dass ich nicht mehr Druck mache, sondern meine eigene Motivation und Freude an der Sache erhöhe. Ich lächele und lache, spreche freundlich und aufmunternd mit ihm und denke an schöne Sachen. Ich tue quasi so, als würden wir beide nichts Tolleres wissen, als jetzt gemeinsam ein bisschen zu arbeiten – und das funktioniert ziemlich gut. Nach einigen Runden werden die Bewegungen lockerer, das Gangbild wird klarer und noch ein bisschen später habe ich ein fröhliches Hafi-Tier, der fast zu sagen scheint: “Hey, klasse!”

Mit Druck und “Durchsetzen” würde ich ihn vielleicht auch zum Laufen bringen, nicht aber zum freudigen Laufen. Und genau das ist mein Ziel. Denn nur wenn ihm die Arbeit Spaß macht, wird er sich trotz Zipperlein (die im Alter ja eher mehr werden), auf meine Vorschläge einlassen. Nur wenn er immer wieder die Erfahrung machen kann, für seine Unlust nicht bestraft zu werden, sondern wenn er erleben kann, wie wir da gemeinsam einen Weg herausfinden, wird er ohne Angst in die nächste Trainingsstunde gehen. Nur so kann ich im besten Fall in der nächsten Einheit ein Pferd haben, der von Beginn an sagt: “Au ja!” Und was gibt es Schöneres als das?

21. Februar 2012 von Tania • Kategorie: Umgang 2 Kommentare »

Pferde sind auch nur Menschen

Keine Sorge, wer bei dem Titel nun befürchtet, dass ich Pferde hoffnungslos vermenschliche :-) Ich fand den Titel nur sehr passend, weil mir mal wieder klar wurde, dass wir unseren Pferden leider oft viel weniger an Regungen und Stimmungen zugestehen als uns selbst.

Auf die Idee für diesen Artikel hat mich mein Aramis gebracht. Ihm ging es im letzten halben Jahr nicht wirklich gut. Mein sonst vor Stärke strotzender Haflinger-Mann wirkte matt und müde. Körperlich baute er ziemlich ab, stimmungsmäßig war er kaum zu motivieren. Dann kamen noch einige Erkrankungen dazu, in der Herde gingen etliche Pferde und er rutschte von der Rangfolge ganz weit nach unten ab.

Die Ursachen für all das waren vielfältig, das Ergebnis war, das mein sonst so motiviertes Pferd fast zu nichts mehr zu gebrauchen war.

Bei uns war diese Phase schon ziemlich stark, aber ich denke fast jeder von uns kennt Zeiten, in denen unsere Pferde nicht so wollen, wie wir es gewohnt sind. In denen sie faul sind und träge und unmotiviert – oder je nach Typ vielleicht auch fahrig, nervös und überängstlich. Die Frage ist, wie geht man damit um?

Die meisten von uns fordern von ihren Pferden einen immer gleichbleibenden oder gar steigenden Level an Leistung und Leistungsbereitschaft. Und wenn das Pferd nicht will, muss man sich halt durchsetzen, nicht wahr? Schließlich soll es nicht den Eindruck bekommen, es könne sich vor der Arbeit drücken und wir wollen ja den so mühsam erarbeiteten Trainingsstand nicht verlieren! Nein, da muss so ein Pferd durch, oder nicht?

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7. Februar 2012 von Tania • Kategorie: Umgang 13 Kommentare »

Frech, oder was?

Wir bekommen immer wieder Anfragen von Pferdeleuten, die wissen möchten, wie sie sich verhalten sollen, wenn ihr Pferd “zu frech” ist. Als Beispiel wird dann genannt, dass ein Pferd an der Jacke knabbert, auf dem Führstrick herumkaut, den Putzkasten umwirft und ähnliches mehr. “So etwas kann man doch nicht durchgehen lassen, oder?” lautet die Frage mit der Bitte um Rat, wie man sich verhalten soll.

Bevor wir uns damit befassen, wie wir auf ein unerwünschtes Verhalten unserer Pferde reagieren, sollten wir, denke ich, zunächst uns diese Verhaltensweisen einmal genauer anschauen. Nehmen wir dazu das Beispiel von dem Pferd, das einem Menschen an der Jacke zupft. Auch wenn mir da nun vielleicht viele spontan widersprechen werden, behaupte ich: ein solches Pferd muss nicht automatisch “frech” sein.

  • Es kann vielleicht vielmehr ein sehr kontaktfreudiges Pferd sein, das noch nicht gelernt (also wirklich verstanden) hat, dass in die Jacke beißen etwas ist, das der Mensch nicht will.
  • Es kann ein Pferd sein, das sich langweilt und das aus Frust versucht, Aufmerksamkeit zu erlangen.
  • Es kann ein Pferd sein, das zu wenig Kontakt zu Artgenossen hat und schlicht und einfach sein Grundbedürfnis nach Fellpflege ausleben will und das aufgrund des Mangels an Artgenossen eben am Menschen.
  • Es kann ein Pferd sein, dessen Mensch es in vielen Fällen “lustig” findet, wenn es an ihm herumknabbert, aber eben in manchen Momenten dieses Verhalten als frech empfindet, so dass es nicht wissen kann, was erlaubt ist und was nicht.
  • Es kann ein neugieriges Pferd sein, das alles erkunden will (und das tun Pferde nun mal mit ihrem Maul).
  • Und … und … und …

Nur allein beim kurzen Nachdenken, sind mir bereits fünf mögliche Erklärungen eingefallen, von denen allenfalls eine auf ein “freches” Pferd schließen lässt und die ist hausgemacht (das Pferd von der Person, die es sonst witzig findet, beknabbert zu werden).

Was ich mit diesem Beispiel deutlich machen will: Ein Pferd ist nicht einfach frech, sondern es gibt Ursachen für jedes Verhalten eines Pferdes. Nur wenn wir erkennen, warum ein Pferd etwas macht, haben wir die Möglichkeit, angemessen auf das Verhalten zu reagieren. Wenn wir dem Pferd nicht, wie leider so häufig der Fall, automatisch bösen Willen unterstellen und es deshalb bestrafen, sind wir offen für freundliche Reaktionen, mit denen wir dem Pferd erklären können, dass wir sein Verhalten nicht mögen.

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24. Januar 2012 von Tania • Kategorie: Umgang 14 Kommentare »

Zumutbar?

Für mich gehört es zu meinem Selbstverständnis als Pferdebesitzerin, dass ich etwas mit meinen Pferde mache. Sie also bewege und beschäftige, sie trainiere und “arbeite”. Einmal in der Woche gibt es meistens frei oder auch mal zweimal, wenn ich das Gefühl habe, eine Pause würde ihnen gut tun. Wenn ich verreise, haben die Jungs auch Urlaub. Aber an allen anderen Tagen habe ich den Anspruch an mich, etwas mit den beiden zu machen.

Nun gibt es aber Tage, an denen ich so unter Stress stehe, dass ich schnell genervt und gereizt reagiere oder ich habe eigentlich kaum Zeit, will also das Programm mal “schnellschnell” durchziehen. Oder ich bin mit meinem Kopf ganz woanders und kann mich nicht wirklich auf meine Pferde konzentrieren. Oder ich habe Kopfweh und würde am liebsten ins Bett krauchen.

Früher habe ich an solchen Tagen trotzdem was gemacht. “Reiß dich zusammen.” habe ich mir gesagt. Das waren dann fast immer “doofe” Tage. Tage, an denen nichts richtig klappte oder ich mich sogar mit den Pferden stritt. Tage, an denen ich mich hinterher noch mieser fühlte als vorher.

Heute versuche ich im Vorfeld zu erkennen, ob es wirklich eine gute Idee ist, etwas mit den Jungs zu machen oder ob ich es lieber sein lassen sollte. Ich frage mich dann, ob ich meinen Jungs zumutbar bin :-) Und manchmal bin ich genau das eben nicht.

Zumutbar bin ich dann nicht, wenn ich mich vor lauter eigenen Kram nicht auf sie einlassen kann. Wenn die Gefahr besteht, dass ich zu streng bin oder zu ungeduldig oder dass ich unfair werde. An diesen Tagen erteile ich mir ein “Jungs-Verbot” :-) Ich fahre dann nur zum Füttern hin, aber gemacht wird nichts mit ihnen. Ich glaube, ich tue ihnen damit einen größeren Gefallen!

Wie ist das bei Euch? Zieht Ihr Euer Programm durch, auch wenn Ihr merkt, dass Ihr nicht gut drauf seid? Wie reagieren Eure Pferde darauf? Ich bin gespannt!

29. September 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 22 Kommentare »

Wut ist gut?

Wut ist ein heftiges Gefühl. Wut besteht aus großem Ärger und Zorn. Wut macht impulsiv und aggressiv. Wut führt dazu, dass wir nicht nachdenken, sondern blind handeln. Wut lässt uns brüllen oder gar schlagen. Da sollte man doch annehmen, dass Wut beim Pferd nichts, aber auch wirklich gar nichts zu suchen hat, oder nicht?

Leider ist in der Pferdewelt vieles anders, als was man vom normalen Menschenverstand her annehmen sollte und so wird Wut durchaus “empfohlen”, mehr noch, gerade Anfänger oder Kinder werden in Sachen Wut regelrecht ermutigt:

  • “Werd doch mal richtig wütend und setz dich durch!”
  • “Werd doch mal sauer, der macht mit dir, was er will.”
  • “Zeig Ihr, dass es dir reicht und zieh ihr eine über.”

Das sind leider keine ausgedachten Sätze, sondern Sätze, die ich in meinen frühen Reitunterricht-Jahren wieder und wieder gehört habe. Und die ich befolgt habe. Sätze, die Taten haben folgen lassen, für die ich mich schäme. Bis zum heutigen Tag arbeite ich daran, diese tief sitzenden Muster zu durchbrechen.

Für mich ist die Sache inzwischen ganz klar: Wut ist NICHT gut! Wut hat am Pferd nichts zu suchen. Ich habe noch nie erlebt, dass Wut im Umgang mit Pferden zu etwas Guten geführt hat – nicht bei mir und nicht bei anderen.

Pferdegerechter Umgang heißt für mich, die eigene Wut nicht auszuleben, sondern sie in den Griff zu bekommen und konsequent wegzuleiten vom Pferd. Wir haben kein Recht, wütend auf ein Pferd zu sein und unsere Wut hat keinen konstruktiven Nutzen im Umgang mit einem Pferd.

Wut kann hier nur zerstören: Beziehungen und Vertrauen.

22. September 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 16 Kommentare »

Dürfen Pferde Fehler machen?

Mit den Fehlern ist das schon eine seltsamen Sache: Jeder von uns weiß, dass Fehler zum Leben und zum Lernen dazugehören und jeder von uns macht Fehler. Aber mal ganz ehrlich, wie sieht es mit unseren Pferden aus? Dürfen auch sie Fehler machen?

Wenn man sich mal in der Reiterwelt umschaut, kann man schnell den Eindruck bekommen, dass Pferde auf gar keinen Fall Fehler machen dürfen. Denn wenn ein Pferd etwas falsch macht, folgt die Strafe auf dem Fuße. Schließlich muss es doch merken, wenn etwas nicht richtig war, nicht wahr? Wie soll es sonst lernen?

So habe ich früher auch gedacht – und leider habe ich auch danach gehandelt. Heute weiß ich, dass für das Lernen eine angstfreie Atmosphäre nötig ist.

Bei der Frage, wie wir mit Fehlern unseres Pferdes umgehen, gibt es zwei Aspekte zu beachten:

  • Unsere eigene Seite: Können wir uns wirklich immer sicher sein, eindeutige Signale und korrekte Hilfen zu geben? Oder könnte es vielleicht sein, dass der Fehler gar nicht vom Pferd gemacht wird, sondern von uns selbst? Seitdem ich mir klar gemacht habe, wie oft ich selbst fehlerhaft reite oder widersprüchliche Signale gebe, bin ich sehr vorsichtig geworden, einen Fehler beim Pferd zu vermuten. Für die allermeisten Fehler, die Pferde machen, liegen meinem Eindruck nach die Ursachen in einer mangelnden Kommunikation, in falschen Signalen oder schlicht und einfach in Missverständnissen. Und bei all diesen Ursachen gibt es keinen Grund, ein Pferd zu strafen, sondern wir sind aufgerufen, unsere Signale deutlicher, also pferdeverständlicher zu machen oder auch zu überprüfen, ob unser Pferd tatsächlich gerade leisten kann, was wir verlangen. Sehr oft hilft eine freundliche Wiederholung der Aufforderung und das Pferd tut, was wir möchten.
  • Die Seite des Pferdes: Ein Pferd, das Angst vor Fehlern hat, ist ein gehemmtes Pferd. Es wird versuchen, alles richtig zu machen, aber genau in diesem Eifer hört es vielleicht nicht richtig zu. Oder es nimmt vor lauter Angst Zeichen gar nicht wahr. Ein Pferd, das Angst hat, hat Stress. Und unter Stress lernt es sich nur sehr schwer. Ein Pferd das hingegen entspannt ist und weiß, dass es auch mal etwas falsch machen darf, ohne gestraft zu werden, ist ein lockeres und offenes Pferd. Es wird Signale besser wahrnehmen und verstehen können. Es schlägt vielleicht auch mal eigene Dinge vor, weil es diese für eine gute Idee hält. Und wird es auch dafür nicht gestraft, wird es immer mehr Motivation entwickeln.

Mit diesen beiden Seiten im Kopf lebe ich mit meinen Pferden seit einiger Zeit das Motto: “Fehler machen erlaubt!” Ich darf Fehler machen, sie dürfen Fehler machen, wir dürfen gemeinsam Fehler machen. Geschieht ein Fehler, wird freundlich korrigiert und einfach neu angesetzt. Und das tut uns allen dreien unendlich gut!

1. September 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 5 Kommentare »

Nie zufrieden?

Seit einer Weile schreibe ich immer mal wieder was zu dem Thema “Was Pferde nervt“, so z.B. über unseren Einsatz der Stimme, über unser Bedürfnis, Pferde ständig anfassen zu wollen oder auch über das Thema “Klarheit“. Heute nehme ich mir einen weiteren, wie ich denke, sehr wichtigen Aspekt vor: und zwar unsere Tendenz, nie zufrieden zu sein.

Es scheint ein sehr menschlicher Zug zu sein, irgendwie immer mehr oder immer etwas anderes zu wollen, als wir gerade haben. Diese Eigenschaft findet sich zunächst vor allem bei eher ehrgeizigen Menschen, aber bei Weitem nicht nur bei ihnen.

Vielleicht findet Ihr Euch ja hier wieder?

  • Kaum kann unser Pferd einigermaßen gebogen und locker im Trab auf einer Volte laufen, wollen wir das im Galopp.
  • Kaum geht unser Pferd zwei, drei Schritte losgelassen rückwärts, arbeiten wir schon an der Schaukel.
  • Kaum hat unser Pferd einige Schritte Schulterherein gezeigt, wollen wir das Schulterherein in Trab und im Galopp.
  • Kaum zeigt ein Pferd den spanischen Gruß, soll es am liebsten schon im spanischen Trab herumtanzen.
  • Kaum hat unser Pferd gelernt, sich über den Cavalettis in schöner Selbsthaltung zu zeigen, soll es springen.
  • Usw. usw.

Oder vielleicht hier:

  • Kaum hat ein Pferd seine Angst vor dem Gymnastikball halbwegs überwunden, wollen wir es schon in eine Plastikplane einwickeln.
  • Kaum vertraut uns unser Pferd so, dass wir entspannt spazieren gehen können, wollen wir nun endlich ausreiten.
  • Kaum ist das Pferd in seinem neuen Stall angekommen, soll es gleich in der nächsten Woche konzentriert im Unterricht mitgehen.
  • Kaum hat sich unser Pferd von seinem Hufgeschwür erholt, haben wir schon wieder einen strammen Trainingsplan ausgearbeitet.
  • Usw. usw.

Kurz und gut: Es reicht nie. Es ist nie genug. Wir sind nie wirklich zufrieden.

Und leider übersehen wir dabei, dass genau das das Pferde enorm frustrieren kann.

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25. August 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 8 Kommentare »

Mehr Klarheit, bitte!

Vor einiger Zeit schrieb ich hier darüber, dass wir unsere Pferde oft unwissentlich nerven und ich bin dann auf die Punkte “Reden” und “Anfassen” eingegangen. Heute möchte ich mir einen weiteren, aus meiner Sicht sehr wichtigen Nervfaktor vornehmen und das ist das Thema “Klarheit”.

Pferde und Menschen sprechen von Natur aus nicht dieselbe Sprache. Wir müssen erst lernen, uns miteinander zu verständigen und unser jeweiliges Gegenüber zu deuten. Nun haben wir Menschen die Eigenart, einfach davon auszugehen, dass man uns versteht (und das übrigens Menschen wie eben auch Tieren gegenüber). Wir denken, dass wir klar sind in unseren Äußerungen und sind jedes Mal vollkommen erstaunt, wenn es zu Missverständnissen kommt (und das gilt meiner Erfahrung nach wieder Menschen und auch Tieren gegenüber).

Der erste Schritt hier ist für mich der, dass wir überhaupt erst einmal den Gedanken zulassen, dass uns unser Pferd unter Umständen gar nicht verstehen kann.

Kann mich mein Pferd überhaupt verstehen?

Was macht es einem Pferd schwer, uns zu verstehen? Die Liste der Ursachen dazu ist lang:

  • Wir senden uneinheitliche Signale für ein- und dieselbe Sache.
  • Wir senden widersprüchliche Signale.
  • Wir senden zu viele Signale gleichzeitig.
  • Wir senden falsche Signale.
  • Wir senden zu wenige Signale.
  • Wir entscheiden uns ständig neu.
  • Wir haben selbst keine klare Vorstellung, keine klaren Bilder im Kopf.

Uns zu lesen ist sehr schwer für ein Pferd

Fakt ist: Pferde sind exzellent darin, feinste Signale aufzunehmen und genau deshalb haben es Pferde alles andere als leicht, uns zu lesen. Wir Menschen sind nämlich in unseren Ausdrucksweisen oft sehr diffus. (weiterlesen …)

18. August 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 7 Kommentare »

Wie sich Vertrauen zeigt…

Babette hat vor kurzem einen wundervollen Artikel zum Thema “Vertrauen” geschrieben, der mich selbst sehr nachdenklich gemacht hat. Die Frage, was tatsächlich Ausdruck von ehrlichen Vertrauen ist, sollte sich vielleicht jeder mal in Ruhe stellen.

Babette erwähnt in ihrem Artikel, dass ich Aramis manchmal ohne Zaum im Gelände reite. Ja, das ist für mich ein Ausdruck von Vertrauen. Und zwar von beidseitigem Vertrauen. Ich glaube sogar, dass ich in diesen Momenten meinem Pferd noch mehr vertrauen muss als er mir. Was mir das möglich macht ist, dass ich spüre, wie gut er auf mich aufpasst, wie aufmerksam er bei mir ist. Das gibt mir Sicherheit, die mir wiederum das Vertrauen ermöglicht.

Es stecken 12 Jahre Miteinander in diesem Bild.

So mit meinem Pferd durchs Gelände reiten zu können, ist für mich die Krone des Vertrauens. Es ist etwas ganz, ganz Besonderes und macht uns beide glücklich und zufrieden. Aber mir fallen noch viele, viele andere Vertrauensmomente ein, scheinbar viel kleinere, die aber genauso wichtig für unsere Beziehung sind.

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16. Juni 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 6 Kommentare »

Respektloses Rückwärtsrichten

Ich habe in all meinen Pferdejahren schon vieles ausprobiert, habe mir viele Trainer angeschaut, habe viele Kurse besucht und habe viel gelesen. Manches hat mich weitergebracht, manches nicht und manches erscheint mir aus heutiger Sicht schlicht und einfach als Unfug.

Grober Unfug besteht für mich z.B. in der immer wieder gerne verbreiteten Methode, Pferde durch energisches Rückwärtsrichten “Respekt beizubringen”.  Genau das hatte ich nicht nur an verschiedenen Stellen gelesen, sondern auch in Vorführungen in der Anwendung gesehen. Ich bereue bis heute, dass ich damals diesen Ansatz übernommen habe, ohne zu hinterfragen, wie viel Sinn (oder eben Unsinn) in der Sache steckt. Ich möchte heute darüber schreiben, weil ich hoffe, dass sich so vielleicht manch einer diesen Fehlgriff ersparen kann (und vor allem seinem Pferd!).

Mein Aramis ist eine wundervolle Pferdepersönlichkeit – offen, sensibel und grundehrlich. Nun ist er aber auch groß und kräftig und hat eigene Vorstellungen – etwas, das immer wieder gerne als “dominant” interpretiert wird. Ich, von meinen ersten Pferdejahren stark darauf geprägt, mich durchsetzen zu müssen, sah in dem Rückwärtsrichten eine überzeugende Möglichkeit, meinem Pferd zu zeigen, “wer der Chef ist”.

Ich setzte das also im Alltag ein, immer dann, wenn ich meinte, dass mein Pferd “mehr Respekt” zeigen sollte. Wie sehr ich damit auf dem Holzweg war, wurde mir dann erst auf einem Seminar klar, das ich mit Aramis besuchte.

In diesem Seminar wurde Aramis natürlich auch als “dominant” bezeichnet und mir wurde gesagt, dass ich ihn energisch rückwärts schicken soll, damit er lernt, mich zu respektieren. Das kannte ich ja schon, lernte nun aber, dass ich das noch mit viel mehr Nachdruck tun sollte. Also schlackerte ich meinem Pferd den Führstrick-Karabiner um die Ohren und schickte ihn ohne jeden Anlass rückwärts, einfach nur um Chef zu sein. Ich war dabei nicht besonders freundlich, denn es sollte ja “energisch” sein und wurde genau dafür gelobt. Dasselbe machte dann etwas später auch noch eine Ko-Trainerin, die der Meinung war, mein Pferd sei zu aufdringlich.

Aramis ist wirklich ein durch und durch freundliches Tier und er hat einen tollen Humor. Es braucht viel, um ihn wütend zu machen. In diesem Seminar habe ich mein Pferd wütend erlebt, richtig wütend.

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2. Juni 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 23 Kommentare »

Vorsicht: Fehlinterpretationen lauern überall!

Neulich bei der Hufpflege: Anthony hatte keine Lust und zeigte das anthony-typisch sehr deutlich. Er quengelte und nörgelte, zog weg und hampelte herum. Mein Hufpfleger bewies eine Engelsgeduld und blieb vollkommen ruhig und gelassen. Der Kleine fügte sich und machte dann recht gut mit. Beim letzten Hinterhuf fing er allerdings wieder an, rumzuzicken und zwar richtig. Wollte nicht stehen, wollte den Huf nicht oben lassen und zog kräftig gegen. Mein Hufpfleger ließ darauf den Huf herunter – und, siehe da: Anthony musste äppeln.

Viele hätten in derselben Situation sicher gesagt: “Der braucht mal eine klare Ansage, so ungezogen wie der ist.” und hätten geschimpft oder auch zugelangt. “Das kann man einem Pferd nicht durchgehen lassen.” hört man dann oft.

In diesem Fall wäre das aber (wie wahrscheinlich sehr, sehr oft) eine komplette Fehlinterpretation gewesen und darüber hinaus höchst unfair: Denn, obwohl Anthony keine Lust auf die Hufpflege hatte, hatte er sich gefügt und wirklich ziemlich brav mitgemacht. Hätten wir ihn nun für das Gehampel beim letzte Hinterhuf gestraft oder gar geschlagen, hätte er – zu Recht – die Welt nicht mehr verstanden! Was für eine Botschaft wäre das für ihn gewesen? Ich möchte behaupten, dass wir ihn damit die Hufpflege garantiert nicht schmackhafter gemacht hätten…

Nach dem Äppeln stand er wieder ruhig und ich war einmal mehr froh, meine alten Verhaltensmuster durchbrochen zu haben und den Kleinen nicht bestraft zu haben.

Achtet mal bewusst darauf, wie oft ihr davon ausgeht, dass Euer Pferd “ungezogen” ist und ihr das unterbinden müsst und fragt Euch lieber einmal mehr als einmal zu wenig, ob es vielleicht einen guten Grund haben könnte. Es ist, zugegebenermaßen, nicht immer so offensichtlich wie in dem geschilderten Beispiel, aber je mehr ich darauf achte, desto öfter finde ich die Ursache für vermeintliche “Unartigkeiten” bei den Menschen, nicht bei den Pferden…

26. Mai 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 7 Kommentare »

Nur nichts persönlich nehmen!

Heute möchte ich über etwas schreiben, das ich von mir selbst gut kenne und das ich immer wieder bei allen möglichen Pferd-Mensch-Beziehungen beobachten kann: nämlich, dass wir Menschen dazu neigen, das Verhalten unserer Pferde viel zu persönlich zu nehmen.

Sätze und Gedanken wie die folgenden machen das Problem deutlich:

  • “Wieso ist der Gaul nur so undankbar?” oder
  • “Warum tut er mir das nur immer wieder an?” oder
  • “Muss sie ausgerechnet heute so sein, wo ich doch gerade heute etwas Aufbauendes gebraucht hätte?” oder auch einfach nur
  • “Das macht der mit voller Absicht!”

Vielleicht kennt Ihr solche Gedanken von Euch selbst? Und die verletzten Gefühle, die damit verbunden sind?

Wenn wir die Verhaltensweisen unserer Pferde persönlich nehmen, dann lauert eine große Gefahr: wir interpretieren das Verhalten dann auf der Grundlage unseres Menschseins. Dann kommen wir zu solchen Schlüssen, wie “Der will mich nur ärgern.” oder “Die Ziege weiß genau, wann es mir schlecht geht und tut ihr Übriges dazu.” oder gar “Der liebt mich nicht.”

Pferde können nicht verstehen, warum uns teilweise zum Heulen zumute ist, wenn sie einfach nicht tun, was wir wollen. Aus ihrer Sicht macht unsere Forderung vielleicht keinen Sinn oder wir stellen unsere Forderung so, dass das Pferd gar nicht weiß, was wir wollen oder es will uns nicht folgen, weil wir zu unsicher sind. Es gibt unendlich viele Gründe für ein Pferd, nicht zu tun, was wir von ihm verlangen. Nur indem wir wirklich verstehen, warum ein Pferd unserer Forderung nicht nachkommt, können wir bessere Wege für eine funktionierende Kommunikation und ein schönes Miteinander finden. Wenn wir aber beleidigt reagieren oder verletzt sind, weil “der Bock so undankbar ist”, schneiden wir uns von jeder Möglichkeit ab, konstruktive Lösungen zu finden. Wir vergeuden unsere Energie mit verletzten Gefühlen anstatt unser Verhalten zu hinterfragen und pferdegerechte Wege zu finden.

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12. Mai 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 8 Kommentare »

Tauziehen ums Gras – das muss nicht sein!

Nicht nur, aber vor allem im Frühling lockt unsere Pferde das Gras. Und so kann man nicht selten sehen, wie Pferde ihre Menschen fröhlich zum nächsten Grasbüschel ziehen oder beim Reiten mal eben den Kopf herunternehmen, um einen ordentlichen Bissen Grün zu erhaschen.

Ganz klar, auch für meine Hafis ist Gras das Größte. Und ja, auch meine Hafis würden gerne jeden Moment nutzen, um Gras zu naschen. Früher habe ich unzählige Male an Stricken gehangen und mich über Wiesen ziehen lassen. Ich habe geschimpft und gezetert, gezogen und gehauen. Nichts half wirklich.

Inzwischen tun meine Pferde das nicht mehr. Nicht, wenn ich sie über Gras führe und nicht, wenn ich über Gras reite; auch dann nicht, wenn ich einen als Handpferd dabei habe. Klar, sie fragen hin und wieder an, aber ich muss keine Angst haben, irgendwo hingezogen zu werden.

Wie man das erreicht und vor allem, wie man es ohne Gewalt erreicht – dazu habe ich im Folgenden vier Tipps für Euch zusammengestellt.

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5. Mai 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 20 Kommentare »

Stopp dem Streichelzwang

Vor kurzem schrieb ich darüber, wie ich durch Anthony lernte, meine Pferde nicht mehr ständig vollzusabbeln. Heute geht es um eine weitere Lektion, die ich vor allem von ihm gelernt habe: meine Pferde weniger anzutatschen. Und das zu lernen, war wirklich nicht leicht und es gelingt mir auch nicht immer… ;-)

Natürlich wollen wir unsere Pferde am liebsten ständig streicheln. Sie fassen sich einfach zu gut an und wir Menschen zeigen unsere Zuneigung eben gerne durch Streicheln. Aber nicht immer tun wir unseren Pferden damit einen Gefallen.

Pferde haben nicht grundsätzlich ein Problem mit Berührungen, aber sie sind sehr verschieden, was ihr Bedürfnis nach Streicheleinheiten angeht.

  • Manche Pferde lieben es, überall gekrault zu werden,
  • andere haben ausgewählte Lieblingsstellen, an denen sie gerne kräftig gekratzt werden
  • und wieder andere bevorzugen ganz sanfte Berührungen.
  • Manche Pferden mögen bestimmte Striegel oder Bürsten lieber als andere,
  • andere finden z.B. Massagen angenehmer als Streicheleinheiten oder umgekehrt.
  • Manche Pferde sind ständig offen für menschliche Berührungen,
  • andere entscheiden lieber selbst, wann sie Kontakt wollen.
  • Und manchen Pferden bereiten Berührungen Stress.

Hinzu kommen tägliche Stimmungen und Vorlieben, so dass ein Pferd vielleicht an einem Tag gerne gestreichelt wird, ihm aber am nächsten Tag solche Knuddeleien zu viel sind. Es ist also eine gute Idee, hier wirklich mal bewusst herauszufinden, was dem eigenen Pferd gefällt und was nicht und sensibel für Zeichen von Unwohlsein zu werden.
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21. April 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 16 Kommentare »

Die Sache mit der Stimme…

Vor kurzem hatte ich über genervte Pferde geschrieben und dort aufgeführt, welche Faktoren ich als Nervauslöser sehe. Wie angekündigt will ich mir nun immer mal wieder einen dieser Nervpunkte vornehmen und Euch Anregungen geben, wie man diese reduzieren kann.

Heute geht es um das Thema “Stimme”.

Pferde kommunizieren nur in wenigen Fällen mit ihrer Stimme. Klar, es wird mal gewiehert, gequietscht oder auch geschrieen, aber z.B. anders als Hunde oder Vögel, ist der Ausdruck über Töne für das Pferd eher Ausnahme als die Regel. Im Miteinander mit Artgenossen sind Töne also Signale, die auffallen und für Aufmerksamkeit sorgen. Wenn wir Menschen nun dauerhaft Töne von uns geben, ist das ein ständiger Reiz. Macht dieser Reiz keinen Sinn für ein Pferd, wird es lernen, unsere Stimme zu ignorieren. Und genau das ist nichts, was wir wollen! Zum einen verschenken wir damit eine wertvolle Möglichkeit, mit unserem Pferd zu kommunizieren und zum anderen ist das “Abschalten” ein klares Zeichen für das Genervtsein meines Pferdes.

Weniger ist mehr

Pferde können Stimmsignale lernen und verstehen. Was sie nicht verstehen können, sind Monologe und Dauergerede.

Ich habe z.B . gerade Anthony zu Beginn der Ausbildung regelrecht vollgelabert. Zum einen aus dem Bedürfnis heraus, mich ihm verständlich zu machen und zum anderen weil ich Nähe zu ihm suchte. Ich spürte ja genau, dass mein Kleiner nicht wirklich begeistert von vielem war, was ich mit ihm tun wollte und so hoffte ich wohl, ihm die Sachen schön zu reden. Damit aber erreichte ich genau das Gegenteil. Durch meinen stimmlichen Dauerbeschuss konnte er die tatsächlichen Stimmhilfen kaum herausfiltern und er beschloss, auf Durchzug zu stellen. (weiterlesen …)

31. März 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 13 Kommentare »

Das böse Wesen Pferd!?

Eines stimmt mich im Austausch mit anderen Pferdeleuten immer sehr traurig: Und zwar die Tatsache, dass die meisten offenbar davon ausgehen, dass Pferde “böse” sind.

Immer wieder heißt es:

  • “Wenn ich ihm das durchgehen lasse, dann nutzt er das aus.”
  • “Wenn ich nicht höllisch aufpasse, dann macht er sein eigenes Ding.”
  • “Wenn ich nachgebe, dann habe ich schon verloren.”
  • “Ich muss mich bei diesem Pferd immer durchsetzen, damit sie nicht die Oberhand gewinnt.”

Genau solche Sätze habe ich auch selbst in der Vergangenheit gedacht. Und ich habe genau nach solchen Befürchtungen gehandelt. Die Überzeugung, dass Pferde nur auf ihre Chance warten, unsere Schwächen ausnutzen zu können, um dann unkontrolliert ihr Ding zu machen, wurde mir von Beginn an tief eingebläut.

Heute denke ich, dass es zu schade ist, dass ich einen solchen Start in die Pferdewelt hatte und noch trauriger bin ich darüber, dass das leider offenbar ganz vielen auch so geht. Denn heute weiß ich, dass Pferde überhaupt nicht so sind, wie sie mir beschrieben wurden!

  • Pferde sind nicht hinterlistig.
  • Sie sind nicht berechnend.
  • Pferde sind nicht fies.

Ganz im Gegenteil.

Pferde sind meiner Erfahrung nach von Natur aus Tiere, die auf Kooperation ausgerichtet sind. Sie wollen gut mit uns auskommen und wollen uns gefallen. Sie sind immer wieder zu neuen Versuchen bereit, uns zu verstehen, egal wie undeutlich und verwirrend wir kommunizieren. Sie verzeihen uns Fehler und Unachtsamkeiten genauso wie Ungerechtigkeiten und ja, auch Brutalität. (weiterlesen …)

3. März 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 22 Kommentare »

Nerv nicht!

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass Anthony und ich es zu Beginn nicht gerade leicht miteinander hatten. In den ersten zwei Jahren bin ich so manches Mal an seiner vermeintlichen “Sturheit” gescheitert und habe seinen Hafi-Dickschädel mehr als einmal verflucht.

Erst als ich erkannte, dass mein Pferd nicht “stur”, sondern streckenweise schlicht und einfach genervt von mir war, kam ich mit ihm voran. Denn durch diese Erkenntnis arbeitete ich an mir und nicht an ihm. Interessanterweise schärfte diese Erkenntnis bei mir den Blick auch dafür, dass ich auch Aramis manchmal ziemlich nervte – und auch hier konnte ich durch Veränderungen an meinem eigenen Verhalten viel Positives bewirken.

Nun erlebe ich durch die Schule, mit der ich in dieser Hinsicht bei meinen Pferden gegangen bin, auch bei anderen genau dieses Phänomen: Pferde, die von ihren Menschen zum Teil leicht, zum Teil aber auch schwer genervt sind. Und da ich glaube, dass vielen Menschen gar nicht klar ist, dass sie ihre Pferde nerven, dachte ich mir, schreib ich einfach mal darüber.

Woran erkennt man, ob ein Pferd genervt ist?

Viele scheinen gar nicht wahrzunehmen, dass ihr Pferd genervt ist. Von außen ist es natürlich leichter zu erkennen, zumal man nicht so stark emotional verbunden ist. Aber wir können selbst sensibler für die Anzeichen werden, wenn wir uns trauen, ein bisschen genauer hinzuschauen.

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, da ehrlich mit sich selbst zu sein – schließlich möchte man doch sooo gerne von seinem Pferd geliebt werden. Aber – und auch das weiß ich von mir selbst – oft sind es gerade diejenigen, die besonders dringend von ihren Pferden geliebt werden wollen, die ihre Pferde nerven. (weiterlesen …)

24. Februar 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 16 Kommentare »

Optimist oder Pessimist?

Wissenschaftler um Michael Mendl von der University of Bristol in Langford haben eine interessante Entdeckung gemacht: Auch bei Hunden gibt es geborene Optimisten und geborene Pessimisten! Sie fanden heraus, dass einige Hunde von Natur aus immer eher etwas Gutes erwarten, während andere grundsätzlich eher von negativen Folgen ausgehen.

Das kenne ich nur zu gut von meinen beiden Pferden! Genau in diesem Grundwesenszug unterscheiden sich Aramis und Anthony ganz deutlich: Aramis erwartet immer eher etwas Schönes und Tolles, während Anthony grundsätzlich immer erst einmal davon ausgeht, dass die Sache doof ist und sich erst nach und nach überzeugen lässt.

Interessanterweise hat das offenbar nichts mit den tatsächlichen Vorerfahrungen zu tun, denn Aramis hat in seinem Leben schon deutlich mehr Mist erlebt als Anthony. Das bestätigt die Annahme, dass es sich hierbei um etwas Angeborenes handelt.
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20. Januar 2011 von Tania • Kategorie: Umgang 7 Kommentare »

Ich bin Tania Konnerth und das sind meine beiden Hafis:

Mein Großer: Aramis, geb. 1992
Mein Kleiner: Anthony, geb. 2003

Aramis ist seit 1999 bei mir, Anthony seit 2006. Hier stelle ich die beiden vor und in diesem Blog berichte ich über das Lernen mit und von meinen Pferden und über unsere Entwicklung.

Ich bin Autorin und habe zusammen mit Babette verschiedene Selbstlernmedien erstellt.

Was ich sonst noch mache, ist auf www.taniakonnerth.de nachzulesen.